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Mit wem rede ich in einem Taxi ohne Fahrer?

Privatleben und Mobilität

Raven Brookes

Raven Brookes

9.05.2019

       

Die Zeit, in denen man mit dem Taxi-Fahrer ein angeregtes Schwätzchen hielt, könnten bald vorbei sein. Aber wollen wir das überhaupt? Wo lassen wir in Zukunft auf dem Weg zum Flughafen Dampf ab? Und wie wirken sich autonome Taxis auf unser soziales Leben aus?

Ein Taxi über eine App zu bestellen, gehört zu den normalen Dingen heutzutage. An einem Taxistand zu warten, ein Taxi an den Straßenrand zu winken oder gar ein Taxiunternehmen anzurufen wird wohl bald der Vergangenheit angehören – und in nur wenigen Jahren wohl auch die Taxifahrer selbst.

 

Wie weit sind wir von den ersten fahrerlosen Flotten auf unseren Straßen entfernt? Nun, technisch gesehen, sind diese bereits möglich.

 

 

DIE MARKEN-RANGLISTE

In Phoenix, Arizona, ist Googles kommunikativ gut begleitete Waymo-Mission, mit der vollständig selbstfahrende Autos auf die Straßen gebracht werden sollen, bereits in vollem Gange. Tatsächlich gibt es bereits ein dauerhaft fahrerloses Fahrgemeinschaftsprogramm, das seit Dezember 2018 läuft. Zwar bewegen sich die Fahrzeuge komplett fahrerlos, die Fahrten an sich sind es aber nicht. Zumindest noch nicht. Geschulte Fahrer sitzen immer noch hinter dem Steuer und sind bereit, die Verantwortung zu übernehmen, wenn die Situation es erfordert. Doch schon bald wird Waymo beschließen, die Fahrer vollständig aus dem Prozess zu nehmen und völlig fahrerlose Fahrten anbieten.

 

So weit, so gut. Waymo könnte in absehbarer Zeit die allererste Flotte fahrerloser Fahrzeuge betreiben. Und wenn sie damit erst einmal begonnen haben, wird es eine Kundenliste mit mehreren hunderten Freiwilligen geben, die es erster Hand erleben wollen.

 

Doch der Wettbewerb ist hart, und Google ist nicht der einzige Anbieter auf diesem Gebiet. Ende 2018 schlossen sich Toyota und Uber zusammen, um die Dominanz von Waymo in den Schwellenländern zu durchbrechen. Sie investierten 500 Millionen Dollar in ein Unternehmen, bei dem Uber die Kunden Toyota die Fahrzeuge beisteuert. Weitere bemerkenswerte Partnerschaften sind Volkswagen und Intel sowie Aptiv und BMW, wobei letztere mit Testfahrten ihres Dienstes Lyft ernsthafte Fortschritte machen. Ähnliche Angebote gibt es auch in Russland und Dubai – alle auf ähnlichem Teststand und mit dem Wunsch, zuerst den kommerziellen Durchbruch zu schaffen.

 

Addison Lee, Europas größter Autovermieter, hat sich mit Oxbotica zusammengeschlossen, um in London eine fahrerlose Antwort auf Uber zu finden. Im Rahmen eines staatlich geförderten Pilotprojekts wollen sie damit bis 2021 voll einsatzfähig sein. Auch in Schottland wird derzeit an einem ähnlichen Projekt gearbeitet.

 

Ein weiterer Spieler, der sowohl Waymo als auch Uber Konkurrenz machen könnte, ist das französische Unternehmen Navya, das daran arbeitet, eine elektrische und völlig umweltfreundliche fahrerlose Lösung anzubieten. Tests laufen seit 2017 in Las Vegas, wobei autonome Shuttles bis zu elf Passagiere gleichzeitig auf einer eine halbe Meile langen Schleife befördern. Navya hat zudem sowohl die Pläne als auch die finanziellen Mittel für große Busse und ist damit weiter als alle anderen.

