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Fahrerlose Autos: Dürfen wir bald beschwipst fahren?

Privatleben und Mobilität

Phil Brown

Phil Brown

12.12.2019

       

„Partyfahrer“ könnten bald der Vergangenheit angehören

Jede Wette, dass du auch schon einmal darüber nachgedacht hast: Kann ich mit einem fahrerlosen Auto (mit-)fahren, obwohl ich etwas getrunken habe?

 

Gerade zur Weihnachtszeit und vor dem Hintergrund, dass autonomes Fahren Woche für Woche stärker in den Blick der breiten Öffentlichkeit gerät, wird auch dieses Thema zunehmend diskutiert. Und da bestimmt einige von uns gerne einem geselligen Umtrunk beiwohnen und dabei nicht nur bei Wasser oder Limo bleiben wollen, wenn sie der auserwählte Fahrer sind, dürfte dieser Gedanke des Öfteren aufkommen.

 

Das gilt vor allem auch an Silvester, wenn Taxis und Hotels das Dreifache des üblichen Preises kosten – und das auch nur, wenn du klug genug warst, im Voraus zu buchen. Die Idee, sich vom Abend treiben zu lassen und sich nicht darum kümmern zu müssen, wie alle sicher und kostengünstig nach Hause kommen, ist schon sehr verlockend.

 

Aber wie realitätsnah ist diese Vorstellung?

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Was ist „Trunkenheit am Steuer“?

 

„Betrunken zu fahren“ heißt nicht unbedingt, dass man auch „betrunken“ ist. Es reicht schon, so viel Alkohol getrunken zu haben, dass man die Auswirkungen spürt. Und dazu muss man tatsächlich gar nicht viel trinken.

 

Alkohol ist eine Droge, die wie ein Beruhigungsmittel auf das Nervensystem wirkt, und zwar laut der Drogenhilfsorganisation Drug Science folgendermaßen: „Es verlangsamt Teile des Gehirns. Die betroffenen Bereiche sind diejenigen, die Hemmung, Denken, Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Urteilsvermögen, Gedächtnis, Schlaf und Koordination kontrollieren.“ Das kann dazu führen, dass man lebhafter, entspannter und sozialer wird. Der Preis dafür ist allerdings hoch – und je höher die Alkoholkonzentration im Blut, desto höher die Kosten.

 

Alkohol am Steuer wirkt sich besonders negativ auf das Fahrverhalten aus und endet nicht selten tödlich. In einem Alkohol-Rehabilitationsleitfaden steht: „Jegliche Menge Alkohol in deinem Blutkreislauf kann deine Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen. Sicheres Fahren erfordert die Fähigkeit, sich zu konzentrieren, [ein]gutes Urteilsvermögen zu entwickeln und schnell auf Situationen zu reagieren. Alkohol wirkt sich jedoch auf diese Fähigkeiten aus und bringt dich und andere in Gefahr.“

 

Und so lassen sich die Auswirkungen von Alkohol auf das Fahren zusammenfassen:

  • längere Reaktionszeit
  • verminderte Koordination und Konzentration
  • verschwommenes Sehen
  • eingeschränktes Urteilsvermögen

 

Auch wenn die erlaubten Alkoholmengen am Steuer in einzelnen Ländern unterschiedlich sind, so gilt es doch fast weltweit als verpönt. In Ländern wie Armenien, der Tschechischen Republik, Jordanien und Rumänien gilt ein totales Alkoholverbot, während andere Länder wie China, Schweden und Japan mit einer Blutalkoholkonzentration von 0,02 %, also 20 Milligramm Alkohol pro 100 Milliliter Blut, dicht dahinter folgen. Das ist ein Niveau, das mit ein paar Schlucken eines durchschnittlich starken alkoholischen Getränks leicht erreicht werden kann.

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Die Strafen für Alkohol am Steuer sind von Land zu Land unterschiedlich. Im Vereinigten Königreich kannst du beispielsweise mit einer Freiheitsstrafe von 6 Monaten, einer unbegrenzten Geldstrafe und einem Fahrverbot von mindestens einem Jahr rechnen. Und wenn du unter Alkoholeinfluss den Tod eines Verkehrsteilnehmers verursachst, kannst du mit bis zu 14 Jahre Freiheitsentzug bestraft werden – gesetzt den Fall, dass du nicht selbst zu den Todesopfern gehörst.

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Fahren unter Alkoholeinfluss und seine Folgen

 

Trotz der Tatsache, dass Autos immer sicherer werden und die Wahrscheinlichkeit abnimmt, dass die Insassen bei einem Zusammenstoß getötet werden, stehen Todesfälle leider immer noch an der Tagesordnung. Und Alkoholkonsum ist eine sehr häufige Ursache dafür.

 

Laut Forbes gibt es in Südafrika die höchste Zahl an Verkehrstoten: „ 25,1 Todesfälle pro 100.000 Menschen pro Jahr. Schockierenderweise sind fast 6 von 10 Todesfällen (58%) auf Südafrikas Straßen auf Alkoholkonsum zurückzuführen."

