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Easymile: Fahrerlos auf dem letzten Kilometer

Technologie und Unternehmen

Phil Brown

Phil Brown

23-03-2020

       

Wenn man den richtigen Führerschein besitzt und vielleicht ein paar Zusatzqualifikationen hat, sind Jobs als Fahrer ziemlich leicht zu bekommen. Abgesehen von den Arbeitszeiten und den Gesundheitsrisiken, die mit dem vielen „Auf-der-Stelle-Sitzen“ und dem Fahren bei hoher Geschwindigkeit über längere Zeiträume einhergehen: Fahrdienstleistungen sind ein wesentlicher Bestandteil der globalen Wirtschaft. Ob es darum geht, Menschen zur Arbeit zu bringen oder Güter von einem Land ins andere zu transportieren – unsere Fahrer halten uns buchstäblich am Leben.

Trotz relativ einfacher Voraussetzungen und konstanter Nachfrage sind Fahrer weltweit „Mangelware“. In Europa gab es im vergangenen Jahr schätzungsweise 150.000 unbesetzte Fahrerstellen, davon 127.500 in Deutschland, Spanien, Dänemark, Norwegen, Frankreich und Großbritannien. Es macht den Eindruck, dass mit der Entwicklung der Wirtschaft und der Belebung der Arbeitsmärkte höherqualifizierte Jobs bevorzugt werden. Vermeintlich leichter zugänglicher, aber auch schlechter bezahlte traditionelle Tätigkeiten wie Bus- und Taxifahren oder die Arbeit im Transportwesen scheinen weniger beliebt zu sein.

 

Einfache Lösungen scheinen da verstärktes Werben für den Beruf des Fahrers und die Förderung dieser Jobs zu sein. Für ein Unternehmen jedoch liegt die Lösung gänzlich jenseits der Personalbeschaffung.

Easy mile vehicle
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Ohne menschlichen Fahrer

Das französische Unternehmen EasyMile will mit der Entwicklung eigener fahrerloser Kleinbusse den Fahrermangel nicht nur beheben, sondern hat auch eine Software für autonomes Fahren entwickelt, die darauf abzielt, den Menschen auf dem Fahrersitz in einigen Bereichen gänzlich überflüssig zu machen. „Wir entwickeln Software, um jedes Fahrzeug autonom zu machen, für den Personentransport mit Shuttles oder Bussen, für die Logistik mit Zugmaschinen oder Gabelstaplern auf Flughäfen“, sagt CEO Gilbert Gagnaire. Klingt erst einmal unkompliziert, aber laut Gagnaire sind drei Ebenen zu beachten, die die Wertschöpfungskette autonomer Fahrzeuge ausmachen.

 

Zur ersten Ebene gehören die Auswahl und Herstellung bzw. die Umrüstung der eigentlichen Fahrzeugplattform. Die zweite Ebene beinhaltet die Entwicklung und Implementierung der Software, die es dem Fahrzeug ermöglicht, ohne menschliche Kontrolle zu fahren. Die dritte Ebene umfasst den Betrieb der fahrerlosen Fahrzeuge, wozu sowohl die Zusammenarbeit mit öffentlichen Verkehrsbehörden, als auch die Gewährleistung technischer Betreuung und Unterstützung gehört.

 

Obwohl sich EasyMile vor allem auf die zweite Ebene konzentriert, will das Unternehmen laut Gagnaire „im Zentrum des gesamten Ökosystems“ stehen.

Easy mile test vehicle
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Trotz der starken Fokussierung auf Software und Betrieb ist klar zu erkennen, wo die Marktposition von EasyMile liegt:

Derzeit bietet EasyMile drei verschiedene Produkte an, die alle funktionell und nutzbringend sind. Das Einsatzgebiet des
TractEasy ist schon auf den ersten Blick zu erkennen: Die miniaturisierte Kabine und der flache hintere „Pickup“-Teil weisen sofort darauf hin, dass diese Zugmaschine für den Einsatz an Flughäfen und in Logistikanlagen konzipiert ist.

Der EZ10 hingegen ist ein weniger klar ersichtliches, kleines kastenförmiges Fahrzeug, das auf einem Messestand einer japanischen Automobilmesse nicht weiter auffallen würde. Der Kleinstbus soll bis zu 15 Passagiere auf Universitätsgeländen, zwischen Flughafenterminals, Parkplätzen, Stadtzentren oder Vorstädten befördern und Taxis und Personenwagen ersetzen. Er wurde entwickelt, um die letzten Kilometer (die letzte Meile) zurückzulegen – daher auch der Name des Unternehmens: „EasyMile“. Der EZ10 ist vollgepackt mit intelligenter Technik, nicht nur von EasyMile, sondern auch von Automobiltechnik-Giganten wie Continental. Das macht das Robo-Taxi, das bereits für diverse Routen geplant ist, zu weit mehr als nur einer Drive-by-Wire-Lösung. Dank dieser Technologie ist der EZ10 straßentauglich und nicht von speziell entworfenen Schienen oder fußgängerfreien Strecken abhängig.

 

Alle autonomen Nutzfahrzeuge von EasyMile, die dem neusten Stand der Technik entsprechen, laufen mit derFlottenmanagement-Software „EZMaestro, dem unserer Meinung nach „goldenen Ei“ des Unternehmens. Diese Software soll als Brücke zwischen den autonomen Fahrzeugen und dem Kontrollraum fungieren und Echtzeitdaten liefern. Diese tragen dazu bei, die Sicherheit, Effizienz und Kontrolle über mehrere fahrerlose Fahrzeuge, die alle über ein einziges Netzwerk verbunden sind, zu verbessern.

Initial easymile testing
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Eine Schnittstelle für alles

EZMaestro ist in der Welt der autonomen Fahrzeuge einzigartig. EasyMile stellt neben der Software auch das passende Bedienfeld zur Verfügung, das so konfiguriert werden kann, dass viel größere Netzwerke mit potenziell Hunderten von fahrerlosen Fahrzeugen aufgebaut werden können, die oft im Gleichklang arbeiten. Fahrerlose Autos waren bisher „autonom“, d. h. sie trafen ihre eigenen Entscheidungen auf der Fahrt. EasyMile bietet jetzt eine zusätzliche Kontrollmöglichkeit.

 

Doch auch wenn EasyMile die Effizienz des Systems ausführlich darstellt, geht es dem Unternehmen um mehr, als um reine Zeit- und Kostenersparnis. Es geht darum, ein unverzichtbares, vollständig personalisiertes autonomes Fahrzeug-Ökosystem zu schaffen, das immer noch von Menschen kontrolliert werden kann. Wie es aussieht, werden wir selbst mit den fortschrittlichsten Fahrzeugen, intelligenter Software und vielfachen Redundanzen die Hände immer noch nicht ganz vom Steuer lassen können.

Engage

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