 

Bisher haben jedoch weder die größeren noch die kleineren Akteure die Testphase erreicht, in der „kein Sicherheitsfahrgast erforderlich“ ist – auch Navya nicht. Aber es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis einer von ihnen einen Gang höher schaltet.

 

Wenn fahrerlose Taxiflotten zur Norm werden, was bedeutet das dann für das soziale Leben der Fahrgäste?

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LASS UNS EIN TAXI NEHMEN

Schaut man auf die USA, so verbringt der Durchschnittsamerikaner 101 Minuten pro Tag mit Autofahren – das entspricht 37.935 Stunden aufs Leben hochgerechnet. Die meiste Zeit davon pendelt er zur Arbeit und zurück. Wenn flexibles Arbeiten möglich wäre, würde Arbeiten während des Pendelns dazu führen, weniger Zeit im Büro zu verbringen und mehr Freizeit zu haben. Und wenn weniger Pendler mit dem Auto führen, würde eine ganz andere Atmosphäre in den Innenstädten entstehen – es gäbe weniger Autos und mehr Platz für Fußgänger und man könnte sogar zu jeder Tageszeit sicher mit dem Fahrrad fahren.

 

Es könnte auch große Kostenvorteile geben. Es wird allgemein angenommen, dass fahrerlose Autos im Laufe der Zeit die Notwendigkeit des Autobesitzes vollständig beseitigen werden. Damit werden auch die enormen Kosten – einschließlich Wartung, Versicherung und die Kosten für das Auto selbst – beseitigt. Das gleiche gilt – so die Theorie – für die kostspielige Notwendigkeit, das Fahren erlernen zu müssen.

 

Die Nutzung eines Taxis als primäres Verkehrsmittel ist für den Durchschnittsbürger derzeit nicht besonders wirtschaftlich. Aber ohne das Gehalt eines Fahrers zahlen zu müssen, könnte der Taxitarif auf ein erschwinglicheres „Öffentliches-Verkehrsmittel-Niveau“ gesenkt werden. Auf lange Sicht bedeutete das, mehr Geld in der Tasche zu haben und damit Geld für schöne Dinge.

 

Auch für Nachtschwärmer könnte fahrerloser Transport mehr Sicherheit auf den Straßen bedeuten. Fahrerlose Technologien sorgen automatisch dafür, dass die Straßen sicherer sind und die Straßenverkehrsordnung eingehalten wird. Die Polizei kann dann ihre Aufmerksamkeit auf schwerwiegendere Verbrechen richten oder als sichtbare Abschreckung auf der Straße wirken. Und, falls es die Gesetzgebung es betrunkenen Menschen erlauben würde, fahrerlose Technologie zu nutzen, würden Unfälle aufgrund von Trunkenheit am Steuer auch bald der Vergangenheit angehören.

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So könnten die Straßen der Stadt für alle Beteiligten sicherer werden, die persönlichen Kosten könnten reduziert werden und es könnte mehr Zeit zur Verfügung stehen, um mit Freunden Spaß zu haben. Klingt nach einem Gewinn, oder?

 

Natürlich ist das meiste davon sehr spekulativ, insbesondere was die Kosten betrifft, und es wird sicherlich erhebliche wirtschaftliche Nachteile geben. Nämlich die Auswirkungen auf Arbeitsplätze, die mit dem Fahren zu tun haben – wie etwa die der Taxifahrer –, die zweifellos einen erheblichen Einfluss auf das soziale Leben des Einzelnen haben werden. Aber das ist etwas, worüber wir in einem zukünftigen Beitrag sprechen werden.

 

Viele Grüße

 

 

 

WIRD FAHRERLOSE TECHNIK WIRKLICH SO VIEL POSITIVE AUSWIRKUNGEN AUF UNSER SOZIALES LEBEN HABEN ODER IST DAS NUR WUNSCHDENKEN?

 

Nehmen Sie an der Debatte teil. Erzählen Sie uns, welche Auswirkungen fahrerlose Taxis in Ihren Augen auf die Art und Weise haben könnten, wie wir schöne Zeit mit unseren Freunden verbringen werden.

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