Mensch-Maschine-„Schwachstelle“? Ein Blick in die Zukunft mit UX-Experte Eduardo Gómez Ruiz

Technologie und Unternehmen

Phil Brown

Phil Brown

11.05.2020

       

Zu bestimmen, was genau wir an Automatisierung lieben oder nicht mögen ist keine leichte Aufgabe. Den Unterschied macht laut User Experience-Experte Eduardo Gómez Ruiz die Art und Weise, wie wir ermutigt werden, mit diesen Maschinen umzugehen. Er erklärt uns, wie uns die richtige Technologie dabei hilft, uns in fahrerlose Autos zu verlieben und uns darin sicher zu fühlen. 

Eduardo Gómez Ruiz hat schon mit vielen globalen Unternehmen zusammengearbeitet, darunter Google, Mitsubishi Electric und Uber, für das er die Entwicklung des Treueprogramms Uber Pro leitete. Er weiß, welche Auswirkungen die User Experience-Forschung auf Unternehmen, Produkte und Verbraucher haben kann. Für diejenigen, die mit dem Konzept der User Experience (UX) nicht vertraut sind, mag es kompliziert erscheinen, aber im Wesentlichen geht es in diesem Forschungsbereich um die Optimierung der Interaktion eines Benutzers mit so ziemlich allem, von Produkten bis hin zu ganzen Organisationen. 

 

Richtig gute Benutzererfahrungen werden nur mit dem Benutzer im Blick geschaffen“, sagt Gómez Ruiz. Sie werden jedoch nicht nur einmal entwickelt. Wenn sich die Bedürfnisse der Benutzer ändern, ändert sich auch die Art und Weise ihrer Nutzungserlebnisse. Demnach folgen Nutzungserlebnisse „einem iterativen Prozess, um diese immer wieder an die sich ständig ändernden Anforderungen der Nutzer und ihren Kontext anzupassen". 

 

 

Richtig gute Benutzererfahrungen werden nur mit dem Benutzer im Blick geschaffen.

 

 

Da sich Technologie schneller denn je weiterentwickelt, ist das Nutzererlebnis immer wichtiger geworden. Die Zahl der Verbraucher, die für sie bisher unbekannte Plattformen nutzen, nimmt rasant zu. Die explosionsartig ansteigende Popularität von Systemen, auf die wir während der Coronavirus-Pandemie im Homeoffice zurückgreifen, ist ein perfektes Beispiel dafür.  

 

Benutzererfahrungen für die Nutzer weltweit zu entwickeln und Produkte und Dienstleistungen so anzupassen, dass sie für diese neuen Digitalnutzer noch zugänglicher und leichter nutzbar werden, sind zwei der Hauptaufgaben der UX-Gemeinschaft“, ist Gómez Ruiz überzeugt. 

 

Zudem ist er der Meinung, dass es infolge dieses Wachstums der Digitaltechnik einen Gegentrend zur Entkopplung und Vereinfachung gibt: „Ich glaube, der Druck auf uns, immer online sein zu müssen, nimmt zu. Um die Nutzer zu unterstützen, sollten UX-Entwickler nach sinnvollen Wegen suchen, um die zunehmende Komplexität unserer (digitalen) Welt zu vereinfachen", so Gómez Ruiz. 

 

 

Der Druck auf uns, immer online sein zu müssen, nimmt zu.

conference style autonomous vehicle
Foto: getty.com

Und wie wirkt sich dies nun auf den Fortschritt der Automatisierung aus? Fahrerlose Autos, sagt Eduardo Gómez Ruiz, sind gekommen, um zu bleiben und unser Leben zu erleichtern“. Aber sie werden den gleichen Trends folgen wie jede andere sich entwickelnde Technologie und sollten unter Berücksichtigung des Nutzererlebnisses konzipiert werden. 

 

Gómez Ruiz erklärt, dass es drei Dinge gibt, an die ein UX-Profi beim Entwickeln denken sollte: die Bedürfnisse der Nutzer, ihren Kontext und wie man die Stakeholder beeinflussen kann. Erfüllt das Konzept also ein echtes Bedürfnis? Wie beeinflusst der sozio-kulturelle Kontext eines Nutzers sein Erlebnis? Und wie wird sich dies auf das Geschäft auswirken? 

 

Es geht darum, Unternehmen dabei zu helfen, sich stärker auf die Nutzer auszurichten. Es geht nicht alleine darum, wertvolle Ergebnisse der Nutzerforschung zu sammeln, sagt Gómez Ruiz, sondern auch darum, sie so in einen Zusammenhang zu stellen, dass sie von einem Unternehmen als neuer allgemeiner Konsens angesehen und auch so umgesetzt werden 

 

Hinsichtlich fahrerloser Technologie sollte dieser neue allgemeine Konsens laut Gómez Ruiz beinhalten, neu zu überlegen, was Reisen für die Nutzer bedeuten kann. Ich würde gerne erleben, wie Menschen in eine multisensorische Aktivität so eintauchen können, dass sie sich durch eine Mischung aus visuellen, olfaktorischen und taktilen Erfahrungen völlig von allem anderen losgelöst fühlen.  

