Die fahrerlose Mobilität wird den Fahrzeuginnenraum, wie wir ihn kennen, radikal verändern. (Foto: Volkswagen)

Das Interieur von fahrerlosen Autos: Fünf wegweisende Geschäftsmodelle

Technologie und Unternehmen

Angelo Rychel

Angelo Rychel

22.08.2018

       

Egal ob Restaurant oder Arztpraxis: Die fahrerlose Mobilität wird unzählige neue Geschäftsmodelle für Fahrzeuge hervorbringen. Ein Experte prognostiziert die spannendsten Anwendungsfälle - und wie sie die Innenarchitektur von Autos verändern werden.

THE INTERIOR OF DRIVERLESS CARS 5 GAME-CHANGING BUSINESS MODELS - 2

Autofahren um Spaß zu haben, ist etwas, womit sich Warren Schramm identifizieren kann. "Ich bin ein Autotyp", sagt er, "also fällt es mir schwer zu sagen, dass in 15 Jahren nur noch wenige Leute ein Auto besitzen werden." Aber obwohl er diese Entwicklung als Privatmann beklagen mag, begeistert sie ihn in seinem Berufsleben.

 

Schramm ist Technischer Direktor bei Teague, einer Designberatung aus Seattle, die sich auf innovative Lösungen für Reisen und Mobilität konzentriert. In seiner Arbeit mit verschiedenen Automobilherstellern hat Schramm einen Mentalitätswandel beobachtet. "Unternehmen werden zu einem Mobilitätsportal für Kunden. Sie beginnen, sich mit dem Erlebnis der Passagiere zu beschäftigen." Mit der zunehmenden Automatisierung, Aufteilung und Vernetzung der Mobilität entstehen neue Möglichkeiten, wie Fahrgäste ihre Zeit im Auto nutzen können - Möglichkeiten, die noch vor wenigen Jahren undenkbar waren.

 

 

 

Das Check-in-Fahrzeug

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Foto: iStock / RyanJLane

"In naher Zukunft, z.B. in den Jahren 2022 bis 2025, sehen wir Möglichkeiten für verschiedenste Partnerschaften - zum Beispiel zwischen einer Fluggesellschaft und einem Mietwagenunternehmen. Man stelle sich vor, dass man nicht nur einen Flug, sondern auch den Transport direkt zum Gate bucht. Über das Smartphone erhält der Kunde vorab eine Benachrichtigung über den Zeitpunkt, an dem er von einem autonom fahrenden Auto abgeholt wird. Das Fahrzeug könnte einigen der Mikrobus-Konzepte von Volkswagen sehr ähnlichsehen. Es wäre jedoch vollständig für die Zwecke der Fluggesellschaft konfiguriert.

 

Legt der Kunde vor dem Einstieg sein Gepäckstück in den Kofferraum, checkt er es dadurch automatisch ein. Denn das Auto gehört der Fluggesellschaft und ist so konzipiert, dass es Taschen und Gepäckstücke selbstständig scannen und beschriften kann. Der Innenraum ist TSA-zugelassen, d.h. der Identifikationsprozess sowie der Karosserie-Scan können im Auto stattfinden. Steigt der Kunde anschließend am Flughafen aus dem Auto, ist er also bereits sicherheitsüberwacht und bereit für den Abflug. Diese neuen Partnerschaften ermöglichen eine Vielzahl neuer, optimierter Prozesse, die wir so noch nie gesehen haben."

 

 

Das fahrende Resort

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Foto: iStock / kokouu

"Domino's Pizza hat bereits Einbau-Pizzaöfen in alle ihre herkömmlichen Autos installiert. Damit beginnt ein völlig neues Geschäftsmodell. In Zukunft werden die OEMs modulare Plattformen entwickeln, auf denen Unternehmen fahrerlose Autos anfordern können, die auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten sind.

