Foto: Toyota global

Autonomes Fahren und mehr: So rüsten sich Japans Städte für die Zukunft

Technologie und Unternehmen

Phil Brown

Phil Brown

6.04.2020

       

Japan wird für seine Infrastruktur oft bewundert: Seien es die zahlreichen Eisenbahn-Hochgeschwindigkeitsstrecken, die sich über tausende Kilometer durch teils bergiges Gelände winden, oder auch die künstlichen Inseln, die vor den Häfen von Tokio und Osaka liegen. Japan nutzt sein Land , nicht nur um zu wachsen und zu gedeihen, sondern auch um Neuerungen zu entwickeln.

Es wäre einfach, sich auf den bereits exzellent ausgebauten Autobahnen und Hochgeschwindigkeits-Zugstrecken, die schon in ihrer jetzigen Form zukunftsweisend sind, auszuruhen. Doch diese Art von Selbstgefälligkeit ist den Japanern fremd. Einen Eindruck von Japans Faible für futuristische Infrastruktur bekommt man, wenn man sich die unterirdischen Bauarbeiten für den Chūō Shinkansen anschaut: Die Magnetschwebebahn soll Passagiere mit mehr als 500 Stundenkilometern in nur 67 Minuten von Tokio nach Osaka befördern. Nur 10 Prozent der Strecke verlaufen dabei oberirdisch.

 

Wenig überraschend ist dabei auch, dass Toyota, eines der wirtschaftlichen Schwergewichte Japans, eigene Pläne für Megaprojekte in der Größenordnung des Chūō Shinkansen entwickelt hat. Dabei ist Toyotas Vision sogar noch futuristischer als die von dem Zug, der einige Zentimeter über der Strecke schwebt.

the city layout for autonomy in Japan
Foto: Toyota global

Die „verwobene Stadt“

Konzepte, ganze Städte nur zu Testzwecken zu bauen, sind in Japan nicht neu. Toyotas Idee der „Woven City” in der Nähe des Vulkans Fuji hebt das Konzept der Teststädte aber auf ein ganz neues Niveau.

 

Die auf einem 175 Hektar großen Gelände errichtete Woven City soll weit mehr als nur eine Teststrecke für neue Toyota-Fahrzeuge sein. Die „Stadt“ verfügt nicht nur über ein voll funktionsfähiges Straßennetz (einschließlich Autobahnen), sondern auch über Wohnungen, Geschäfte und Einzelhandelsflächen, die an das durch Wasserstoff-Brennstoffzellen betriebene Stromnetz angeschlossen sind. 2.000 Menschen sollen einmal in der Stadt leben.

 

Fahrerlose Taxis sollen die Bewohner zur Arbeit und zurück bringen oder zu den örtlichen Bahnhöfen, die Woven City mit dem Rest Japans verbinden werden. Auch andere autonome Technologien sollen in Woven City integriert werden, darunter Lieferroboter und autonome Kleinstfahrzeuge, die für die Überbrückung der „letzten Meile“ von Personen und Lieferungen sorgen.

 

Die auf der CES 2020 angekündigte Woven City kommt zu einer Zeit, in der Japan seinen Ruf als Vorreiter auf den Gebieten futuristischer Technologien und modernster Infrastruktur wiederherstellen will. Eine Rolle, die zuletzt vor allem von China und Südkorea eingenommen wurde. So hat China beispielsweise in nur etwas mehr als einem Jahrzehnt eines der größten Hochgeschwindigkeits-Eisenbahnnetze der Welt gebaut und Südkorea wurde viel Anerkennung für Song-Do zuteil, eine (ultra-) smarte Stadt mit einem intelligenten Röhrensystem für Haushaltsabfälle und Mensch-Maschinen-Schnittstellen in jedem Haushalt. Japan wird darauf bedacht sein, Hunderttausenden von Besuchern und Medienvertretern, die zu den Olympischen Spielen im Sommer 2012 ins Land kommen werden, seine neuesten Technologien zu zeigen.

the woven city Japan
Foto: Toyota global

Die Idee hinter Woven City ist es, ein Testgebiet für eine ganze Reihe von Technologien zu schaffen, darunter solche zum autonomen Fahren, Wasserstoff-Brennstoffzellen Robotik, individuelle Mobilität und intelligente Häuser – ein lebendiges Testgelände für die nächste Generation intelligenter Technologien sozusagen.

 

„Eine komplette Stadt von Grund auf zu bauen, selbst in einem kleinen Maßstab wie diesem, bietet eine einzigartige Gelegenheit, Zukunftstechnologien zu entwickeln, einschließlich eines digitalen Betriebssystems für die Infrastruktur“, sagt Akio Toyoda, Präsident der Toyota Motor Corporation.

 

„Wenn Menschen, Gebäude und Fahrzeuge miteinander verbunden sind und über Daten und Sensoren miteinander kommunizieren, sind wir in der Lage, damit verbundene KI-Technologie zu testen und ihr Potenzial voll auszuschöpfen.“

 

Der Grundriss und die Gebäude von Woven City wurden vom dänischen Architekturbüro BIG entworfen und bilden dessen erstes Großprojekt in Japan. 2021 soll es fertig gestellt sein. Die Teststadt wird die neuesten intelligenten Technologien und Materialien beinhalten, aber auch Holz spielt in jedem Gebäude eine große Rolle, sowohl im Sinne der Nachhaltigkeit als auch als traditionelles Element im städtebaulichen Design.

Autonomes Fahren in „freier Wildbahn“

Brandneue Städte an die Konzepte des autonomen Fahrens anzupassen, ist eine Sache. Eine ganz andere Herausforderung ist es herauszufinden, wie man fahrerlose Autos in bestehende Städte integrieren kann. Japan ist diese Aufgabe früher angegangen, als viele vielleicht erwartet hätten.

 

Bevor die Verschiebung der Olympischen Spiele beschlossen wurde, hatten sich sowohl nationale als auch lokale Behörden darauf geeinigt, im Juli, kurz vor Eröffnung der Spiele, eine ganze Woche lang fahrerlose Autos auf den Straßen Tokios fahren zu lassen.

 

Diese Präsentation autonomer Fahrzeuge verfolgte zwei Ziele: zum einen Japans Bestrebungen zu zeigen, eine fahrerlose Zukunft zu etablieren, zum anderen aber auch zu demonstrieren, wie fahrerlose Autos auf den belebten Straßen des größten Ballungsraums der Welt zurechtkommen.

 

28 Unternehmen waren dazu auserkoren, ihre Konzepte sozusagen in „freie Wildbahn“ zu testen. Bei positivem Verlauf sollten diese zu Japans Vision beitragen, im Jahr 2025 mit dem Verkauf autonomer Fahrzeuge zu beginnen. Ein sicherlich ehrgeiziges Ziel. Aber dass privaten Organisationen eine solche Autonomie eingeräumt wird, zeigt nur, wie entschlossen Japan ist, die Vorherrschaft auf dem Gebiet der technologisch hoch entwickelten Städte zurückzugewinnen und eine führende Rolle beim autonomen Fahren einzunehmen. Bleibt zu hoffen, dass auch diese Technologie-Präsentation einfach nur um ein Jahr verschoben wird. Die Ingenieure und Designern hätten dann sogar Zeit gewonnen, ihre Konzepte weiterzuentwickeln.

 

Hast du autonome Technologie nach japanischem Vorbild schon in anderen Städten erlebt? Teile deine Erfahrungen oder verrate uns, ob du dich in ein fahrerloses Taxi setzen würdest, wenn du die Gelegenheit dazu hättest.

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