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Autonomes Fahren: Die Vereinigten Straßen von Europa

Privatleben und Mobilität

Raven Brookes

Raven Brookes

7.10.2019

       

Seit Anbeginn ihrer Tage sind die Menschen unterwegs. Zuerst zu Fuß, dann zu Pferd, dann in Autos und Fahrzeugen. Es liegt einfach in der menschlichen Natur, die Welt hinter dem Horizont zu erkunden. Frag‘ einfach die Milliarden unter uns, die jeden Tag in ein Fahrzeug steigen, um von A nach B zu gelangen.

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Wir haben bereits über die Bedeutung der bedingungslosen Grundmobilität gesprochen. Jener Idee, nach der jeder Mensch das Grundrecht auf Mobilität haben sollte, wobei sich, je nach Zugang zu Verkehrsmitteln, unterschiedliche „Personen-Klassen“ herausbilden. In der EU sind mehr als 300 Millionen Autos auf den Straßen unterwegs – mehr als ein Auto auf zwei Europäer. Mit anderen Worten: statistisch gesehen sind selbst Menschen mit niedrigsten Einkommen höchst mobil.

Aber bedeutet das auch, dass die nahtlose Integration autonomer Fahrzeuge in ein so gut ausgebautes internationales Netzwerk problemlos möglich ist?

 

Autonomes Fahren in Europa

Auch wenn die meisten Großstädte in der EU über einen Busbahnhof, einen Flughafen oder einen Anschluss an das überregionale Schienennetz verfügen, sind nach wie vor Reisen mit Kraftfahrzeugen vorherrschend, wobei 83 Prozent aller Fahrten mit dem Auto zurückgelegt werden. Da die Verbraucher nicht bereit sind, ihre Autos vollständig gegen öffentliche Verkehrsmittel einzutauschen, gerade auch für Fahrten außerhalb der Großstädte, liegt der Schwerpunkt auf der Reduzierung des Energieverbrauchs und der Umweltverschmutzung durch Benzin- und Dieselfahrzeuge. Elektroautos stehen also für praktisch alle Mitgliedsstaaten ganz oben auf der politischen Agenda, einige verpflichten sich sogar, Autos mit fossilen Brennstoffen innerhalb des nächsten Jahrzehnts zu verbieten.

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Die weitreichenden Änderungen, die für Autos bereits heute auf der Tagesordnung stehen, gepaart mit der Erkenntnis, dass fahrerlose Fahrzeuge mit vielen Vorteilen verbunden sind, vergrößert die Möglichkeit, dass Elektrifizierung und Automatisierung Hand in Hand gehen. Einige Länder sind bereits auf dem besten Weg, die Entwicklung der Infrastruktur auf eine Zukunft mit fahrerlosen Autos auszurichten.

 

Länder wie die Niederlande, die von dem Beratungsunternehmen KPMG als „am besten für autonomes Fahren vorbereitet“ eingestuft wurden, testen fahrerlose Lastwagen auf öffentlichen, „intelligenten“ Straßen. Norwegen ist einer der am weitesten fortgeschrittenen Anwender von Elektrofahrzeugen. Zurzeit testet man dort auch autonome Busse und arbeitet gleichzeitig an Rechtsvorschriften, um sicherzustellen, dass autonome Fahrzeuge der Stufe 5 auf den Straßen zugelassen werden, wenn die Technologie erstmal zum Standard geworden ist.

 

Aber was passiert, wenn du mit einem autonomen Auto, von dem einen in das andere Land fahren willst

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Unterschiedliche Ansätze für autonomes Fahren

Auf unserer hypothetischen autonomen Fahrt von Amsterdam nach Oslo, einer 14,5-stündigen Fahrt durch die Niederlande, Deutschland, Dänemark und dann per Fähre nach Norwegen, wird deutlich, dass es viele Faktoren gibt, die auf einer solchen Reise zum Tragen kommen.

 

Aus Sicht des Fahrzeugs sollte die Route nicht zu anspruchsvoll sein. Alle beteiligten Nationen legen großen Wert auf die Qualität und Navigierbarkeit ihrer Straßennetze, so dass selbst die einfachsten fahrerlosen Autos in der Lage sein sollten, die Autobahnen und Hauptverkehrsadern auf dieser speziellen Strecke zu befahren. Wenn unsere Reise durch Europa jedoch das Fahren in Ländern beinhalten würde, in denen die Straßen nicht so gut ausgebaut sind, könnte es Abschnitte geben, in denen autonomes Fahren einfach (noch) nicht möglich ist. Das würde die ganze Idee, zwischen den Nationen autonom fahren zu können, zunichtemachen.

 

Und dann ist da noch die rechtliche Frage. Derzeit haben die Staaten in Europa unterschiedliche Gesetze, wenn es um fahrerlose Fahrzeuge geht. Einige haben bereits grünes Licht für die Teil-Automatisierung gegeben (d. h. automatisierte Fahrerassistenzsysteme oder unterstützte Lenkung und Navigation – immer aber mit beiden Händen am Steuer). Für vollständig autonomes Fahren gilt aber häufig immer noch ein striktes „Nein“.