 

Während sich der Schwerpunkt des Fahrens mit dem Auto vom eigentlichen Fahren des Autos wegbewegt, stellt sich Eduardo stattdessen vor, mit der Anordnung der Sitze zu spielen, um ein Erlebnis zu schaffen, das einem Flug in der ersten Klasse ähnelt. Ergonomie ist dabei ein wichtiger Faktor, um das Luxusgefühl aufrechtzuerhalten. Aber ohne die üblichen Einschränkungen, die das traditionelle Autodesign mit sich bringt, ist die Perfektionierung der Sitzanordnung eine spannende Aufgabe. Bei fahrerlosen Fahrzeugen, so Gómez Ruiz, müssen Designer und UX-Entwickler stattdessen die verschiedenen Aktivitäten berücksichtigen, die die Passagiere während der Fahrt ausführen möchten, wobei die Risiken der Reisekrankheit zu berücksichtigen sind. 

 

Im Hinblick auf das Nutzererlebnis bietet die Automatisierung daher die Möglichkeit für eine luxuriösere, entspanntere Fahrt, mit größerem Spielraum für Personalisierung. Letztendlich ist Gómez Ruiz jedoch der Ansicht, dass Sicherheit die oberste Priorität hat, da sie ein wichtiges Anliegen der potenziellen Nutzer bleibt. 

 

 

Der Schwerpunkt sollte weiterhin auf Vertrauen und Sicherheit liegen – in dieser Reihenfolge.“

Picture collage of Eduardos career
Eduardo Gómez Ruiz tauchte während seiner Feldforschung für Uber in die Lebenswelten von Fahrern auf der ganzen Welt ein.

Ich würde mir wünschen, dass Sensoren, Radar und Lidar stärker mit dem allgemeinen Auto-Ökosystem verbunden würden, um ein noch stärkeres Sicherheitsgefühl zu vermitteln. Tatsächlich scheint die Zukunft der Autonomisierung an eine Verbesserung der Verbindung der Fahrzeuge untereinander geknüpft zu sein. Dabei ist jedes Auto mit jedem beliebigen internetfähigen Gerät verbunden, das zu noch mehr Sicherheit beitragen kann. 

 

Gómez Ruiz stimmt zu, dass dies die Richtung ist, in die sich die Entwicklung bewegen muss: Der Schwerpunkt sollte weiterhin auf Vertrauen und Sicherheit liegen. Beide Eigenschaften sind miteinander verflochten, und wir müssen dafür sorgen, dass die Nutzer sowohl volles Vertrauen als auch ein Gefühl der Sicherheit haben, während sie von einer Maschine gefahren werden.“ Dies ist besonders wichtig auf dem Weg zum autonomen Fahren der Stufe 5. Während dieser Phase kann ein Fahrzeug zwar alle Fahrfunktionen ausführen, der Mensch muss aber immer noch eingreifen können, wenn das Auto auf der Straße auf irgendwelche Probleme stößt. 

 

Gómez Ruiz ist daher der Meinung, dass sich die Entwickler auf dem Weg zu vollständig autonomen Autos darauf konzentrieren sollten, die Technologie so reibungslos und sicher zu machen, dass eine Rückkehr zur manuellen Steuerung für nicht mehr notwendig erachtet würde. Auf diese Weise werde der Übergang zu einer weit verbreiteten Automatisierung wie eine natürliche Entwicklung erscheinen. 

 

Um den Übergang zwischen maschineller und menschlicher Steuerung schnell und effektiv zu gestalten, hält es Gómez Ruiz für notwendig, neue Mechanismen für eine sichere und multimodale Übergabe zwischen Maschine und Fahrer zu entwickeln. Je einfacher diese für die Nutzer werde, umso größer werde das Vertrauen in autonome Fahrzeuge. 

 

 

Wir müssen die sich ständig ändernden Bedürfnisse der Nutzer immer wieder von neuem erlernen.“

Uber data and UX tracting
Eduardo Gómez Ruiz testet die neu eingeführte Fahrer-App von Uber im Rahmen einer UX-Forschungsstudie.

Mit Blick auf die Zukunft werden viele der Trends, die Gómez Ruiz für die Zukunft von UX identifiziert, einen erheblichen Einfluss auf die Entwicklung der Technologie zum autonomen Fahren haben. Er prognostiziert, dass Designs für die Unterstützung der Privatsphäre und für bessere Transparenz auf breiterer Basis angenommen werden, dass Home-Office-Lösungen und alle Tools, die dafür benötigt werden zur neuen Normalität werden und die Kunden mehr personalisierte und kuratierte Erlebnisse verlangen werden.  

 

Im Einklang mit der Entwicklung der Automatisierung, so Eduardo, wird die Interaktion zwischen Mensch und Maschine viele Bereiche unserer Lebenswelten erobern und dabei die Berührungspunkte für Unternehmen vervielfachen, in denen diese mehr über unser Nutzungsverhalten erfahren.“ Damit werden aber auch die Nutzungserlebnisse weiterentwickelt. Da sich diese Trends ständig ändern und weiterentwickeln, müssen User Experience-Experten „die sich ständig ändernden Bedürfnisse der Nutzer, den ‚Einzug‘ der Digitaltechnik in ihr Leben und die neuen Paradigmen, die durch ihre Erfahrungen verfestigt werden, ständig verwerfen und von neuem lernen“. Dieser Prozess des Umlernens und ein öffentliches Gefühl einer digitalen Invasion werden auf unseren Straßen vielleicht am deutlichsten zu spüren sein.  

 

Bleibt die Frage, wie UX neben autonomen Fahrzeugen wachsen wird. Unter welchen Umständen würdest du dich in einem fahrerlosen Auto sicher fühlen? Wie wichtig ist deiner Meinung nach das UX-Design? Mach‘ mit und teile uns deine Meinung in den Kommentaren mit. 

 

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