photo: shuttershock.com

Autonomes Fahren schenkt dir 15% mehr "Lebenszeit"

Privatleben und Mobilität

Stephan Giesler

Stephan Giesler

7.10.2019

       

Shiva Kumar, ehemaliger Investmentbanker und mittlerweile stellvertretender Vorstandsvorsitzende eines Mobilitätssoftwareunternehmens, spricht über das „Warum“, das „Wie“ und natürlich das „Wann“ des autonomen Fahrens.

Foto: Shiva Kumar

„Egal, ob wir das gut oder schlecht finden: Autonome Fahrzeuge werden Einzug in unseren Alltag erhalten. Die Frage ist nur: Wann wird es soweit sein?“

 

Shiva Kumar weiß wovon er redet. Als ehemaliger Investmentbanker und jetziger stellvertretender Geschäftsführer von Ridecell, dem führenden Plattformanbieter für Ridesharing und autonome Fahrdienste, kennt er die Bedürfnisse der Verbraucher bestens.

 

Die ersten Schritte machte Ridecell im Jahr 2009. Heute auf der ganzen Welt und fokussiert sich dabei auf Ridesharing, also Mitfahrangebote. Zum Portfolio gehören zum Beispiel ZITY von Renault und Ferrovial sowie GIG Car Share, das von der Amerikanischen Automobilvereinigung (AAA) zurzeit im Norden Kaliforniens, in Nevada und in Utah betrieben wird.

 

Shivas Spezialgebiete sind Finanzen und Geschäftsentwicklung. Oder wie er es nennt: die „strategische Optimierung der Vermögenswerte“ von Großunternehmen – wozu er auch die aufstrebenden Unternehmen rund um autonomes Fahren zählt, sobald diese erst einmal ihre Geschäftstätigkeit aufgenommen haben.

 

„Ridecell ermöglicht es diesen Unternehmen, ihre Vermögenswerte mit Blick auf die Umsatzbeteiligung zu optimieren, ihre Produktivität zu verbessern und gleichzeitig ihre Kosten zu senken. Unabhängig davon, ob es sich um Produkte, die autonome Technik beinhalten, handelt oder nicht.“

 

Mit anderen Worten: Shiva eignet sich hervorragend als Ansprechpartner für das Thema der bevorstehenden Revolution ums autonome Fahren und wie diese sich auf die Verbraucher, die Märkte und die Unternehmen auswirken wird, die solche Technologie einsetzen.

 

Gewinne 15 Prozent an Lebenszeit

Die Vorteile autonomer Technik sind seit langem offensichtlich – das sieht auch Shiva Kumar so. Doch es gibt eine Sache, die seine Leidenschaft in Bezug auf autonome Fahrzeuge ganz besonders geweckt hat:

 

„Allein in den USA verbringen Menschen durchschnittlich zwei Stunden täglich damit, zwischen ihrem Arbeitsplatz und zu Hause zu pendeln. Das macht etwa zehn bis 15 Prozent der täglichen Wachzeit aus! Wenn wir diese Zeit für andere Dinge hätten, zum Beispiel um zu arbeiten oder um sie für Freunden und Familie zu nutzen, hätten wir schon viel gewonnen. Autonome Autos können genau das ermöglichen. Stell dir vor, du bekommst in jungen Jahren 15 Prozent mehr Lebenszeit, die du dir frei einteilen und ausleben kannst, wie du möchtest. Das ist eine enorme Bereicherung und erhöht die Lebensqualität.“

 

Wie bei jeder neuen Technologie dieser Größenordnung wird auch die autonome Technologie für erhebliche Unruhen und Schwankungen auf dem Markt sorgen. Dessen ist sich Shiva bewusst. Mit seinem plötzlichen Karrierewandel nimmt er diesen Wandel voll an, will gar Teil davon sein.  

 

„Als ich meine Karriere begann, arbeitete ich bei einem Start-up-Unternehmen, das später von Intel übernommen wurde. Es war immer mein Ziel, in einem Start-up oder einem ‚disruptiven‘ Unternehmen zu arbeiten. Auf lange Sicht wollte ich Teil eines Unternehmens sein, das die gesamte Wertschöpfungskette beeinflusst. Ridecell bot dafür die perfekte Möglichkeit.“

 

Allerdings könnte es in Bezug auf die Nutzung autonomer Technologien zu einer signifikanten Verschiebung kommen – weg von der typischen „Verbraucher kauft Fahrzeug“-Struktur und hin zu etwas ganz anderem.

Foto: ridecell.com

Das Verbraucherdreieck

 

Bei der Betrachtung des „Verbrauchers“ hinsichtlich der Nutzung von Fahrzeugen sind drei Faktoren zu berücksichtigen: die Geschwindigkeit, der Preis und der Komfort. Unterschiedliche Situationen erfordern in dieser Hinsicht unterschiedliche Prioritäten. Komfort ist entscheidend für eine lange, gemütliche Autofahrt, wohingegen Geschwindigkeit der Schlüssel, das wichtigste Element für die Pendelfahrt und den Arbeitsweg ist. Für andere hingegen ist es nur wichtig, die Kosten im Rahmen zu halten – was im Umkehrschluss bedeutet, dass Geschwindigkeit und Komfort nur ein Bonus sind.

