(Foto: https://www.fiaformulae.com)

Autonomes Fahren und der Motorsport Effekt

Privatleben und Mobilität

Raven Brookes

12.08.2019

       

Der Rennsport treibt die öffentliche Akzeptanz und Umsetzung von neuen Technologien voran. Ein aktuelles Beispiel dafür ist die Formula E, eine vollelektrische Rennserie. Aber funktioniert dieser Effekt auch für die Technologien des autonomen Fahrens?

 

Egal, ob du den Motorsport liebst, hasst oder andere Emotionen damit verknüpfst, sein Einfluss ist unbestritten. Der professionelle Motorsport ist ein globales Kraftpaket, dessen Einfluss bei der Entscheidung, ob und wann wir neue Technologien im Alltag nutzen, von größter Bedeutung ist. Aber klappt das auch bei der Technik des autonomen Fahrens? Oder ist die Idee vom Rennwagen ohne menschlichen Rennfahrer zu weit hergeholt und „zu sicher“, um wirklich spannend und unterhaltend zu sein?

 

Um der Frage auf den Grund zu gehen, schauen wir uns ein aktuelles Beispiel für fortschrittliche und zeitgemäße Technik an, die in einem traditionellen Rennformat eingesetzt wird: die Formel E.

Ab an den Strom

Wenn du an Motorsport denkst, fällt dir wahrscheinlich als Erstes die Formel 1 ein.

Aber auch die Formula E, das vollelektrische Pendant zur Formel 1, hat erst kürzlich bereits seine fünfte Saison beendet.

Ursprünglich sollte die Formula E der Welt zeigen, dass Elektrofahrzeuge, in Bezug auf die Reduzierung der Emissionen und der gesamten Umweltbelastung, nicht nur ein sinnvoller nächster Schritt für den Rennsport sind, sondern auch für den Rest der Welt eine durchaus tragfähige und in den Alltag integrierbare Option darstellen.

Motorsport Effect 2
(Foto: https://www.audi-mediacenter.com/en)

Als 2011 die ersten Konzepte vorlagen stieß die ABB FIA Formel E Meisterschaft jedoch auf Skepsis und sogar Kritik und wurde von der Motorsportgemeinschaft schnell als Spielerei abgestempelt. Seit dem Start der ersten Meisterschaft im Jahr 2014 hat sich die Rennserie jedoch konstant weiterentwickelt und zieht mittlerweile viele Fans an. Und das sowohl in der Öffentlichkeit als auch bei großen Automobilunternehmen. Das zeugt ganz klar von einem wachsenden globalen Ansehen und wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit.

 

Jedoch war die Formula E nicht nur aus technischer Sicht ein interessantes Experiment und Konzept. Viele ehemalige Formel 1-Fahrer, zum Beispiel Lucas di Grassi, sind für die neue Rennserie und in einigen Fällen auch privat, auf vollelektrische Autos umgestiegen.

 

Das hat dazu beigetragen, dass Elektrofahrzeuge in der Gesellschaft enorm an Akzeptanz gewonnen haben.

Lucas Motorsport
(Foto: https://www.audi-mediacenter.com/en)

Formula E treibt Entwicklung von Elektroautos voran

Die Botschaft der Nachhaltigkeit erzeugt natürlich großes öffentliches Interesse. Ein weiterer wichtiger Bestandteil des Formula E-Konzepts ist die Beschäftigung von bekannten, prominenten Rennfahrern, die dafür sorgen sollen, das Interesse hoch zu halten. Darüber hinaus gibt es noch weitere interessante Elemente, zum Beispiel die Technologie an sich, aber auch der Wettkampf zwischen den Marken und Teams abseits der Rennstrecke, wenn es darum geht möglichst schnell und effektiv neue Innovationen zu entdecken und entwickeln.

