Rufen zum Handeln auf: Die Experten von Continental Andree Hohm und Björn Filzek.

Die Vision vom autonomen Fahren (Teil 3): Regierungen müssen jetzt handeln

Technologie und Unternehmen

2025AD Team

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23.12.2015

       

AD steht vor einem Dilemma: Was passiert, wenn die Technologie bereit ist, aber das Gesetz sie verbietet? Im dritten Teil unseres Tech-Talks richten die Experten Andree Hohm und Björn Filzek dringende Forderungen an die Regierungen.

Wenn es um Fortschritte im automatisierten Fahren geht, ist die Ungeduld der Ingenieure spürbar. Schon heute stehen viele Automobilhersteller mit Funktionen oder Software-Updates in den Startlöchern, die ihre Fahrzeuge mit neuen Automatisierungsgraden ausstatten würden. Die Rechtslage um diese Entwicklungen herum wird jedoch kontrovers diskutiert. Und das ist nicht das einzige Thema, das die Ingenieure dazu bringt, sich an die Politik zu wenden.

 

 

Automatisierte Autos werden ohne den richtigen Rechtsrahmen nicht auf die Straße kommen. Die Regelerstellung läuft in den verschiedenen Ländern mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten ab. Sehen Sie die Gefahr, dass Europa hinter den USA oder Asien zurückfällt?

 

Hohm: Ich denke, wir müssen wirklich aufpassen. Wenn ich nach Nordamerika schaue, sehe ich einige Staaten, die sich schnell und mutig bemüht haben, Rahmenbedingungen zu schaffen, die für die Entwicklung der AD sehr vorteilhaft sind. Ich denke, das sind großartige Beispiele, die Europa dazu anregen sollten, die gleiche Geschwindigkeit, den gleichen Mut und Pragmatismus zu zeigen. Es ist sicherlich nicht zu spät, um aufzuholen. In Deutschland gibt es in letzter Zeit sehr vielversprechende politische Initiativen. Aber wir müssen sicherstellen, dass diese Initiativen nicht auf der Ebene der guten Absichten stecken bleiben. Die Zeit zum Handeln ist gekommen!

 

 

"GESETZLICHE BESCHRÄNKUNGEN SIND DIE GRÖSSTE BARRIERE."

 

 

Was müssen die Regierungen tun? Was ist die dringendste Angelegenheit?

 

Filzek: Wir sehen die gesetzlichen Einschränkungen als die größte unmittelbare Barriere. In Deutschland ist es beispielsweise verboten, eine automatisierte Lenkung bei Geschwindigkeiten von über 10 km/h (6,2 mph) einzusetzen. Das ist ein Problem, das man zum Beispiel in Nevada nicht hat. Das muss sich ändern. Und wir brauchen diese Veränderungen in ganz Europa. Es hilft nichts, wenn die automatisierte Fahrt immer an der Grenze endet.

 

Hohm: Darüber hinaus müssen die Straßenverkehrsordnung an die neue Technik angepasst und Haftungsfragen geklärt werden. Ich sehe es als Aufgabe der Politik an, die Grundlagen für die Einführung einer Technologie zu schaffen, die der Gesellschaft zugutekommt.

 

 

"POLITISCHE PROZESSE MÜSSEN SICH AN DAS TEMPO DER TECHNOLOGIE ANPASSEN."

 

Warum tun sich die Politiker so schwer damit?

 

Hohm: Die Geschwindigkeit, mit der die Technologie voranschreitet, hat in den letzten Jahren enorm zugenommen. Die politischen Prozesse zur Regulierung solcher Fortschritte haben sich noch nicht an dieses neue Tempo angepasst. So wie sich die Technologie weiterentwickelt, müssen sich auch die Regulierungsprozesse weiterentwickeln. Die Politik muss in der Lage sein, eine schnelle und pragmatische Entscheidungsfindung zu ermöglichen.

 

 

Regeln sind nicht das Einzige, was Regierungen zu bieten haben. Wie sieht es mit der Infrastruktur aus?

 

Filzek: Das ist ein weiteres zentrales Thema. Wenn ein Auto autonom fahren soll, ist es wichtig, unsere Verkehrsinfrastruktur zu verbessern. Ein Beispiel ist eine lückenlose Abdeckung mit Hochgeschwindigkeits-Internetzugang, um eine stabile Einbindung des Fahrzeugs auf dem Server zu gewährleisten. Wir müssen bestimmte Anforderungen erfüllen, wenn es um Straßenmarkierungen und Straßenschilder geht. Wir müssen es sogar ermöglichen, dass Infrastrukturelemente aktiv mit dem Fahrzeug kommunizieren können. Vehicle-to-X-Kommunikation ist hier das Schlüsselwort.

 

Hohm: Deutschland ist hier mit einer großen Initiative vorangekommen: dem digitalisierten Testgelände auf der Autobahn A9 in Bayern – wo diese Technologien unter realen Bedingungen erprobt werden können.

 

 

AUTONOME AUTOS: DIE FRAGE IST NICHT "OB", SONDERN "WANN"?

 

 

Wie ist mit der Förderung von Talenten? Brauchen wir einen Wandel in der Ausbildung, um AD Realität werden zu lassen?

 

Hohm: Auf jeden Fall. Heute basieren rund 80 Prozent der Innovationen in einem Fahrzeug auf Software und Algorithmen. Das bedeutet, dass wir weitaus mehr Software-Ingenieure benötigen, als wir vor 20 Jahren brauchten. Dies ist ein dringender Handlungsaufruf, der sich an die Universitäten richtet: Ihre Programme müssen sich an diese neue Nachfrage anpassen. Es ist die Aufgabe einer Universität, nicht nur zu forschen, sondern auch Fachleute auszubilden. Dabei ist natürlich die Hilfe von Regierungen erforderlich. Sie müssen die Modernisierung der Bildungspläne entsprechend dem veränderten Gleichgewicht in der Industrie unterstützen. Auch dies ist ein Thema, das wir in Europa genau beobachten müssen, wenn wir nicht hinter andere Teile der Welt zurückfallen wollen.

 

 

Wir sind am Ende unseres technischen Gesprächs angelangt! Eine letzte Frage: Wenn Sie in die ferne Zukunft schauen – wann werden völlig autonome Autos auf unseren Straßen unterwegs sein, die vollkommen ohne das Eingreifen einer Person auskommen? Werden Sie und ich das noch erleben?

 

Filzek: Die Frage ist nicht mehr, ob das passiert, es geht nur darum, wann es passiert. Aber das wird wahrscheinlich länger als 15 Jahre dauern.

 

Hohm: Wir werden es in Einzelfällen früher sehen, zum Beispiel auf Autobahnen. Aber ich bin bei Herrn Filzek: Es wird nach 2030 sein, dass wir erleben, wie Autos wirklich völlig autonom in jeder Situation fahren. Wir werden es jedoch noch erleben. Ich bin fest entschlossen, das zu erleben!

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