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Ist die Zukunft der Landwirtschaft autonom?

Technologie und Unternehmen

Raven Brooks

Raven Brooks

19.06.2019

       

Erfahrene Landwirte machen sich Gedanken darüber, wie sich fahrerlose Traktoren und andere autonome Landmaschinen auf Leben und Wohnen auf dem Land auswirken.

Automatisierung und Autonomie sind spannende Konzepte, die in jeder Branche großes Potenzial haben. Aber für bestimmte Branchen bringen sie genauso viele Nachteile wie Chancen. Zumindest sagen das die Menschen, die mit ihnen zusammenarbeiten werden.


Auf der Agritechnica 2017, der internationalen Fachmesse für Landtechnik, präsentierte das Technologieunternehmen Continental spannende neue Lösungen für Landwirte. Darunter auch einige Hinweise auf den aufkommenden Bereich der autonomen Technologie in der Landwirtschaft. Ein Bereich, der erst in den letzten zwei Jahren zunehmend ins Rampenlicht gerückt ist und der während der gesamten Dauer der Messe als die Zukunft der Landwirtschaft" bezeichnet wurde.


Aber was ist mit den Menschen, die diese neue Technologie nutzen werden? Schließlich ist es ihr Leben und ihre Welt, die diese Technologie beeinflussen wird.


Um das herauszufinden, sprechen wir mit drei dieser Menschen, die aus zwei ganz unterschiedlichen landwirtschaftlichen Verhältnissen stammen.

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Das Weideland

Gary Trueman ist ein ehemaliger Milchbauer und landwirtschaftlicher Unternehmer, der jetzt eine Weidebetrieb in Spalding, Lincolnshire, besitzt. Er glaubt, dass weitere Automatisierung und Autonomie „unmöglich zu vermeiden“ sind. Aber bevor es dazu kommen kann, müssen Änderungen vorgenommen werden, wobei die Sicherheit im Vordergrund steht

„Wenn sie zu einem gewissen Grad überwacht werden, wie z. B. die Anbindungssysteme, die wir heute schon sehen, oder wenn sie allein auf einem Feld arbeiten – ja, dann würde ich darauf vertrauen, dass autonome Fahrzeuge und Maschinen sicher sind. Selbstständig auf einem Betriebshof oder auf der Straße arbeiten? Nein. Zumindest noch nicht.“


In Bezug auf die Auswirkungen auf das Geschäft und die Wirtschaft ist er etwas skeptisch:

„Große landwirtschaftliche Betriebe werden wahrscheinlich jede neue Technologie nutzen, wenn sie dazu beiträgt, die Gewinne in irgendeiner Weise zu steigern. Kleinere Betriebe müssen – wahrscheinlich über Jahrzehnte hinweg – mit Technologie versorgt werden, so dass die positiven Effekte verlangsamt werden. Was die Wirtschaft betrifft, so müssen autonome Systeme in der Lage sein, den Ertrag zu verbessern, um einen positiven Effekt zu erzielen. Ich bin mir nicht sicher, ob das möglich ist.“

 

Das Vieh

Timothy Berry, ein Bio-Rindfleischerzeuger und ehemaliger Milchbauer aus Devonshire, Großbritannien, vertraut nicht darauf, dass autonome Landmaschinen und -geräte sicher sind, und befürchtet, dass ihre Einführung den Bedarf an Handarbeitern verringern wird. Aber er glaubt, dass es eine Chance für größere Unternehmen gibt:

„Selbstfahrende Fahrzeuge werden bei größeren landwirtschaftlichen Betrieben in Industriegröße hilfreich sein, aber für kleinere Familienbetriebe würden sie sich aufgrund der finanziellen Auswirkungen für die meisten nicht lohnen. Dies könnte zu einer großen Kluft zwischen großen Industriebetrieben und kleineren Nischenbetrieben führen, die sich auf bestimmte Methoden spezialisiert haben.“


Er ist auch besorgt über die Folgen für die Umwelt durch autonome Technologie in der Landwirtschaft:

