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Entwicklungsallianz BMW und Daimler: Mit Audi auf die Überholspur zum autonomen Fahren?

Technologie und Unternehmen

Phil Brown

30.08.2019

       

Der Weg hin zu komplett selbstfahrenden Autos gestaltet sich schwierig. Der globale Absatzmarkt ist hart umkämpft und Regierungen üben Druck aus, indem sie den Wechsel von fossilen Brennstoffen zu nachhaltigen Antrieben forcieren. Daher suchen Automobilhersteller mit Hochdruck nach neuen Möglichkeiten und Lösungsansätzen für das Auto der Zukunft.

 

Im Juli gaben mit Daimler und BMW zwei Schwergewichte der Automobilindustrie bekannt, die Herausforderungen des vollautonomen Fahrens zukünftig gemeinsam meistern zu wollen. Grund dafür seien die enormen Kosten und technischen Herausforderungen, die mit der Entwicklung vollautonomer Fahrzeuge einhergingen, sowie der Wettbewerb auf dem Markt. Im Vordergrund steht der Austausch von Daten, Fachwissen und Problemstellungen, die die neue Technologie mit sich bringt. Die Zusammenarbeit dient zum einen natürlich dem gegenseitigen Nutzen der Automobilhersteller, soll aber darüber hinaus auch zu einer gewissen Standardisierung der Technologie des autonomen Fahrens beitragen.


Dieser mutige Schritt, den Daimler und BMW gehen, fällt zeitlich mit einem Wendepunkt der Automobilentwicklung und -fertigung zusammen. Denn in vielen Zehn- und Zwanzigjahresplänen sind vollelektrische Autos bereits heute erste Wahl und zwingen Automobilhersteller zum Umdenken. Zudem treibt die immer weiter voranschreitende Automatisierung die Entwicklung zusätzlich voran. Allerdings gibt es noch viele Hindernisse, die aus dem Weg geräumt werden müssen. Zum einen muss das Vertrauen des Verbrauchers gewonnen werden, zum anderen gilt es, die Anforderungen an die Sicherheit und die gesetzlichen Vorschriften zu erfüllen.


Mittlerweile hat auch Audi seinen Hut in den Ring geworfen und sich der Kooperation von Daimler und BMW angeschlossen. Der Automobilhersteller plant, ebenfalls eine gewichtige Rolle in der Entwicklung des autonomen Fahrens einzunehmen und wird die Zusammenarbeit auf der IAA in Frankfurt Anfang September offiziell verkünden. Doch welche Rolle will Audi überhaupt einnehmen? Und was kann der Automobilkonzern zur Entwicklung beitragen?

 

 

 

 

Audi ist bereits Experte auf dem Gebiet des autonomen Fahrens

Photo: Audi

Audis Eintauchen in die Welt des automatisierten Fahrens hat bereits zu vielversprechenden Ergebnissen geführt. So zog der auf Automatisierungsstufe 3 fahrtüchtige Audi A8 viele Blicke auf sich, als er im vergangenen Jahr auf den Markt kam. Denn mit der Traffic AI-Funktion ist das Automatisierungs-Flaggschiff von Audi bereits in der Lage, durch langsamen Verkehr (Höchstgeschwindigkeiten von 60 km/h) auf mehrspurigen Straßen zu navigieren. Jedoch ist, wie bei anderen autonomen Fahrzeugen auch, der Einsatz und die Aufmerksamkeit eines menschlichen Fahrers weiterhin jederzeit erforderlich.

 

Und trotzdem: Aus Sicht der Vollautomatisierung und des Markteintritts hat der A8 viele Probleme gelöst und eine Vorreiterrolle eingenommen. Audi musste in fast allen wichtigen Märkten gegen die Gesetzgeber ankämpfen, was schlussendlich dazu geführt hat, dass in diesem Jahr eine vereinfachte Version des Audi A8 auf den Markt kam. Das zeigt, auch wenn die Automatisierung nach wie vor immer wieder ausgebremst wird, ist der A8 ein klarer Beweis dafür, dass man bei Audi weiß, was man tut. Und Audi hat noch einige Asse im Ärmel.