 

Von Versicherungs- über Haftungsfragen bis hin zu den Folgen von Unfällen durch fahrerlose Fahrzeuge: Viele Regierungen haben noch nicht einmal begonnen, über einen einheitlichen Ansatz

zu diskutieren. Der Status quo wird von den kommunalen Gesetzgebern dominiert, die vollautonome Fahrten zwar ausprobieren – allerdings mit vielen Kontrollen und mit vielen offenen Fragen, die erst noch beantwortet werden müssen, bevor die Kontrollen aufgeweicht werden. Bevor ein völlig fahrerloses Fahrzeug auch nur in einem einzigen Land eingesetzt werden kann, müssen Gesetzentwürfe, -änderungen und -aktualisierungen zu den Rahmenbedingungen vollständig abgestimmt und ratifiziert werden.

 

Diese Prozesse sind zeit- und kostenintensiv und stoßen in einigen Fällen auf Einwände. In den Niederlanden zum Beispiel äußerten kommunale Gesetzgeber berechtigte Bedenken, dass die derzeitige Technik zum autonomen Fahren bei der Nutzung einer Straße, auf der auch Fahrradfahrer unterwegs sind, nicht gut abschneidet. Und davon gibt es in den Niederlanden eine Menge. Man vervielfache diese Hindernisse für jedes Land mehrmals und schnell wird klar, dass ein vernetztes, autonom befahrbares Europa kein leicht zu erreichendes Ziel ist

 

Das Gesamtbild

Auch wenn es allen Ländern auf unserer Reise gelänge, das autonome Fahren unabhängig zu legalisieren und zu fördern, gibt es da immer noch die Europäische Union selbst, die eine Art Veto-Funktion innehat. Neben den einzelnen Staaten, die ihre eigenen Ansätze und Richtlinien für automatisiertes Fahren festlegen, muss die EU alle Änderungen der geltenden Fahrzeug- und Transportgesetze genehmigen. Die gute Nachricht ist, dass diese Genehmigungen auf einem guten Weg sind.

 

Im Jahr 2018 wurde die Rahmengesetzgebung für die EU-Fahrzeugzulassung geändert, um die Ansätze der einzelnen Nationen für autonomes Fahren zu fördern. Dies bedeutet, dass die Nationen in der Lage sind, die EU-Vorschriften zur Automatisierung zu umgehen, um ihre Programme zum fahrerlosen Fahren voranzutreiben.

 

Hinzu kommt, dass die EU bestrebt ist, in den Bereichen Verkehr und Infrastruktur weltweit wettbewerbsfähig zu sein. Die Idee dahinter ist, eine bessere Vernetzung zwischen den Mitgliedstaaten, die wiederum Beschäftigung und Wirtschaft fördert. Von intelligenten Straßen bis hin zur breiteren 5G-Konnektivität – die bereits eingeleiteten Änderungen erleichtern autonomen Fahrzeugen den Markteintritt, da sie bereits das meiste von dem umsetzen, was benötigt wird, um zu funktionieren.

 

Zeitplan für autonomes Fahren

Wann also könnten wir zu unserer hypothetischen, fahrerlosen Reise durch die EU antreten? Nun, wenn man den EU-Gesetzgebern und einzelnen Behörden, die fahrerlose Fahrzeuge auf ihrem Gebiet testen, glaubt, dann schon bald. 2025 wurde lange Zeit als Ziel für autonomes Fahren auf Autobahnen angesehen, aber außerhalb der Länder, die hart an einer fahrerlosen Zukunft arbeiten, dürften die Zeiten eher im Bereich von Jahrzehnten als von Jahren liegen. Der eigentliche Härtetest liegt im versprochenen Geld zur Verbesserung der „autonomen Landschaft“.

 

Die EU hat verschiedene Ausgabenpläne aufgestellt. Der bedeutendste darunter ist wohl das europäische Infrastrukturinstruments „Connecting Europe Facility”, das zwischen 2018 und 2020 bis zu 2,3 Milliarden Euro für die Verbesserung der europaweiten Infrastruktur bereitstellt. Ein beträchtlicher Teil davon fließt in die Digitalisierung und in intelligente Netzwerke, die für die höchst fortschrittlichen fahrerlosen Fahrzeuge von entscheidender Bedeutung sind.

 

Bei so soliden Investitionen, definierten Zeitplänen und Testprojekten, die bereits seit mehreren Jahren in der Entwicklung sind, lautet die Frage nicht, ob, sondern wann man quer durch Europa fahren kann.

 

Freust du dich auf lange Reisen, die keine Konzentration erfordern? Oder hast du Bedenken, Dein Leben in die Hände eines Computers zu legen? Mach bei der Debatte mit und teile mit uns Deine Gedanken zur Zukunft des autonomen Fahrens in Europa

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