 

Wired beschreibt die Thematik so:

 

"Die Formel E wurde entwickelt und konzipiert, um den Rennsport - der seit jeher ein rollendes Entwicklungslabor für die Automobilentwicklung ist und Weiterentwicklungen wie Antiblockier-, Traktionskontroll- und Doppelkupplungsgetriebe hervorbringt - zu nutzen, um Elektrofahrzeug-Hersteller und Zulieferer wie BMW, Nissan, Audi, Panasonic, Mahindra und Jaguar dabei zu unterstützen, ihre batteriebetriebenen Produkte weiterzuentwickeln. Nicht nur, um zu zeigen, was Elektrizität leisten kann, sondern um sie besser zu machen."

 

Diese Entwicklungen haben zu zahlreichen "Technologietransfers" geführt, d.h. dass Automobilunternehmen ein und dieselbe Technologie verwenden, um sicherere, leistungsfähigere und langlebigere Elektrofahrzeuge zu entwickeln, die sowohl für die Rennstrecke als auch die Straße geeignet sind.

Continental Motorsport
(Foto: https://www.continental-tires.com/car/about-us/media-services/newsroom/20190131-continental-extreme-e)

Und auch der Elektro-Rennsport steht mit der Formel E erst am Anfang seiner Entwicklung. Im Juli dieses Jahres, beim legendären Goodwood Festival of Speed , erlebte das Extreme E seine Weltpremiere - ein vollelektrisches SUV-Rennen mit speziellen Offroad-Reifen von Continental. Das ist eine Partnerschaft und eine Rennform, die in den kommenden Jahren richtig an Fahrt gewinnt. So jedenfalls die Einschätzung von Alejandro Agag, Gründer und CEO der Formel E:

"Ich war schon immer begeistert von der Weiterentwicklung der Elektrofahrzeugtechnologie und den Auswirkungen, die saubere Mobilitätslösungen auf die Bemühungen zur Eindämmung des globalen Klimawandels haben können. Ich bin fest davon überzeugt, dass Extreme E dazu beitragen kann, die Welt schneller nachhaltiger zu machen. Und wir haben ein hervorragendes Team, um dieses Ziel zu verwirklichen. Die Aufnahme von Continental Tires als Gründungspartner - und CBMM als Lieferant von Niob - ist ein großer Schub für Extreme E und zeigt das starke wirtschaftliche Interesse an diesem nachhaltigen Sport- und Unterhaltungskonzept...".

Es steht außer Frage, dass die Formel E dazu beigetragen hat, das Interesse der großen Marken sowie das Vertrauen der Öffentlichkeit und damit die Elektrotechnik selbst zu fördern.

Aber könnte das gleiche Prinzip auch für das autonome Fahren funktionieren?

Continental Motorsport Tires
Foto: (https://www.continental.com/en)
Motorsport Conti
Foto: (https://www.continental-tires.com/car)

Autonome Rennen fahren – die Vision von Roborace

Während des Goodwood Festivals drehte der DevBot 2.0 von Roborace seine erste offiziell zeitlich erfasste Rennrunde. Für den 1,16 Meilen langen Kurs benötigte er 66,96 Sekunden und erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von 100 Meilen pro Stunde. Es war das erste Mal, dass bei einer offiziellen, komplett autonom gefahrenen Runde die Zeit gestoppt wurde, wodurch sowohl Motorsport- als auch Technikgeschichte geschrieben wurde.

 

Insgesamt war der Juli 2019 ein großer Monat für den autonomen Rennsport. Wenige Wochen nach der atemberaubenden ersten Runde fand das erste autonome Rennen auf der legendären Monteblanco-Rennstrecke statt. Allerdings warfen einige Motorsport-Anhänger ein, dass man ohne echte Fahrer, die man unterstützen und anfeuern kann, kein großes Publikum erwarten könne.

 

Nichtsdestotrotz ist Bryn Balcombe, Chief Strategy Officer von Roborace, nach wie vor davon überzeugt, dass der autonome Rennsport seinen Platz in der Welt des Motorsports finden wird. Und zwar indem der Mangel an realen Fahrern auf neue und aufregende Art und Weise kompensiert wird.

