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Update zu tödlichem Unfall mit fahrerlosem Auto: Warum Uber nicht Schuld ist

Privatleben und Mobilität

Raven Brookes

Raven Brookes

21.11.2019

       

Neue Details zeigen, dass die Fußgängerin, die durch einen Zusammenstoß mit einem selbstfahrenden Uber-Auto in 2018 getötet wurde, höchstwahrscheinlich noch leben würde, wenn die automatische Bremsfunktion nicht abgeschaltet worden wäre – dennoch trifft Uber keine Schuld.

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Der erste Todesfall durch autonomes Fahren

Ein kurzer Rückblick: Wie wir kurz nach dem Vorfall berichteten, wurde die 49-jährige Elaine Herzberg am 18. März 2018 von einem durch Uber betriebenen Volvo XC90 angefahren und getötet. Sie schob zu diesem Zeitpunkt ihr Fahrrad über eine dunkle und belebte Kreuzung in Tempe, Arizona. Es war das erste Mal, dass ein Fußgänger durch ein autonomes Auto getötet wurde.

 

Das Auto war von Uber mit Kameras, Sensoren und Software für autonomes Fahren nachgerüstet worden und befand sich im Testmodus. Es konnte die Fahrt nicht verlangsamen oder gar anhalten, als die Frau die Straße überquerte. Auch der Sicherheitsfahrer konnte nicht rechtzeitig eingreifen. Der Crash führte dazu, dass Uber seine Tests mit fahrerlosen Fahrzeugen in Arizona, San Francisco, Toronto und Pittsburgh sofort einstellte. Zudem wurde eine umfassende Untersuchung eingeleitet.

Sowohl der Fahrer als auch Uber selbst wurden von jeglichem Fehlverhalten freigesprochen, da sich schnell herausstellte, dass es sich um einen Softwarefehler handelte. Dieser hatte dazu geführt, dass die Frau nicht „gesehen“ oder zumindest nicht als Fußgängerin erkannt wurde.

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Neue NTSB-Erkenntnisse

 Seither sind weitere Details ans Licht gekommen. So hat es sich herausgestellt, dass das System nicht wusste, dass Fußgänger auch auf der Straße spazieren können („jaywalk“) und damit auch verbotenerweise kreuzen können. Elaine Herzberg aber überquerte die Straße 100 Meter von einem Zebrastreifen entfernt. Das erklärt, warum das Auto sie trotz einer Reaktionszeit von 5,6 Sekunden nicht richtig erkannt hat. Es identifizierte sie als ein weiteres Fahrzeug und nicht als Fußgänger.

 

Die NTSB Ermittler haben seitdem Informationen veröffentlicht, die einen Teil der Aufmerksamkeit auf Uber gelenkt haben. Die meisten modernen Fahrzeuge, einschließlich des XC90, verfügen werkseitig über eine automatische Notbremsfunktion, die in Situationen, in denen der Fahrer abgelenkt ist oder nicht rechtzeitig eingreift, einsetzt. Dies wurde aber vor der Testphase zum autonomen Fahren von Uber überschrieben, damit sie weder das System noch den Test selbst stören konnte.

 

Volvo hat seitdem selbst Tests durchgeführt, die die Umstände der Kollision imitierten. Man habe festgestellt, dass das System die Auswirkungen hätte verhindern oder zumindest verringern können, wie die NTSB berichtete: „[Der SUV] hätte die Kollision mit der Fußgängerin in 17 von 20 Fällen vermieden – der Fußgänger hätte sich aus dem Weg des SUV herausbewegen können.“

 

Uber hat jedoch mehr als wahrscheinlich richtig gehandelt, dieses System abzuschalten. Die zu diesem Fall konsultierten Experten haben inzwischen erklärt, dass es „technisch sinnvoll“ gewesen sei. „Für das Auto wäre es nämlich auch unsicher gewesen, wenn es zwei ‚Software-Master‘ gehabt hätte".

 

So oder so, für Uber bedeutet das letztendlich, dass das System Schuld hatte. Nicht Uber, und auch nicht der Sicherheitsfahrer. Der wurde entlastet, als man feststellte, dass Herzberg „aus dem Sichtschatten“ erschien, so dass es für ihn sehr schwierig gewesen wäre, rechtzeitig zu reagieren.

Foto: www.shuttershock.com

Die Nachwirkungen

Es wurden Fehler gemacht und Lehren daraus gezogen. Neue Software wurde entwickelt – von Uber, von Volvo und von anderen Technologieunternehmen, die sich mit autonomem Fahren beschäftigen. Diese soll jetzt sicherstellen, dass Menschen und Fahrzeuge klar unterschieden werden können, unabhängig davon, wie sie die Straßen nutzen. Was bleibt ist die Frage nach dem öffentlichen Vertrauen.

 

Abgesehen des Autopiloten-Unfalls von Tesla im Jahr 2016, bei dem der Fahrer ums Leben kam, war und ist Herzberg bis heute das einzige unbeteiligte Opfer eines selbstfahrenden Fahrzeugs. Mit zunehmender Intensivierung von Tests auf öffentlichen Straßen steigt jedoch die Wahrscheinlichkeit, dass weitere Unfälle dieser Art passieren können. Bedeutet das aber, dass das autonome Fahren als Möglichkeit aufgegeben wird?

 

Im Originalartikel über den Crash haben wir uns auf ein 2025AD-Interview mit Professor Armin Grunwald, einem renommierten Technologie-Gutachter des Deutschen Bundestages bezogen. Er sagte damals:

 

„Irgendwann wird diese komplexe Technologie in einer bestimmten Situation eine Fehlfunktion aufweisen und einen Unfall verursachen. Dadurch werden auch Menschen zu Schaden kommen, was die Debatte anfachen wird. Dann müssen wir uns die Gesamtstatistik ansehen: Derzeit sind Menschen für mehr als 90 Prozent aller Unfälle verantwortlich. Wenn das autonome Fahren einen großen Teil dieser Verkehrstoten verhindern kann, wird die Öffentlichkeit dies akzeptieren. Selbst wenn die Systeme gelegentlich ausfallen, ist es unwahrscheinlich, dass Menschen die Technologie als Ganzes ablehnen.“

 

Nimm an der Debatte teil! Werden sich solche Unfälle wiederholen, oder haben die Technologieunternehmen ihre Lektion gelernt?

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