 

Dabei könnten Erlebnisrestaurants vielversprechende Konzepte sein. Stellen Sie sich vor: Ein autonomes Fahrzeug holt Sie und Ihre Verabredung ab. Während der Fahrt entlang der Küste findet das Abendessen direkt im Auto statt. Ein exklusives Erlebnis - aber auch recht preiswert, da das Fahrzeug tagsüber für andere Zwecke genutzt werden kann. Eine weitere Möglichkeit wäre, dass das Essen im Voraus zubereitet und dann im Auto serviert wird, und Sie erst anschließend losfahren. In einer High-End-Version könnte der Koch das Essen tatsächlich direkt vor Ihren Augen zubereiten. Hier braucht man natürlich spezielle Klima- und Lagerbereiche für die Lebensmittel.

 

Diese Restaurantmodelle sind allerdings abhängig von Technologien, die noch nicht in den Fokus der Automobilhersteller gerückt sind. Denn um eine Umgebung im Fahrzeug zu schaffen, die ruhig und stabil genug ist, um angenehm Essen zu können, ist eine Menge Stabilisierungsarbeit von Nöten. Sobald es aber technologisch möglich ist, den Innenraum von der Bewegung um ihn herum zu isolieren, werden diese Szenarien Realität."

 

 

Termine während der Fahrt wahrnehmen

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Foto: Daimler

"Es wird möglich sein einen Arzttermin wahrzunehmen oder einen Buchhalter zu treffen, ohne diese Person vor Ort besuchen zu müssen. Denn sie werden dort sein, wo Sie sind und Sie dorthin bringen, wo Sie hinwollen. Wenn Sie nach der Arbeit nach Hause fahren, können Sie diese Zeit nutzen, um sich um Ihre Finanzen zu kümmern oder Ihren Zahnarzt aufzusuchen. Wenn Ihre Fahrt 45 Minuten bis zu einer Stunde dauert, bleibt genügend Zeit, um Dinge zu erledigen. In einem autonomen Auto können Sie dabei mit Ihrem Arzt oder Ihrem Buchhalter im Fahrzeug völlig ungestört sein. Zudem werden sie nicht fürs Fahren bezahlt, da sie sind Fachkräfte sind, die den Raum (das Auto) als ihr Büro nutzen - mit dem zusätzlichen Vorteil, dass Sie gleichzeitig an Ihr Ziel (z.B. Ihr zu Hause) gebracht werden.

 

Die dynamische Terminplanung - die bereits von Mitfahrzentralen wie Uber genutzt wird - beschäftigt einen Arzt tagsüber komplett, während Sie nicht mehr in einem Wartezimmer warten müssen. Berücksichtigen Sie auch die zunehmende Rolle der Telepräsenz im Gesundheitswesen. Stellen Sie sich ein Auto vor, das mit allem ausgestattet ist, was für eine zuverlässige Telefonkonferenz erforderlich ist, sowie mit bestimmten medizinischen Geräten: Sie könnten Ihren Arzt aufsuchen und er müsste nicht einmal physisch da sein."

 

 

Einschlafen und in Vegas aufwachen

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Foto: iStock / Geber86

"Autonome Autos werden den Kurzstreckenflugverkehr erheblich beeinträchtigen. Die meisten von uns würden es vorziehen, einfach schlafen zu gehen und woanders aufzuwachen. Wenn Sie ein Flugzeug nehmen, verbrennt der Flughafen mindestens zwei Stunden Ihrer Zeit plus die Dauer des Fluges. Ein autonomes Auto hingegen holt Sie abends einfach ab und bringt Sie an Ihr Ziel, während Sie in einem bequemen Bett schlafen. Ihre Reise könnte sogar an einem Ort enden, an dem Sie duschen und sich erfrischen können, wodurch Sie direkt bereit wären, wieder loszugehen. Es gäbe keine Zeitverschwendung.

