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Corona-Pandemie: Weniger Chancen für das Virus durch autonome Fahrzeuge?

Technologie und Unternehmen

Phil Brown

Phil Brown

31-03-2020

       

Im Moment scheint es in den Nachrichten nur noch ein Thema zu geben: das Coronavirus. Auch wir haben uns zu diesem Thema Gedanken gemacht und fragen uns, inwieweit autonome Fahrzeuge in dieser Situation einen Unterschied machen könnten.

Das Coronavirus sorgt in einem Großteil Europas und in vielen Ländern weltweit für große Verunsicherung: Lockdowns, Ausgangssperren und Notfallmaßnahmen schränken das Leben der Menschen stark ein. Doch schon beginnen die Debatten darüber, wie ein so umfassender Ausbruch hätte verhindert werden können und was zur Eindämmung künftiger Ausbrüche getan werden kann.

 

Aus der Perspektive des autonomen Fahrens gesehen werden computergesteuerte Fahrzeuge die Art und Weise, wie wir uns fortbewegen, stark verändern. Doch wie könnten fahrerlose Fahrzeuge in Zeiten angeordneter räumlicher Trennung (Social Distancing) für uns von Nutzen sein?

Emergency vehicle autonomous
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Selbstfahrende Krankenwagen

Leider können das aktuelle Cornovirus und die damit verbundene Krankheit Covid-19 ernsthafte Gesundheitsprobleme verursachen. Viele Gesundheitssysteme stehen angesichts der schieren Masse an Patienten unter immenser Belastung – eine Belastung, die natürlich auch über die Krankenhäuser hinaus geht und vor allem auch beim mobilen Hilfspersonal zu spüren ist. Insbesondere Krankenwagen müssen immer mehr Einsätze fahren und Covid-19-Patienten von zu Hause in die Hospitäler bringen. Auf der ganzen Welt arbeiten Krankenwagen-Besatzungen schon jetzt weit über ihre normale Auslastung hinaus.

 

Was aber wäre, wenn wir auf mindestens eine Person im Fahrzeug verzichten könnten? Fahrerlose Krankenwagen könnten die Navigation auf der Strecke übernehmen, während die Sanitäter im hinteren Teil des Fahrzeugs ihre Arbeit verrichten. Auch die Unterstützung durch Drohnen wurde bereits diskutiert: Die „fliegenden Augen“ würden den Krankenwagen aus der Luft über die aktuelle Verkehrssituation und mögliche Hindernisse auf der Strecke informieren und gleichzeitig dafür sorgen, dass andere Fahrer akustisch gewarnt werden können.

 

Allerdings benötigen fahrerlosen Krankenwagen eine ganz besonders weit entwickelte KI. Denn diese muss die hoch qualifizierten, geschulten Fahrer ersetzen, die in Sekundenbruchteilen Entscheidungen im Straßenverkehr treffen und sicherstellen können, dass Menschen in möglicherweise lebensbedrohlichem Zustand so schnell wie möglich ins Krankenhaus gelangen. Das aber bedeutet, dass Computer ethisch hochkomplexe Entscheidungen treffen und potenziell gefährliche Manöver absolvieren müssen.

 

Wenn sich selbstfahrende Krankenwagen jedoch als die sichereren und effizienteren Fahrer erweisen, dann wäre jetzt genau die richtige Zeit, dies zu beweisen. Oder vielleicht könnten wir auf fahrende Krankenwagen auch ganz verzichten ...

Easy mile vehicle
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Autonome Fahrzeuge und öffentliche Verkehrsmittel

Ein Bereich, für den autonomes Fahren perfekt geeignet ist, ist die Personenbeförderung, beispielsweise mit fahrerlosen Kleinbussen, wie sie das französischen Unternehmen Easymile entwickelt hat. Ein integriertes autonomes öffentliches Beförderungssystem würde nicht nur die Verkehrsnetze effizienter machen, sondern auch mehr private Pkw von der Straße holen. In Situationen mit angeordneter räumlicher Trennung und einem damit einhergehenden geringeren Bedarf an Massentransportmitteln müsste der öffentliche Verkehr allerdings durch eine flexiblere und individuellere Lösung ersetzt werden.

 

Hier könnten fahrerlose Taxis ins Spiel kommen. Menschen, die auch in Zeiten wie der Coronavirus-Pandemie zur Arbeit müssen, müssten dann nicht in überfüllte U-Bahnen steigen, wie man es zuletzt in der Londoner U-Bahn sehen konnte. Wenn du schon einmal in Japan gewesen bist, hast du vielleicht gesehen, dass sich die Türen der dortigen Taxis von selbst öffnen und dass das Innere der Fahrzeuge gründlich desinfiziert ist. Das macht die Fahrten dort sehr angenehm und man hat ein sehr „sauberes“ Gefühl.

 

Diese bereits vorhandenen, einfachen Lösungen könnten leicht auf fahrerlose Fahrzeuge übertragen werden. Eine Sprachsteuerungstechnologie würde es dem Fahrgast ermöglichen, sein Ziel ohne Berühren irgendwelcher Bildschirme oder Panels anzugeben. Die Bezahlung könnte über das Smartphone erfolgen, wie es schon häufig angewendet wird. Zudem könnte so ein Taxi mit einem automatischen Selbst-Desinfektionssystem ausgestattet werden oder es würde selbst zur nächstgelegenen Reinigungsstation fahren und dort für die nächste Nutzung gesäubert werden.

