At Kempten University, students explore the future of driving. (All Photos: Kilian Blees)

Pläne von Pionieren: Wie Studenten die Zukunft von fahrerlosen Autos sehen.

Technologie und Unternehmen

2025AD Team

2025AD Team

16.05.2019

       

Kempten hat sich zu einer Drehscheibe für angehende Automobilingenieure entwickelt. Der ADAS-Master der Universität ist der weltweit einzige seiner Art. Sechs Studenten erzählen uns, warum sie vom automatisierten Fahren fasziniert sind, was sie von zukünftigen Arbeitgebern erwarten und wie sich der „Fahrspaß“ mit autonomen Autos verändern wird.

 

Die Hauptaussagen dieses Beitrags

  1. Die Schüler werden von (a) technologischer Neugierde und dem Wunsch nach einer Herausforderung angetrieben, (b) das Leben anderer zu verbessern, indem sie Autofahrten effizienter, bequemer und sicherer machen. Und sie sind (c) bestrebt, sich selbst zu verwirklichen und etwas zu bewegen, indem sie die Mobilität in eine neue Ära führen, um eines Tages sagen zu können: "Ich habe beim Bau dieses Autos geholfen und zu einer technologischen Revolution beigetragen."

  2. Auch in völlig autonomen Autos hätten die Schüler gerne noch ein Lenkrad und Pedale. Das Fahren würde noch mehr Spaß machen, wenn die Menschen die Wahl hätten, ob sie auf attraktiven Strecken fahren oder gefahren werden oder wenn sie müde werden oder im Verkehr stecken bleiben.

  3. In ihren zukünftigen Jobs wünschen sich die Studierenden ein breites Themenspektrum abdecken zu können und in aufgeschlossenen, freundlichen Teams mit Experten verschiedener Fachrichtungen zu arbeiten. In ihrem Tätigkeitsbereich sollten flexible Arbeitszeiten und unterschiedliche Arbeitsumgebungen möglich sein, einschließlich computergestützter Aufgaben im Büro, praktischer Umsetzung in den Laboren und Datenerfassung auf Teststrecken.

  4. Neben sicheren und gut bezahlten Verträgen suchen die Studierenden auch eine Beschäftigung, die zusätzliche Entwicklungsmöglichkeiten und Abwechslung bietet. Diese reichen von der Möglichkeit des Auslandseinsatzes über die Regelung der Mitnahme von Testwagen am Wochenende (gleichzeitige Datenerfassung) bis hin zur Nutzung eines Fitnessstudios im Büro sowie interner Kinderbetreuungsdienste.

  5. Trotz ihrer Begeisterung sehen die Studenten zahlreiche Herausforderungen für selbstfahrende Autos. Dazu gehören rechtliche Fragen der Haftung, Cyberangriffe zur Manipulation von Verkehrsdaten, mangelhafte Straßeninfrastruktur und die Komplexität der Fahrentscheidungen, die eine KI insbesondere in Ausnahmesituationen zu treffen hätte.

 

 

2025AD: Sie haben sich für einen Masterstudiengang entschieden, der weltweit einzigartig ist. Was fasziniert Sie am autonomen Fahren?

 

Kaan: Für mich ist es die technologische Revolution, die im Gange ist. Es wäre toll, eines Tages sagen zu können: "Ich habe zu dieser historischen Entwicklung beigetragen."

 

Markus: Ich bin kein typischer Autoenthusiast, der an seinem Auto herumbastelt. Aber ich interessiere mich für die Software und die Technologie dahinter. Ich möchte diese neuen Systeme auf die Straße bringen und dazu beitragen, das Fahren sicherer zu machen – insbesondere für ältere Menschen.

 

Marco: Ich liebe Autos, es gibt nichts Größeres als ein Auto! Deshalb ist es toll, Fahrzeugtechnik zu studieren. Unsere Generation wird im Allgemeinen von Elektronik und Digitalisierung dominiert, und dieselben Technologien sind für viele verschiedene Bereiche relevant, in denen wir arbeiten könnten.

 

Michael: Was mich motiviert, ist eine kindliche Neugierde, herauszufinden, was hinter dem Dashboard vor sich geht. Es gibt dieses dreiteilige System, das aus Sensoren besteht, die Objekte erkennen, Software, die Modelle entwickelt und Stellantriebe, die das Auto steuern. Ich fände es interessant, ein solches System in jedem Bereich auszuarbeiten – und es ist gut zu wissen, dass es eine hohe Nachfrage nach unseren Fähigkeiten gibt. Aber ich würde gerne mit Autos arbeiten, da die Teil unseres Alltags sind.

