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#Vanlife: Lieferwagen fahren autonom in die Zukunft

Private Life and Mobility

Raven Brooks

9.09.2019

       

Lieferdienste sind ein wesentlicher Bestandteil des modernen Lebens. Wir alle sind auf sie angewiesen – sogar stärker als wir denken. Doch welche Rolle wird das autonome Fahren dabei in Zukunft spielen?

Foto: nuro.ai

Wer kennt das nicht: Es ist Freitagabend, 21 Uhr. Du hast dich bereits in deine gemütlichsten „Gammelklamotten“ geworfen, als du ernüchternd feststellst: Kein Essen im Haus und nach der langen Arbeitswoche hast du alles, aber keine Lust jetzt noch groß ‘was zu kochen.

 

Also tust du das einzig Vernünftige und bestellst dir was zu essen. Ganz einfach online über eine App, du musst nicht mal ein Telefonat führen. Aber du möchtest dein Essen ja auch noch geliefert bekommen, sobald es zubereitet ist. Und dabei ist nach wie vor menschlicher Einsatz gefragt, denn irgendjemand muss dir dein Essen ja überreichen.

 

Zumindest in den meisten Teilen der Welt ist das der normale Vorgang, wenn man Essen bestellt. Allerdings gibt es erste Anzeichen, dass sich das in Zukunft ändert. Denn an manchen Orten gibt es bereits heute Lieferdienste, die auf selbstfahrende Fahrzeuge setzen. Zeit also zu schauen, was das autonome Fahren für die Lieferfahrzeuge, ihre Fahrer und uns selbst bedeutet.

 

Die heimlichen Helden der Verkehrswelt

Die heimlichen Pakethelden (Foto: unsplash)

Essen bestellen ist für uns mit ein paar Klicks erledigt. Über Menschen und Technik, die dahinterstecken, denken wir nur selten nach. Oder hast du dir über Vans an sich schon mal Gedanken gemacht? Okay, die Tagträume, in denen du, anstatt deinem normalen Bürojob nachzugehen, mit einem VW-Camper die Welt erkundest, hat wohl fast jeder. An „leichte Nutzfahrzeuge“ und ihre Fahrer haben hingegen wohl die wenigsten je einen Gedanken verschwendet.

 

Aber vielleicht sollten wir genau diesen Nutzfahrzeugen mehr Aufmerksamkeit schenken – so würden wir auch bemerken, wie groß der Einfluss von Lieferwagen für uns und unser tägliches Leben ist. Und dass Lieferwagen ebenfalls vor einer autonomen Revolution stehen, die die Art und Weise völlig verändern könnte, wie wir sie wahrnehmen, sie fahren und nutzen.

 

Die Bedeutung autonomer Lieferfahrten

Laut ACEA (European Automobile Manufacturers Association) sind vielseitig einsetzbare Transporter für unser tägliches Leben unerlässlich. Sie sind ein entscheidendes Element im Baugewerbe, für Post- und Kurierdienste, Rettungsdienste, mobile Werkstätten und für die Personenbeförderung, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Da sie darüber hinaus hauptsächlich von kleinen und mittleren Unternehmen (KMUs) genutzt werden, sind sie für die Wirtschaft unerlässlich. Kurzum: Die Welt, wie wir sie kennen, wäre ohne Lieferwagen nicht dieselbe.

 

Im Jahr 2016 liefen jedoch 96 Prozent der Lieferwagen mit Dieselantrieb, wobei die durchschnittlichen Emissionen bei jeweils 163,8 g CO2/km lagen. Das ist alles andere als nachhaltig. Da Lieferwagen, wie bereits angesprochen, ein wichtiger Bestandteil der Wirtschaft und des täglichen Lebens sind ist klar, dass sich etwas ändern muss. Im ersten Schritt erfolgt der Wechsel auf Elektromotoren, anschließend fahren sie autonom. Und zwar weltweit.

 

Autonome Lieferfahrten in den USA

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Insbesondere in Amerika hat die Technik der autonomen Lieferfahrten bereits große Fortschritte gemacht. Das Silicon-Valley-Unternehmen Nuro hat in Zusammenarbeit mit dem Lebensmittelhändler Kroger Co in Scottsdale, Arizona, einen Robo-Delivery-Service gestartet, der noch in diesem Jahr in Houston eingeführt werden soll. Darüber hinaus hat sich Nuro mit Dominos zusammengeschlossen. Winzige, selbstfahrende Pizza-Lieferfahrzeuge beliefern bereits viele Teil von Houston. Das Besondere: Für einen Menschen ist in den kleinen Transportern gar kein Platz mehr. Stattdessen erhält der Kunde eine Pin-Nummer, mit der er an sein Essen kommt, sobald das Lieferfahrzeug vor seiner Tür steht. Beziehungsweise auf der Straße steht. Denn der Kunde muss nach wie vor sein Haus verlassen, um das Essen abzuholen. Viele würden das wohl lieber vermeiden – vor allem in Klamotten, die man zwar Freitagabends zu Hause, nicht jedoch in der Öffentlichkeit trägt.

 

H-E-B, der größte Lebensmittelhändler in Texas, hat eine Partnerschaft mit Udlev angekündigt. Gemeinsam will man noch in diesem Jahr ein eigenes autonomes Lieferprogramm einführen. Die speziell entwickelten Fahrzeuge werden mit temperaturkontrollierten Abteilen für Frisch-, Gefrier- und Trockenkost ausgestattet und können die gleichen Geschwindigkeiten erreichen wie normale Lieferwagen.