 

Mit der zunehmenden Abhängigkeit von Individual-Fahrzeugen werden aber auch die Schritte hin zu einer umweltfreundlicheren Mobilität plötzlich deutlich reduziert. Der Einsatz von Taxis oder individuell besetzten Fahrzeugen im Massenverkehr würde zwar möglicherweise die Ausbreitung von Viren verlangsamen, es dürfte sich dabei aber nur um kurzfristige Maßnahme handeln. Die langfristige Lösung, überfüllte Straßen zu vermeiden und hohe Kohlendioxid-Emissionen zu reduzieren, wird eher im effizienten Zusammenwirken von autonomen öffentlichen und individuellen Verkehrsmitteln liegen.

autonomous packaging
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Fahrerlose Lastwagen und Lieferketten

Abgesehen von den Gesundheitsproblemen und den tiefgreifenden Veränderungen des täglichen Lebens Mit der Schließung von Grenzen und zunehmenden Ausgangssperren wird es schwieriger, Waren von A nach B zu transportieren oder sogar über die üblichen Wege zu importieren. Wenn Grenzpersonal krankgeschrieben ist und gleichzeitig mehr Kontrollen durchgeführt werden müssen, um Fahrer zu kontrollieren oder möglicherweise sogar blinde Passagiere zu entdecken, dauert die Grenzüberquerung viel länger.

 

Und dann ist da die gestiegene Nachfrage. Wie wir in Ländern auf der ganzen Welt gesehen haben, werden selbst beim Anflug einer leichten Krise Panikkäufe getätigt – „nur für den Fall“, dass es kein schnelles Ende der bevorstehenden Situation geben könnte, versteht sich. Und das ist der Hauptgrund, warum die Regierungen versuchen, den Güterverkehr unter allen Umständen aufrechtzuerhalten.

 

Die Hälfte des Kampfes gegen die Coronavirus-Pandemie besteht für Supermärkte darin, ihre Regale schnell ausreichend aufzufüllen. Denn selbst wenn sich der Bestand bereits in der Lieferkette befindet, wird das zunehmend schwerer. Personal in Quarantäne bedeutet gleichzeitig weniger Verkäufer, Manager und Fahrer. Die dringend benötigten Produkte hängen auf dem Transport oder in den Lagerhäusern fest, weil Logistikteams nicht in der Lage sind, auf die extrem hohe Nachfrage zu reagieren. Laut Mohammed Esa, Leiter der Verkaufsabteilung Europa des globalen Logistikkonzerns Agility, benötige das derzeitige Durchlaufen der Lieferkette in Europa nicht mehr nur wie gewohnt zwei bis drei Tage, sondern doppelt so lange oder gar länger.

 

Eine Lösung könnten autonome Lastwagen sein (erste Tests in der EU laufen bereits). Diese könnten – ganz ohne menschlichen Fahrer – die Lager weiterhin ansteuern. Mit Computern, die eben weder schlafen noch Ruhepause einlegen müssen oder gar erkranken, würden die Zeitabläufe erheblich verkürzt werden, so dass die Waren schneller in die Regale gelangen könnten.

 

Auch im Privaten könnten wir bei Lieferketten „direkt zu uns“ von autonomen Lieferungen enorm profitieren. In Europa empfehlen bereits viele Regierungen, dass man sich Lebensmittel liefern lassen soll, um die Zahl der Infektionen zu reduzieren.

 

Der Pizzaverkäufer Domino‘s hat bereits das autonome „Pizza-Bike. Es ist zwar noch nicht wirklich in Gang gekommen, aber das Konzept ist ziemlich solide, vor allem wenn es dazu dient, fremde Menschen von der eigenen Haustür fernzuhalten. Und selbst wenn wir nicht die Möglichkeiten haben, ein völlig neues System zu schaffen, um Lebensmittel mithilfe eines Roboters nach Hause zu liefern, könnten wir immer noch die „Uber-Eats-Modelle“ an die bereits angesprochenen autonomen Taxis anpassen: Bestell dir einfach dein Essen, lass es vom Restaurant auf dem Rücksitz eines fahrerlosen Taxis legen und nimm es direkt vor deinem Haus in Empfang, ohne überhaupt mit einem Menschen in Kontakt zu kommen.

 

Diese Konzepte mögen zum gegenwärtigen Zeitpunkt notwendig oder wenigstens hilfreich erscheinen, aber sie weisen auf eine Zukunft hin, in der die menschliche Interaktion noch mehr begrenzt wird. Mit autonomen Fahrzeugen, die in unser tägliches Leben Einzug erhalten, könnten es durchaus möglich sein, einen ganzen Tag oder sogar länger ohne menschliche Interaktion zu verbringen. Doch auch wenn es für unsere Gesundheit im Moment vielleicht besser ist – so stellen wir uns die Gesellschaft der Zukunft sicherlich nicht vor.

Engage

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