 

Robert: In meinen ersten Schuljahren habe ich angefangen, Modellautos zu sammeln und zu zeichnen. Später wurde ich neugierig, wie neue Technologien in Autos Einzug hielten: Soundsysteme, Navigationssysteme und schließlich fortschrittliche Fahrerassistenzsysteme. Ich möchte diese Entwicklung mitgestalten und das Fahren zeiteffizienter und angenehmer machen.

 

2025AD: Was macht Ihnen heute Spaß am Fahren – und wie wird sich das ändern, wenn Autos zunehmend die Kontrolle gewinnen?

 

Robert: Ich pendle von Kempten nach Konstanz. Die erste Hälfte durch die Hügel des Allgäus macht Spaß. Aber wenn sich der Verkehr zunimmt, würde ich gerne ein autonomes Auto haben. Die Menschen sollten also die Möglichkeit haben, zu fahren oder gefahren zu werden – und es wäre ein Fehler, Lenkräder und Pedale zu entfernen. In 30 oder 40 Jahren könnte das Fahren eine Freizeitbeschäftigung wie das Fliegen von Flugzeugen sein: Die Leute werden nach einer schönen Strecke suchen und auf dieser zum Vergnügen fahren.

 

Kaan: Für mich wäre es auch ideal, nur dann zu fahren, wann und wo mir danach ist. Aber ich bin mir nicht sicher, ob das für alle zutrifft. Vor allem ältere Menschen, die es gewohnt sind, selbst zu fahren, könnten zögern, die Verantwortung auf ein Auto zu übertragen.

 

Michael: Dieser Übergang wird ähnlich sein wie die Einführung von Navigationssystemen: Meine Eltern zum Beispiel benutzen immer noch Karten. Ich habe keine Karte in meinem Auto! Wenn mein Navigationssystem ausfällt, muss ich Wegweiser benutzen. Ebenso denke ich, dass zukünftige Generationen bereit sein werden, sich von ihren Autos fahren zu lassen.

 

Patrick: Auf einem schönen Bergpass oder der leeren Autobahn würde ich nie mein Auto übernehmen lassen – es macht zu viel Spaß, selbst zu fahren. Aber wenn ich am Wochenende nach Hause fahre – das ist 350 Kilometer hinter Stuttgart – und hohes Verkehrsaufkommen habe, dann würde ich lieber ein autonomes Auto haben. Fahrer von den Vorteilen selbstfahrender Autos zu überzeugen wird eine der Herausforderungen für uns in unseren zukünftigen Jobs sein.

 

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Unsere Diskussionsteilnehmer: Robert Böhler (zweiter von links), Marco Geier, Markus Stadler, Kaan Ayhan, Patrick Ukas und Michael Frie (zweiter von rechts).

2025AD: Was erwarten Sie sich von diesen Jobs und von Ihren zukünftigen Arbeitgebern?

 

Marco: Mein Job sollte vielfältig sein, mit Arbeit sollte sowohl im Büro als auch mit praktischen Anwendungen am und im Auto stattfinden. Im Idealfall könnte ich morgens mit der Softwareentwicklung beginnen und diese am Nachmittag auf der Teststrecke umsetzen. Und es wäre ein Bonus, wenn mein Arbeitgeber Möglichkeiten zur schnellen Zerstreuung anbieten würde, wie z. B. ein Raum mit TV oder ein Fitnessstudio.

 

Markus: Was ich mir wünsche, ist die Möglichkeit, für eine gewisse Zeit im Ausland zu arbeiten.

 

Kaan: Ich habe keine Lust, im Ausland zu arbeiten. Aber ich möchte einen Arbeitgeber in einer attraktiven Stadt in Deutschland, beispielsweise in Stuttgart. Und ich würde gerne während des Arbeitszyklus wechseln: In der Entwicklungsphase wäre ich im Büro; wenn wir "Hardware in the Loop" erreichen, ginge ich ins Labor, und schließlich arbeitete ich in der  "Vehicle in the Loop"-Phase auf der Teststrecke. Aber unsere Master-Abschlüsse ermöglichen uns nicht nur den Einstieg in die Automobilindustrie. Wir könnten uns auch einem IT-Riesen mit einer Start-up-Atmosphäre wie Google anschließen.

 

Patrick: ... oder wir kombinieren einfach beide. IT-Unternehmen drängen auf autonomes Fahren. Und die Automobilhersteller eröffnen Büros in Kalifornien, um von den Technologieunternehmen zu lernen. Diese Mischung wäre ideal: Für Daimler zu arbeiten, aber in den Vereinigten Staaten in einem ihrer Büros an der Westküste.

