BMW strebt einen schnellen Quantensprung auf Level 5 an. (Foto: BMW)

Autonomes Fahren: BMW will schon bis 2021 vollständig autonome Autos auf die Straße bringen

Technologie und Unternehmen

Dr Joachim Becker

8.11.2017

       

Der Countdown zur Serienproduktion autonomer Autos hat schon begonnen – viel früher als von den meisten Experten erwartet. Klaus Fröhlich, Mitglied des Vorstands der BMW AG und für den Bereich Entwicklung zuständig, erläutert seine Strategie.

 

Es ist noch zu früh, um die Geschichte des automatisierten Fahrens schreiben zu können, doch eine Reihe miteinander verbundener Entwicklungen beginnen sich abzuzeichnen. So wurde vor zehn Jahren ein kleines Start-up-Unternehmen aus Israel berühmt, als BMW das erste „Fahrzeug, das sehen kann“ präsentierte: eine BMW-5er-Limousine mit Mobileye-Kameras und Bilderkennungssoftware. Heute arbeitet der Experte für kamerabasierte Umwelterkennung mit allen führenden Automobilherstellern zusammen – und ist gerade Teil der Intel Corporation geworden: „In einer Art umgekehrten Integration haben wir alle unsere automatisierten Fahraktivitäten in die Hände von Mobileye Chef Amnon Shashua gelegt“, erklärt Intel-CEO Brian Krzanichs.

 

Obwohl der Supertanker Intel jetzt im selben Boot sitzt, gibt er dem kleineren und schnelleren Mobileye viel Handlungsspielraum. Um das Projekt so schnell wie möglich voranzutreiben, ist Shashua weitgehend frei, Entscheidungen zu treffen, betont Krzanich. Know-how, Finanzkraft und Schnelligkeit sind gleichermaßen gefragt. „Wenn man diesen Prozess Schritt für Schritt angegangen wäre, hätte es etwa 20 Jahre gedauert, von Stufe 2 auf Stufe 5 zu gelangen“, sagt BMW Entwicklungsleiter Klaus Fröhlich. Jetzt wird jedoch erwartet, dass die Umrüstung von Autos zu fahrerlosen Supercomputern auf einen revolutionären Schlag erfolgen wird. „Wir haben das technische System definiert, indem wir Mobileye, Intel und BMW zusammengebracht haben. Das hat neun Monate gedauert", sagt Fröhlich, „aber jetzt, da das System robust ist, suchen wir nach Partnern“.

 

Autonome Autos: Die Branche geht Partnerschaften ein

Neben Continental und Delphi hat Fröhlich nun auch Magna als weiteren Tier-1-Lieferanten für die nicht-exklusive Zusammenarbeit gewonnen: „Drei Lieferanten sind vorerst ausreichend, sonst wird es irgendwann zu komplex. Und wir gehen davon aus, dass die Zusammenarbeit mit anderen Automobilherstellern gerade erst begonnen hat.“ Ein solches globales Netzwerk sei wichtig, da die Regulierung autonomen Fahrens in den nächsten 20 Jahren in ständigem Wechselspiel mit dem Fortschritt der technischen Systeme stehen werde. „Irgendwann werden alle Fahrzeuge die gleiche autonome Technologie verwenden. Deshalb halten wir es nicht für sinnvoll, langfristig zu differenzieren.“

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Klaus Fröhlich ist Mitglied des Vorstands der BMW AG und für den Bereich Entwicklung zuständig. (Foto: BMW)

Dennoch will das Münchner Unternehmen möglichst weit vorne mitmischen und Maßstäbe setzen. Laut Fröhlich wird BMW bis 2021 eine hohe einstellige Milliardeninvestition in die erste Technologiegeneration getätigt haben. „Nicht jeder wird sich das leisten können. Auch verfügt nicht jeder über internes Fachwissen. Deshalb müssen die Automobilhersteller irgendwann einmal eine Kooperation eingehen“, prognostiziert er. Fröhlich spricht von einer „Frist für Entwicklungsbeiträge“ Ende dieses Jahres, da die mit der bestehenden Kooperation bereits Testflotten aufgebaut werden: „Wir springen auf Level 5 und werden in diesem Jahr 40 BMW-7er ausrüsten“, sagt Fröhlich. Seiner Meinung nach ist diese Flotte sehr teurer Testfahrzeuge noch nicht groß genug; deshalb wird das Netzwerk um weitere strategische Partner erweitert.

 

Fiat Chrysler kooperiert mit BMW

Fiat Chrysler ist der erste Automobilhersteller im Verbund, aber Fröhlich ist sicher, dass bis Ende des Jahres weitere folgen werden. „Wenn wir bis 2021 bereit sein wollen, dann wird 2018 für neue Partnerschaften bereits zu spät sein. Um das System zu vervollständigen, müssen alle Aufgaben vollständig zugeordnet sein.“ Es ist wichtig, geografische Vielfalt zu erreichen, erklärt er: „Wir wollen einen chinesischen, einen amerikanischen und einen europäischen Partner.“ Alle, die ab 2018 an die Tür klopfen, können das fertige System als Industrialisierungspartner nutzen. „Jeder Partner schafft Mehrwert. So wird Fiat Chrysler beispielsweise Flotten in den USA betreiben“, erklärt Fröhlich, „auch die Softwareentwicklung wird ausgelagert, was auch ein Bereich ist, in dem sich Fiat Chrysler engagieren könnte“.
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Hände weg vom Steuer: BMW testet alle Stufen des automatisierten Fahrens. (Foto: BMW)

Wenn es darum geht, sich das Fahren ohne menschlichen Eingriff vorzustellen, nennt Fröhlich zwei Beispiele: „Wenn ich einkaufen gehe, würde ich gerne direkt vor einem Kaufhaus aus dem Auto steigen. Das Auto könnte dann selbst einen Parkplatz suchen.“ Natürlich ist dieser automatisierte Chauffeurdienst nicht ohne Herausforderungen: Das Auto müsste abschätzen, wo jeder Fußgänger am Straßenrand gehen darf. Das ist auf Autobahnen ohne Fußgänger in der Nähe oder im Gegenverkehr weniger problematisch, sagt er: „600 Kilometer im Verkehr an einem Freitagnachmittag zu fahren ist nie angenehm. Ich würde gerne einfach einen Knopf drücken und das Auto fahren lassen. Allerdings erfordert das Level 4.“

 

Auf Wunsch kann sich der BMW-Technologiechef eine weitere Entwicklungspartnerschaft für das nächste Jahr vorstellen: „Mit jemandem, der eine Teilaufgabe übernimmt. Sagen wir, vielleicht eine heruntergestufte Version eines Robotertaxis für Ballungsräume.“ Wenn es um autonome Autos für Städte geht, hat niemand mehr Erfahrung als Google/Waymo. Interessanterweise hat ausgerechnet Fiat Chrysler bereits 100 autonome Chrysler Pacifica Transporter zusammen mit Waymo gebaut. Es könnte nur Zufall sein, aber Brian Krzanich hat auch gerade eine engere Entwicklungspartnerschaft mit Waymo angekündigt. Intel wird die erforderliche Technologie bereitstellen, um autonome Autos in die Innenstädte zu bringen. Davon werden alle Akteure der offenen Zusammenarbeit profitieren – direkt oder indirekt.

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