 

"Der Motorsport hat viele verschiedene Rennformen, die alle unterschiedliche Herausforderungen mit sich bringen, sei es die Formel 1, die Formel E oder die Langstrecken-Weltmeisterschaften. Die Aufgabenstellungen sind sehr unterschiedlich und haben unterschiedliche Reize. Um neue Technologien in besonderer Weise voranzutreiben, hat der Motorsport schon immer eine Vielzahl von Wettbewerben initiiert und entwickelt. Was wir bei Roborace tun, konzentriert sich auf diese neuen Wettbewerbsformate und die technologiegetriebenen Herausforderungen. Wir werden weiterhin auf Rennstrecken fahren, aber wir werden auch Wettbewerbe auf Landstraßen, auf Stadtstraßen und in anderen Umgebungen mit in sich geschlossenen Strecken durchführen. Schlussendlich werden in sich geschlossene Rennkurse das hochautonome Fahren mit neuen Regeln und Vorschriften schnell zum Leben erwecken." 

Devbot
Foto: (https://www.drpgroup.com)

Autonomes Fahren: Vertrauen ist das A und O

Das Vertrauen der Öffentlichkeit zu gewinnen ist entscheidend für die Marktfähigkeit lebensverändernder Technologien. Im Falle von Elektrofahrzeugen ging es darum zu beweisen, dass die Technologie in der Lage ist, den gleichen Nutzungsgrad zu erreichen wie ihr Pendant, der Verbrenner. Im Falle von autonomen Fahrzeugen muss bewiesen werden, dass man keinen Menschen am Steuer braucht, um sicher und effektiv zu fahren.

 

Ähnlich wie die Formel E wird der autonome Rennsport vor allem in den ersten Phasen viele Skeptiker auf den Plan rufen. Aber, da sich die Technologie verbessert und die öffentliche Wahrnehmung ihrer Leistungsfähigkeit zunimmt, besteht die Chance, dass sie bald das Vertrauen gewinnt, das erforderlich ist, um im Mainstream anzukommen.

 

"Man muss die Technologie erleben. Wir sprechen oft über Motoren und die Technik, aber wenn man zwei autonomen Autos wirklich dabei zusieht, wie sie ein Rennen gegeneinander fahren und einen Unfall verursachen, setzt sich das Publikum damit auseinander und erlebt die Technologie. Wir möchten, dass sich der Zuschauer mit den Gründen für den Unfall befasst. Das ist es, was wir mit dem autonomen Motorsport tun sollten - der Öffentlichkeit eine Verbindung aufzeigen, damit sie sich fragen kann: "Warum hat die Software das getan? Das ist ein inakzeptables Verhalten, das möchte ich nicht auf der Straße sehen."

 

Theoretisch könnte die Technologie, wenn sie sich als sicher erweist, aber dennoch aufreibend und aufregend für den Motorsport-Fan ist, schneller die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit gewinnen. Schließlich ist der Rennsport immer noch die gefährlichste Art Auto zu fahren – und bietet damit die Möglichkeit, die vollen Fähigkeiten der Technologie, ohne unternehmerische und geschäftliche Einflüsse, zu testen.

 

"Wir bewegen uns hier nicht in einem Marketingumfeld. Die Strecke ist ein Ort, an dem die Leistung objektiv gemessen wird. Die Kommunikation der Ergebnisse nach außen ist unerlässlich. Wenn Sie Vertrauen in die Technologie aufbauen wollen, müssen Sie in der Lage sein zu zeigen, wo die Technologie jetzt ist, wozu sie in der Lage ist und wo ihre Grenzen liegen. "Und wenn es für E-Technik funktioniert hat, könnte es auch für autonome Technologie funktionieren. Der Unterschied besteht darin, dass wir in Zukunft die Ingenieure und Programmierer der Fahrzeuge anfeuern und nicht die Leute, die hinter dem Steuer sitzen. Vielleicht können wir, wenn diese neue Art des Rennsports Gestalt annimmt, also die Frage beantworten, ob wir wirklich die Fahrer der Autos anfeuern oder doch die Autos, in denen sie sitzen.

Und wer weiß, eventuell sehen wir in den nächsten Jahren eine Formel AD. Also Augen auf die Startaufstellung.

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