 

Es steht außer Frage, dass der Komfort ein großer Faktor ist, wenn es um die Nutzung und den Besitz von Fahrzeugen geht. Komfort ist zweifelsfrei das stärkste und potenziell einzige Argument, das gegen die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel spricht. Allerdings hat Komfort seinen Preis. Zumindest bislang. Denn in Zukunft könnte die autonome Technik dieses Problem schnell und nachhaltig verändern und beeinflussen. Insbesondere, da ein entscheidendes Komfortelement durch selbstfahrende Autos abgedeckt ist: der Transport von Haustür zu Haustür – ohne Umsteigen und ohne Parkplatzsuche.

 

„Ich glaube nicht, dass Verbraucher in Zukunft selbstfahrende Autos kaufen werden. Vielmehr werden autonome Fahrzeuge von (Transport)Unternehmen gekauft und in Flotten eingesetzt, auf die Verbraucher bei Bedarf zurückgreifen. Das autonome Fahrzeug verspricht, die Betriebskosten von 2 US-Dollar pro Meile auf mindestens 30 bis 40 Cent pro Meile zu senken, was aus preislicher Sicht natürlich eine enorme Einsparung darstellt.“

 

Aber neben den prognostizierten Kosteneinsparungen können sich auch in Sachen Geschwindigkeit Vorteile ergeben. Und zwar in Form enormer Zeiteinsparungen gegenüber dem momentanen System, in dem jeder noch sein eigenes Fahrzeug besitzt.

 

„Die meisten Rückstaus entstehen durch die Fahrer, was zu enormen Verkehrsengpässen führt. Autonome Fahrzeuge können mit wesentlich geringeren Abständen zueinander fahren. Das bedeutet, dass der Raum zwischen den Autos viel enger, systematischer und disziplinierter genutzt wird. Einen Mindestabstand wie wir ihn heute kennen gibt es dann nicht mehr.“

 

Damit zeigt sich, dass alle drei vorher angesprochenen Verbraucher-Faktoren durch selbstfahrende Autos wesentlich erfolgreicher gestaltet werden können. Traditionell hat fast ausschließlich der Verbraucher den Markt im Hinblick darauf gesteuert, wie Fahrzeuge gestaltet, hergestellt, vermarktet und verkauft werden. In Zukunft könnten Fahrzeuge stattdessen vermehrt von den Bedürfnissen und Wünschen der Flottenbetreiber beeinflusst werden.

 

„Letztendlich liegt die Macht immer noch beim Verbraucher. Aber ansonsten verlagert sie sich von den OEMs (Original Equipment Manufacturer) zu Gig-Unternehmen (also Unternehmen, die auf Zeit gebucht und genutzt werden) wie Uber und Lyft. Diese Unternehmen kennen ihre Kunden und wissen, welche Art von Erfahrungen und Leistungen erwartet werden. Diese Erfahrungswerte und Daten werden anschließend von den zwischengeschalteten Unternehmen gesammelt und ausgewertet, die dadurch die Kundenbedürfnisse zielgerecht erkennen und den Verbrauchern darauf aufbauend maßgeschneiderte Leistungen in Form verschiedener Verkehrsmittel anbieten können.“ 

Foto: ridecell.com

Die autonome Zukunft

Wie wir wissen ist die Technologie bereits die ersten großen Schritte gegangen. Und trotzdem liegt noch ein weiter Weg vor uns. Auch wenn laut Shiva die einzige Frage, die noch zu beantworten ist, nicht die nach dem „Ob“ oder dem „Wie“, sondern die nach dem „Wann“ ist.

 

„Ich denke, wir haben es mit einem Zeitraum von etwa acht bis zehn Jahren zu tun. Es gibt viele Dinge, die passieren müssen. Das erste ist natürlich die Technologie selbst – aber das zweite ist die unterstützende Gesetzgebung. Und das kann dauern. Die Regulierungsbehörden sind bekanntermaßen konservativ, also wird die Klärung und Anpassung der Regularien die größte Herausforderung sein.“

 

Liegt die Zukunft im „Flottenkonzept“? Oder glaubst du, dass die Verbraucher weiterhin im Mittelpunkt stehen werden? Diskutiere mit und sag uns deine Meinung.

Mitmachen

<div id="hs_cos_wrapper_Engage_" class="hs_cos_wrapper hs_cos_wrapper_widget hs_cos_wrapper_type_inline_text" style="" data-hs-cos-general-type="widget" data-hs-cos-type="inline_text" data-hs-cos-field="submit_your_story.icon_text">Letter</div>
Dein Beitrag zu 2025AD

Werde ein Teil unserer Community und reiche deine Stories, Bilder und Videos ein.

Deinen Beitrag einreichen
Megaphone
Sei immer informiert

Bleib immer auf dem Laufenden mit unserem wöchentlichen Briefing. Die aktuellsten Artikel zu autonomem Fahren direkt in dein Postfach.

Abonniere unser wöchentliches Briefing
Connect
Vernetz dich mit uns

Folge uns in den Sozialen Netzwerken für topaktuelle Informationen und Austausch zu autonomem Fahren