 

Robert: Ich habe bereits einen Teil meines Studiums im Ausland absolviert. Jetzt träume ich auch davon, ins Silicon Valley zu gehen. Am wichtigsten ist jedoch, dass meine Arbeit interessant und spannend sein sollte. Dafür würde ich liebend gerne auf die Vorzüge eines großen Unternehmen wie reguläre Arbeitszeiten und hohe Gehälter verzichten. Große Automobilhersteller oder Zulieferer mit internationaler Präsenz würden es mir jedoch leichter machen, in eines ihrer Büros in den USA zu wechseln. Und diese großen Unternehmen bilden nun Spin-offs, um eine Start-up-Atmosphäre zu schaffen. Das wäre sehr attraktiv.

Michael: Meine Erfahrung ist, dass große Arbeitgeber aufgeteilt werden können. Jede Abteilung konzentriert sich nur auf einen bestimmten Aspekt. Ich würde gerne in einem Team mit Experten aus verschiedenen Abteilungen arbeiten, wo man mehr lernt. Ebenso wichtig sind für mich die Karrieremöglichkeiten in einem Unternehmen. In unserem Alter wollen wir sehen: Wie weit kann ich kommen? Das könnte ein Grund für mich sein, in ein großes Unternehmen zu wechseln. Persönlich würde ich es vorziehen, für einen OEM und nicht für einen Lieferanten zu arbeiten. Unabhängig davon, wie viele Teile ein Zulieferer produziert, hat das Auto am Ende das blau-weiße BMW-Logo oder den Mercedes-Stern. Das ist es, was das Prestige ausmacht.

 

Kaan: Das würde mich nicht groß stören. Wenn Sie für einen Lieferanten arbeiten und ein System für ein Serienmodell bauen, können Sie immer noch sagen: "Dieser Teil wurde von uns entwickelt." Aber ich würde mich nach anderen Aspekten in einem Job umsehen: Wie flexibel und wie lang sind meine Bürozeiten? Wie bezahlt der Arbeitgeber? Bekomme ich einen Firmenwagen? Und wie familienfreundlich ist der Arbeitgeber? Dinge wie Kindertagesstätten könnten in einigen Jahren wichtige Aspekte für uns sein.

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Alle Studenten teilen die Leidenschaft für Autos und automatisiertes Fahren.

2025AD: Apropos Zukunft, was sehen Sie als das Haupthindernis, das autonome Autos überwinden müssen?

 

Marco: Ich denke, rechtliche und politische Fragen: Wer haftet für Unfälle eines selbstfahrenden Autos? Und wie entscheidet sich ein Auto zwischen zwei schlechten Alternativen, wie z. B. eine Gruppe von Menschen oder nur eine Person zu treffen?

 

Michael: Ich mache mir keine Sorgen um politische Fragen. Am Ende überwiegt der technologische Fortschritt. Aber es wird davon abhängen, wie schnell die Fahrer die Technologie annehmen und gesetzliche Änderungen verlangen. Mich beunruhigen viel mehr Cyber-Angriffe auf die Daten in der Fahrzeug-zu-Fahrzeug-Kommunikation.

 

Patrick: Es wird auch entscheidend sein, wie benutzerfreundlich die Technologie ist. Fahrer sollten also wissen, wie alles funktioniert, damit sie die Entscheidungen des Autos verstehen. Außerdem wird die Infrastruktur noch wichtiger werden: Wie kann ein Auto einer Spur folgen, wenn es keine Fahrbahnmarkierungen oder große Schlaglöcher gibt? Das wird eine Herausforderung in Märkten wie China oder Indien sein.

 

Markus: Auf einer deutschen Autobahn wird es für ein Auto nicht schwer sein, der Straßenmarkierung zu folgen. Aber es gibt immer noch unvorhersehbare Situationen: Wenn ein Lkw-Fahrer auf einer schmalen Straße festsitzt und rückwärtsfahren will, wie erkennt das ein autonomes Auto? Oder wenn nach einem Autounfall Menschen am Straßenrand verletzt werden, wird das autonome Auto verstehen, dass sie Hilfe brauchen könnten – oder einfach vorbeifahren? Es liegt noch viel Arbeit vor uns, damit die Autos solche komplexen Situationen verstehen.

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Der Masterstudiengang verbindet Theorie und Praxis. (Prototypfahrzeug: Eigentum der CMORE Automotive GmbH)

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