 

Kanada und die Vereinigten Staaten folgen dahinter, wobei jeweils 34 bzw. 31 Prozent der Verkehrstoten auf Alkohol zurückzuführen sind, mit 10.497 Todesfällen in den USA im Jahr 2016. Das sind etwa 28 Menschen pro Tag – und das ungeachtet derer, die mit schweren Verletzungen und bleibenden Schäden überlebt haben.

 

Macht autonomes Fahren einen Unterschied?

Glücklicherweise fahren die meisten Menschen nicht unter Alkoholeinfluss. Aber, wie die Statistiken zeigen, ist es immer noch ein globales Problem. Ob legal oder nicht, Menschen werden das Risiko immer eingehen – manchmal mit verheerenden Folgen.

 

Fahrerlose Autos dürften die Zahl der Opfer deutlich reduzieren. Eine KI kann ein Fahrzeug verlässlicher steuern als eine völlig nüchterne Person, geschweige denn eine Person unter Alkoholeinfluss.

 

Aber wie wahrscheinlich ist es, dass alkoholisiertes (Mit-)fahren legal wird, wenn das Fahrzeug selbst fährt?

 

Nun, die Antwort ist nicht einfach, oder noch nicht vollständig entschieden. So wie es aussieht, benötigen alle Automatisierungsgrade, einschließlich der Stufe 4, noch einen menschlichen Fahrer, der notfalls eingreifen kann. Und dieser muss rechtlich gesehen fahrtüchtig sein – d. h. innerhalb der gültigen Promillegrenzen.

 

Erst kürzlich wurde ein Vorfall mit einem Tesla bekannt, der in einer Level-2-Autopilotfunktion in San Francisco unterwegs war. Der Fahrer wurde ohnmächtig hinter dem Lenkrad aufgefunden – die Promillegrenze doppelt überschritten. Glücklicherweise wurde niemand verletzt. Bei seiner Festnahme entschuldigte der Fahrer sein Verhalten damit, dass ja der Autopilot eingeschaltet gewesen sei.

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Es dürfte klar sein, dass für alle Fahrzeuge außerhalb des Level 5 (vollautonom) die normalen Promillegrenzen gelten werden. Das bedeutet, dass immer noch jemand als Fahrer fungieren muss, auch wenn er tatsächlich gar nicht selbst fährt. Aber was ist mit völlig autonomen Fahrzeugen? Die Antwort liegt derzeit noch fest im Bereich der Wissenschaft.

 

Als Rechtsanwalt John French mit CoventryLive sprach, einer Publikation in der Stadt, die für die Herstellung und den Test der autonomen Fahrzeuge von Jaguar Land Rover bekannt ist, sah er vor allem die vielen positiven Möglichkeiten:

 

„Es gibt derzeit kein Gesetz, das besagt, dass Sie in einem völlig autonomen Kraftfahrzeug von den Vorschriften für Alkohol am Steuer befreit sind. Es scheint jedoch durchaus sinnvoll zu sein, dass eine Person, die in einem völlig autonomen Fahrzeug gefahren wird, kein ‚Fahrer‘ im strengsten Sinne des Wortes ist oder ‚Verantwortlicher‘ für das Fahrzeug sein kann und daher nur ein ‚Fahrgast‘ ist – so wie auf dem Rücksitz eines Taxis".

 

Auch die National Transport Commission in Australien, die derzeit die australischen Gesetze für fahrerlose Fahrzeuge und Fahrten ausarbeitet, hat sich für eine Befreiung von den Promillegrenzen ausgesprochen – allerdings nur, wenn es „keinerlei Möglichkeit gibt, dass ein Mensch das betreffende Fahrzeug fahren kann“.

 

Wenn diese Ausnahmeregelung nicht hinzugefügt würde, könnte die Öffentlichkeit zögern, sich für die Technologie in ihrer Gesamtheit zu erwärmen, wie der Bericht weiter ausführt:

 

„Den Menschen zur Verantwortung zu ziehen, kann die Einführung automatisierter Fahrzeuge in Australien einschränken, zur Ablehnung gegenüber den vielen potenziellen Vorteilen der Technologie führen und ihre Einführung verzögern."

 

Wir sind noch etwas entfernt von völlig autonomen Autos, was vor allem auf die Infrastruktur und die rechtliche Lage zurückzuführen ist. Aber wenn der Tag kommt, so einige Experten, könnten Ausnahmeregelungen für Alkohol am Steuer im Rahmen des Möglichen liegen – oder sollten es zumindest.

 

Und was denkst du? Würdest du dich sicher fühlen? Würdest du jenseits der erlaubten Promillegrenze an Silvester in ein autonomes Fahrzeug steigst? Nimm an der Debatte teil und teile uns deine Gedanken dazu mit.

 

In der Zwischenzeit trinkt bitte verantwortungsvoll, kümmert euch umeinander, lasst das Auto stehen und nehmt ein Taxi nach Hause.

2025AD wishes you a merry christmas and a happy new year

From all of us at 2025AD we wish you a merry Christmas and a very happy new year! We are taking a short break over the festive season, but will be back in January 2020 with fresh and exciting news, features, expert opinions and social polls for all things driverless and global.

See you then!

 

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