„Es wird wahrscheinlich negative Auswirkungen auf die Bodenstruktur haben. Es wird mehr Technologie in die wertvolle Landschaften Einzug halten Was mit mehr Stromleitungen und anderer mechanischer Infrastruktur einhergehen wird.“


Für diejenigen, die in den landwirtschaftlichen Betrieben arbeiten, kann es jedoch einen Vorteil hinsichtlich der Arbeitszeiten geben. Wie diese Zeitersparnis genutzt wird, hängt jedoch stark von den einzelnen Personen ab:

„Sie werden weniger Zeit in den Führerständen verbringen, was mehr Zeit für soziale Kontakte bedeutet.“ 

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Die Blumen und Felder

Debbie Vale ist eine etablierte Gärtnerin, die von der Königlichen Gartenbaugesellschaft (Royal Horticultural Society, RHS) ausgebildet wurde. Sie ist auch eine multidisziplinäre Landwirtin mit neun Jahren Erfahrung in der Instandhaltung von landwirtschaftlichen Betrieben für Nutzpflanzen und Nutztiere in Großbritannien und Neuseeland.


Sie hat bereits einige bedeutende Veränderungen in ihrer Branche erlebt, darunter einige große Sprünge in der Frage, was die Technologie im Alltag der Landwirte ermöglicht:

„Die technologischen Durchbrüche waren unglaublich. Es ist möglich, einen Teil der von uns eingesetzten Maschinen mit Hilfe eines Bordcomputers, GPS-Signalen und Onboard-Kameras vollständig zu programmieren. Wir haben bereits Drohnen eingesetzt, um Schafe zu hüten.“


Aber was könnte die Auswirkung der vollständigen Autonomie dieser Technologie sein?

„Aus geschäftlicher Sicht wäre es sehr produktiv. Man würde weniger für Löhne ausgegeben, wenn Fahrzeuge die Menschen ersetzen würden.“

„Autonome Unterstützung könnte kürzere Arbeitstage bedeuten. Dadurch könnte Zeit für die Konzentration auf Grünflächen frei werden. Landwirte in Amerika pflanzen bereits im Kreis und lassen den noch freien Raum, um einen Zufluchtsort für Wildtiere zu schaffen. Das ist bei dem aktuellen Bienenproblem enorm wichtig.“


Mehr Zeit für landwirtschaftliche Arbeitskräfte und Experten, die zu mehr erhaltenden Aktivitäten führen, wäre im Agrarsektor sehr willkommen, da viele von ihnen zunehmend über die Zukunft besorgt sind:

„Wenn wir nicht auf das feine Gleichgewicht achten, das für Nutzinsekten erforderlich ist, hätte das verheerende Auswirkungen auf die Nahrungsmittelproduktion. Wir befinden uns in einer kritischen Zeit in der Geschichte, in der wir, wenn wir nicht anfangen, die Schäden an der Umwelt rückgängig zu machen, einen großen Teil der Wildtiere und damit der verfügbaren Lebensmittel verlieren werden.“

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Foto: continental-corporation.com

Die Zukunft der Landwirtschaft

Die Agritechnica 2019 beginnt im November in Hannover. Es werden noch mehr autonome Exponate ausgestellt als in den Vorjahren. Aber, wie Gary betont, ist es sehr wichtig, auf die Menschen zu schauen, bevor wir auf die Maschinen schauen, um zu sehen, wie ihnen geholfen werden kann:

„Sprich mit den Leuten, die schließlich damit arbeiten werden. Auf diese Weise gibst du den Bauern das, was sie brauchen, und nicht das, was sie deiner Meinung nach brauchen."


Schließlich sind es die Landwirte, die das Land kennen. Ohne sie und ohne Landwirtschaft gibt es für keinen von uns eine große Zukunft.

 

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Glaubst Du, dass ein autonomerer Agrarsektor den Menschen, die in ihm arbeiten werden, helfen oder behindern wird?

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