Ein weiterer Beweis dafür ist die Tatsache, dass Audi, neben dem A8 und weiteren Prototypen, bereits vor drei Jahren erklärt hat, zwischen 2016 und 2021 insgesamt 16 Milliarden Dollar in die Erforschung und Entwicklung von elektrischen und autonomen Antriebstechnologien zu investieren. Das sind fast 20 Prozent der gesamten Forschungs- und Entwicklungsausgaben. Bei solch hohen Ausgaben werden Daimler und BMW den alten Widersacher sicherlich gerne in ihren Reihen begrüßen.

 

Bereits der zweite Zusammenschluss von Daimler, BMW und Audi

Obwohl das Trio bei der Verteidigung und Steigerung seines jeweils eigenen globalen Marktanteils untereinander stark konkurriert, ist es nicht das erste Mal, dass sich Daimler, BMW und Audi zusammenschließen, um von neuen Technologien zu profitieren. Bereits 2015 schlossen sich die Automobilkonzerne zusammen, um für 2,9 Milliarden Dollar insgesamt 74 Prozent der Anteile an Nokias Mapping-App „Here“ zu erstehen. Die Anwendung bietet dem Nutzer die Möglichkeit einer fließenden Navigation, die auf ihn zugeschnitten ist.


Angesichts dieser bereits bestehenden engen Zusammenarbeit auf hoher Ebene dürfte es den derzeit 1.200 involvierten Ingenieure von Daimler und BMW, nicht schwer fallen, mit der noch unbekannten Anzahl von Audi-Ingenieuren zusammenzuarbeiten, die sich ihnen anschließen werden.



Der Technologiemarkt ist hart umkämpft

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Viele Besucher der IAA in Frankfurt werden sich natürlich besonders nach dem „Warum“ fragen. Denn teilautonome und technologiegestützte Fahrzeuge sind bereits auf dem Markt, was darauf schließen lässt, dass Automobilhersteller intern bereits an eigenen Lösungen und Entwicklungen tüfteln und arbeiten. Das stimmt zwar, jedoch stellen nicht andere Hersteller, sondern vielmehr große Technologieunternehmen die stärkste Konkurrenz dar.  

Um nur ein paar Beispiele zu nennen: Der VW-Konzern (zu dem auch Audi gehört) und Microsoft arbeiten derzeit gemeinsam an der Entwicklung autonomer Fahrzeugtechnologien, die sich vollständig in das digitale Leben des Benutzers integrieren sollen. Und auch die Google-Tochter Alphabet hat in Form von Waymo ihr eigenes autonomes Fahrzeugprogramm. Der app-basierte Taxidienst und Mietservice wurde entwickelt, um Benutzer in fahrerlosen Fahrzeugen von A nach B zu bringen. Und nicht zu vergessen Tesla, das momentan damit beschäftigt ist, in den USA Mega-Fabriken aufzubauen, um in den nächsten Jahren verbesserte Versionen ihrer bereits entwickelten, meistverkauften selbstfahrenden Autos auf den Markt zu bringen.


Die Beispiele zeigen, dass viele Lösungsansätze entweder bereits vorhanden oder auf dem besten Weg dahin sind. Beim Zusammenschluss von Daimler, BMW und Audi geht es also nicht nur darum, die Zukunftssicherheit zu gewährleisten, sondern vielmehr Jahrzehnte der Forschungsarbeit an autonomen Fahrzeuglösungen aufzuholen.

 

Gute Zusammenarbeit als Erfolgsbasis

Eine gute Zusammenarbeit ist nie ganz einfach, insbesondere, wenn so viel auf dem Spiel steht. Es wird interessant sein zu sehen, ob drei der weltweit größten Unternehmen die Probleme hinsichtlich Bürokratie und Vertrauen, die bei einer Zusammenarbeit dieser Größe fast zwangsläufig auftauchen, überwinden können. Schaffen sie es jedoch, werden Waymo, Tesla und VW einen weiteren großen Wettbewerber bekommen, den sie im Auge behalten müssen.

 

Glaubst du, dass das Trio es schaffen kann, mit den bestehenden Marktführern zu konkurrieren? Oder wird die Partnerschaft etwa aufgrund bürokratischer Hürden ein Reinfall? Lass es uns in den Kommentaren wissen.

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