Domino's experimentiert mit selbstfahrenden Pizza-Taxis. (Foto: Ford)

Autonomes Essen: Wenn ein Roboter Dir die Pizza liefert.

Privatleben und Mobilität

2025AD Team

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11.09.2018

       

Völlig autonome Fahrzeuge für den Privatgebrauch sind noch Zukunftsmusik. Autonome Lieferwagen stehen jedoch in bestimmten Bereichen schon kurz vor der Marktreife. Hier ein paar Beispiele.

 

Der Markt für autonome Lieferungen ist im Kommen. Unternehmen wie Ford, Daimler und Toyota sowie Start-ups wie Nuro, Udelv, Starship Technologies, Boxbot und Robby Technologies drängen sich auf. Aber was hat diesen Ansturm ausgelöst? Welche Strategien verfolgen diese Unternehmen? Und wie weit sind sie bei der vollautomatischen Warenlieferung?

 

Um die Aufregung zu verstehen, lohnt der Blick auf einen Bericht von McKinsey. Das Beratungsunternehmen berechnete, dass der globale Jahresmarkt für Paketzustellungen 70 Milliarden Euro beträgt, mit Wachstumsraten von 7-10% in entwickelten Ländern und 300% in Entwicklungsländern wie Indien. Bis 2025 würden bis zu 80% der Pakete autonom zugestellt werden, insbesondere auf den arbeitsintensiven letzten Metern zum Kunden, in denen etwa die Hälfte der Kosten anfallen.

 

Training hinter verschlossenen Türen

Ein entscheidendes Unternehmen bei dieser Entwicklung war Amazon. Im Jahr 2012 kaufte Amazon Kiva Systems, einen Hersteller von Auslieferungsrobotern für Lagerhäuser. Diese Miniaturstädte mit weniger Vorschriften waren ein idealer Trainingsplatz, sagt Jim Adler, Geschäftsführer von Toyota AI Ventures. Amazon's Kauf von Kiva war ein "Wendepunkt", erklärte er kürzlich. "Die gleichen autonomen Technologien (d.h. Sensoren, Wahrnehmung, Vorhersage, Planung), die auch für die Verpackung von Kartons in Lagern verwendet werden, werden nun für den Lieferdienst dieser Pakete an die Haustür genutzt."

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Ein Amazon-Mitarbeiter mit dem Lagerroboter des Unternehmens. (Foto: Amazon)

Anfang 2018 meldete Amazon sogar ein Patent für sein "autonomes Bodenfahrzeug" (AGV) an. Dieser Roboter kann außerhalb von Wohnblöcken stationiert werden, um Pakete vom Lieferwagen zum Haus eines Kunden zu transportieren. Mit dem neuen kameragesteuerten intelligenten Auf- und Zuschließ-System namens Amazon Key können die Roboter potenziell sogar Türen zu Wohnungen öffnen.

 

Alle Formen und Größen

 

Mittlerweile haben andere Unternehmen aufgeholt und verfolgen dabei eine von drei Strategien. Zum einen passen Hersteller wie Ford bestehende Fahrzeugmodelle an. Das Detroiter Unternehmen hat sich mit dem Kurierdienst Postmates und dem Pizzaverkäufer Domino's zusammengeschlossen. So wurden Transit Connect Transporter modifiziert, indem zwei Fächer im Heck und eins auf der Seite integriert wurden, um ein Essenlieferungssystem in Miami, Ann Arbor und Las Vegas zu testen. Die Vans werden von Menschen gefahren, erscheinen aber wie selbstfahrende Autos, um die Interaktion der Kunden mit autonomen Fahrzeugen zu untersuchen.

 

Ein zweiter Ansatz ist der von Nuro. Das Start-up-Unternehmen von Mountain View wurde 2016 von zwei ehemaligen leitenden Ingenieuren von Googles Projekt für ein selbstfahrendes Auto namens Waymo, gegründet. Mit mehr als 100 Mitarbeitern hat Nuro heute den R1 entwickelt, einen autonomen Lieferwagen, der von Grund auf mit LIDAR, Kameras, Radars und einem völlig neuen Softwarepaket entwickelt wurde - aber ohne Fahrersitz und Lenkrad.