 

Im Hinblick auf größere Lieferungen hat sich der Handelskonzern Walmart mit dem Technologieunternehmen Gatik zusammengeschlossen, „in der Hoffnung, Kundenbestellungen aus dem Zentrallager in Rogers, Arkansas, in eines der beiden nur zwei Meilen entfernten Lager in Bentonville auszulagern“. Darüber hinaus hat Gatik drei Ford Transit Transporter für einen ähnlichen Einsatz in Kalifornien modifiziert. Die Transporter sind sieben Tage die Woche in Betrieb, auch wenn sie derzeit aus Sicherheitsgründen noch menschliche Fahrer benötigen.

 

China treibt die Entwicklung ebenfalls voran

Doch nicht nur in den USA kommt Bewegung in die Umsetzung von autonomen Lieferdiensten. Neolix, ein chinesisches Start-up-Unternehmen, hat kürzlich mit der Serienproduktion erschwinglicher, selbstfahrender Lieferfahrzeuge begonnen, nachdem die mehrere Monate andauernde Testphase auf verschiedenen Campus chinesischer Universitäten ein Erfolg war. Noch in diesem Jahr werden die Fahrzeuge neben Studenten auch Bewohner chinesischen Großstädte mit Essen und vielen weiteren Dingen beliefern. Es ist also gut möglich, dass China in Sachen autonome Lieferdienste schnellere Erfolge erzielt als die USA.

 

Bislang sieht es so aus, dass autonome Lieferdienste schneller zum Alltag gehören werden als selbstfahrende Autos für den Privatbereich. Was keine Überraschung ist, da Transporter – im Gegensatz zu privaten Fahrzeugen – hauptsächlich Waren transportieren. Doch auch wenn der autonome Warentransport und die daraus entstehenden Möglichkeiten spannend sind, drängt sich vor allem eine Frage auf: Was passiert mit dem menschlichen Fahrer?

 

Die 50-Fuß-Lösung

Foto: istock

Wann immer über die Technik des autonomen Fahrens gesprochen wird, stellt sich die Frage, was mit den Fahrern passieren wird. Denn weltweit geht die Sorge um, dass die neue Technik zu massiver Arbeitslosigkeit führt.

 

Allerdings kommt gerade bei autonomen Lieferfahrten die menschliche Komponente noch stärker ins Spiel. Zwar können neugestaltete, autonome Lieferfahrzeuge die Ware von A nach B, also vom Depot zum Bestimmungsort bringen, aber nichtsdestotrotz muss die Ware schlussendlich an die Tür gebracht und dem Endkunden überreicht werden. Diesen letzten Schritt kann selbst die fortschrittlichste Technik bislang noch nicht übernehmen. So bleibt es abzuwarten, wie die Technik mit belebten Straßen mit vielen Fußgängern und mit Wohnungen, die nicht im Erdgeschoss liegen, umgeht. Ford Motor Co geht davon aus, dass zukünftig zweibeinige Roboter für die letzten Meter verantwortlich sind. Dafür müssten wir Robotern vertrauen und sie sogar in unser Zuhause eintreten lassen. Das globale Transportunternehmen UPS sieht das jedoch anders und hat eine andere Idee.

 

Imogen Pierce ist Kommunikationschef des auf Vans und Transporter spezialisierten Technologieunternehmens Arrival, das mit UPS zusammenarbeitet. Pierce nennt das angesprochene Problem die „50-Fuß-Lösung“. 50 Fuß sind etwa 15 Meter und beschreiben die Distanz zwischen der Fahrzeug- und der Wohnungstür. Laut Pierce ist diese Distanz die letzte Hürde, für die es eine Lösung zu finden gilt. Seiner Ansicht nach sind für diesen Job nach wie vor Menschen vonnöten. Denn die Interaktionen und Abläufe an der Haustür sind sehr individuell, insbesondere, da viele Lieferungen persönlich vom Endkunden entgegengenommen werden müssen.

 

Deshalb ist es sehr wahrscheinlich, dass Menschen in der Welt der Lieferdienste nach wie vor wichtig und notwendig sein werden. Wenn auch in veränderter Rolle, da sie den Job des Fahrens nicht mehr übernehmen:

„Für einige Kunden ist der Zusteller die einzige Person, mit der sie am Tag interagieren. Wir müssen also darauf achten, dass der menschliche Kontakt nicht zu einem Luxus wird, sondern im Gegenteil selbstverständlicher wird. Und dabei kann die autonome Technik helfen.“ 

 

Im Grunde ist es also ganz einfach: Löst man das „50-Fuß-Problem“ so, wie Pierce es andeutet, findet man gleichzeitig den Platz des Menschen in der autonomen (Liefer-)Welt. Zumindest in der Theorie. Aber das sind die Fragen, die immer und immer wieder gestellt werden und auf die Antworten gefunden werden müssen.

 

Unsere Empfehlung, bis es soweit ist: Lehnt euch zurück und genießt die frisch bestellte Pizza.

 

Nimm an der Diskussion teil! Wird die Technologie des autonomen Fahrens die Welt der Transport- und Lieferfahrzeuge nachhaltig verändern? Und welchen Platz finden Zustellfahrer in dieser Welt?

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