 

Und noch etwas anderes zum Thema Zeitersparnis - eine revolutionäre neue Art von Wirtschaft könnte ins Spiel kommen, wenn alle Fahrzeuge miteinander verbunden sind: bezahlen, um schneller als andere Menschen an einen Ort zu gelangen. Wenn es mir wichtig ist schnell von A nach B zu kommen, bin ich bereit, Geld dafür auszugeben. Mein Auto bezahlt jetzt andere Autos vor mir, um mir aus dem Weg zu gehen. Oder andersrum: Wenn es mir nicht wichtig ist, in einer bestimmten Zeit an einen bestimmten Ort zu kommen, könnte ich mich in die Schlange zurückstellen lassen: Und mich dafür bezahlen lassen. Jemand könnte sich dafür entscheiden, mir zwei Dollar zu zahlen, um an mir vorbeizukommen. Dessen Auto würde hinter mir auftauchen, sehen, dass ich die Möglichkeit biete, mich für zwei Dollar überholen zu lassen und eine digitale Transaktion würde stattfinden."

 

 

Neue Mobilität für ältere Menschen

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Foto: iStock / FlairImages

"Japan experimentiert bereits mit selbstfahrenden Fahrzeugen, um ältere Menschen mobil und aktiv zu halten. Dies könnte die Mobilität für diesen Teil der Bevölkerung - und auch für Kinder - wirklich verändern. Beide Enden des Altersspektrums haben sehr unterschiedliche Anforderungen. Der Eingang muss angegangen werden, die Art und Weise, wie sich das Fahrzeug bewegt - und die Ausrüstung im Auto. Die elektrische Überwachung wird immer wichtiger. Nehmen wir zum Beispiel die Technologie, die die Schläfrigkeit des Fahrers erkennt, indem sie blinkende Merkmale und Gesichtsausdrücke mit einer Kamera überprüft. Gleichzeitig experimentiert Ford mit Herzfrequenzsensoren, die in den Sitz integriert sind.

 

Ebenso wichtig ist die Art und Weise, wie ein Fahrzeug Informationen an seine Fahrgäste übermittelt, um Vertrauen zu schaffen. Wir haben kürzlich an einem Konzept gearbeitet, bei dem Bildschirme auf der Außenseite des Fahrzeugs verwendet wurden, um den Fahrer zu identifizieren. So würde der Bildschirm sagen: ´Hi Warren, willkommen in deinem Auto". Geschwindigkeit, Ölstand - Daten, die für den Menschen hinter dem Steuer interessant sind, verblassen und werden unwichtiger. Nun muss das HMI also eine Reihe von menschlichen Informationen zur Verfügung stellen: ´Hi Warren, lass uns in den Supermarkt fahren. Die Fahrt wird zehn Minuten dauern.` Mitfahrzentralen wie Uber und Lyft bieten bereits die Möglichkeit, Ihre Fahrdaten mit den Menschen zu teilen, die Ihnen wichtig sind - ein entscheidender Faktor, wenn Kinder oder ältere Menschen selbstfahrende Fahrzeuge benutzen."

 

 

Über unseren Experten:

Warren kommt nach über 20 Jahren in der Entwicklung von kundenspezifischer Software und Unternehmenslösungen zum Design. Die Erfahrung in der Produktion treibt ihn dazu, sich für menschliche Interaktionen einzusetzen und Technologie und agile Entwicklungspraktiken auf Themen wie autonome Fahrzeuge, Bildung und Zusammenarbeit anzuwenden. Sein Ziel ist es, unsere Welt intelligenter zu machen und gleichzeitig die Technologie unsichtbar zu halten.

 

Auf der IAA 2017 in Frankfurt haben wir die Besucher nach ihren Ideen gefragt: Was ist es, worauf sie in ihrem personalisierten, autonomen Auto nicht verzichten könnten? Was würden sie gerne tun? Auf Basis seiner Antworten bekam jeder Teilnehmer anschließend ein, von unserem Designer gezeichnetes, individuelles Modell „seines“ autonomen Autos.

In diesem E-Book können Sie sich die aufregenden, ungewöhnlichen und futuristischen Ergebnisse anschauen!

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Die IAA 2017 Automated Driving Car Collection

Wie würde ihr personalisiertes, automatisiertes Auto aussehen? Unser e-book zeigt die besten Ideen. 

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