 
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Nuro testet autonome Lieferungen in Arizona. (Foto: Nuro)

Experten haben den R1 bislang mit einem "mobilen Toaster" verglichen. Zwei erfolgreiche Finanzierungsrunden mit einem Gesamtvolumen von 80 Millionen Euro deuten jedoch darauf hin, dass die Investoren an das Design des Fahrzeugs glauben. Es wiegt nur 680 Kilogramm, kann eine Last von 110 Kilogramm tragen und ist nur etwa ein Meter breit. Diese reduzierte Größe hilft, Kollisionen zu vermeiden, erklären die Gründer. Im August startete Nuro gemeinsame Testversuche mit dem Supermarkt-Einzelhändler Kroger in Arizona, der Lebensmittel gegen eine Pauschale von rund 5 € liefert.

 

Zunächst verwendet das Pilotprojekt noch Toyota Prius-Fahrzeuge, die mit Selbstfahrfunktionen ausgestattet sind, die denen des R1 ähneln. Zur Kontrolle der Sicherheit ist aber noch ein menschlicher Fahrer hinterm Steuer, wie das Unternehmen mitteilt. "Ziel ist es, so viel wie möglich von unseren Kunden und unseren jeweiligen Betriebsteams zu lernen", sagt ein Sprecher. "Wir werden den R1 diesen Herbst in das Pilotprojekt integrieren."


 

Klein ist schön

Darüber hinaus setzen andere Unternehmen Roboter ein, die noch kleiner und platzsparender sind, um im Schritttempo auf Gehwegen fahren zu können. Diese Fahrzeuge sehen oft aus wie überdimensionale mobile Kühlboxen. Einige von ihnen haben vier Räder wie das FTS von Amazon oder das ähnliche, bereits enthüllte, Fahrzeug von Boxbot aus Oakland. Andere haben sechs Räder, wie die Roboter von Starship Technologies aus London oder von deren Konkurrent Robby Technologies aus Palo Alto.

Laut einer Studie der Unternehmensberatung Frost & Sullivan wiegen solche Roboter zwischen elf und 36 Kilogramm, haben eine ähnliche Tragfähigkeit wie ihr Gewicht, eine Reichweite von bis zu 16 Kilometern, eine Akkulaufzeit von bis zu zwölf Stunden und einen Preis zwischen 1700 und 26.000 Euro. In Testversuchen werden die Roboter in der Regel noch vom Menschen überwacht. Frost & Sullivan prognostiziert jedoch, dass "bis 2020 die Lieferbots zu 99% autonom sein werden".

 

Es gibt mehrere Gründe, warum selbstfahrende Fahrzeuge zur Auslieferung schneller reifen als solche für Fahrgäste. Erstens sind sie in der Regel kleiner und langsamer und damit leichter zu steuern und zu stoppen; zweitens können sie sich die Zeit nehmen, unvorhergesehene Probleme zu bearbeiten und zu lösen; und schließlich wird ohne Passagiere und oft deutlich weniger Gewicht das Risiko von Kollisionen reduziert.

 

Allerdings birgt die autonome Zustellung auch Herausforderungen. Es bleibt abzuwarten, wie Roboter, die Gehwege benutzen, unter Hunderten von Fußgängern in extrem belebten Innenstädten navigieren werden, ob Menschen akzeptieren, dass Roboter in ihre Häuser eintreten und wie diese Roboter Wohnungen erreichen werden, die höher als das Erdgeschoss liegen.

 

Jim Adler von Toyota kennt solche Hindernisse. "Es wird Jahre dauern, bis wir die Straßen mit selbstfahrenden Autos der Stufe 5 teilen", erwartet er daher. Doch als sein Unternehmen im Juni in Boxbot investierte, prognostizierte er auch, dass es in einigen Bereichen schnell gehen kann: "Es gibt konkrete Anwendungsfälle, in denen autonome Fahrzeuge bereits heute auf die Straße gelangen könnten. Autonome Lieferungen sind ein Beispiel dafür."

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