Foto: shuttershock.com

Gold, Silber, Bronze: Die Olympischen Spiele der selbstfahrenden Autos

Privatleben und Mobilität

Raven Brooks

Raven Brooks

23.09.2019

       

Diese drei Städte stehen in den Startlöchern und sind bereit für autonome Fahrzeuge: Bereits 2015 kündigte die Stadt Tokio an, dass Athleten, Besucher und möglicherweise sogar Zuschauer von autonomen Fahrzeugen zu und von den Veranstaltungsorten der Olympischen und Paralympischen Spiele im nächsten Jahr befördert würden. Im Einklang mit dieser Vision ist bereits seit letztem Jahr ein völlig autonom fahrendes Robo-Taxi auf den Straßen Tokios unterwegs. Auch Toyota hat sich zum Ziel gesetzt, VIP Gäste der Olympischen Spiele mit elektrisch, selbstfahrenden Taxis und Minibussen durch die Stadt zu fahren. Und zwar auf eigens dafür geschaffenen und entwickelten Routen.

Foto: shuttershock.com

Sowohl die Stadt Tokio als auch Japan selbst arbeiten hart daran, autonome Fahrzeuge auf die Straße zu bringen. Mit ihren Bemühungen belegen sie damit den 11. Platz des KPMG Autonomous Vehicles Readiness Index. Aber wer führt diese Liste an? Wir haben uns die Länder angesehen, die das autonome Fahren ganz oben auf die Prioritätenliste gesetzt haben und zeigen, welche Länder auf dem Podium der „Autonomen Olympischen Spiele“ landen.

Foto: unsplash.com

Bronze: Norwegen

Norwegen ist weitläufig, wunderschön und mit einigen der besten Straßen der Welt ausgestattet. Trotzdem steht das Land nicht gerade im Fokus von Automobilherstellern. Schließlich leben im ganzen Land nur rund vier Millionen Menschen und es gibt lediglich 2,7 Millionen zugelassene Fahrzeuge. Aber ein detaillierterer Blick lohnt sich, offenbart dieser doch eine Nation von Autobesitzern, die bereit ist für Veränderungen. 

 

Anfang 2019 gab es in Norwegen 195.351 Elektrofahrzeuge, und erstaunliche 60 Prozent der Autoverkäufe 2018 entfielen auf batteriebetriebene Fahrzeuge. Das Engagement und das Bestreben Norwegens, von fossilen Brennstoffen abzukehren, zieht sich dabei durch alle Ebenen, von der Regierung bis in die einzelnen privaten Haushalte. Zudem bietet die Regierung viele Vorteile beim Kauf eines Elektroautos, wie beispielsweise Steuerbefreiungen, kostenlose Parkplätze und kostenlose Ladestationen. Dadurch sollen Verbraucher nicht nur unterstützt, sondern auch dazu animiert werden, auf Elektroantrieb umzusteigen, um Geld zu sparen und die Umwelt zu schützen.


Diese Bereitschaft, sich neuen Situation anzupassen, ist einer der wichtigsten Gründe, warum Norwegen zu den drei führenden Ländern auf diesem Gebiet gehört und den dritten Platz belegt. Ein weiterer großer Pluspunkt ist die Tatsache, dass es in der Hauptstadt Oslo bereits autonome Verkehrsangebote gibt. Im April dieses Jahres nahmen die ersten selbstfahrenden Busse ihren Betrieb auf. Das zeigt, dass das autonome Fahren auf kommunaler Ebene bereits akzeptiert und damit auch ratifiziert wurde. Dies wiederum fördert und vereinfacht es natürlich, die neue Technik an Entscheidungsträger des Landes zu verkaufen. Vorausgesetzt, deren Implementierung ist und bleibt ein Erfolg.

 

Ein weiterer Faktor für die gute Platzierung ist das bereits angesprochene, sehr gute Straßennetz in Norwegen. Selbst die entlegensten Straßen verfügen über Sicherheitsbarrieren und Markierungen, die regelmäßig neu lackiert werden. Dadurch fällt es autonomen Autos wesentlich leichter, sicher zu navigieren.

 

Foto: nus.edu.sg

Silber: Singapur

Wenn du schon mal in Singapur warst, wirst du wissen, wie schwierig und geradezu einschränkend es ist, ein Auto zu besitzen. Singapur will die belebteren Teile des Stadtstaates sicherer und umweltfreundlicher machen und verfolgt eine strenge Linie, wenn es um Autobesitz, Steuern, Maut- und Staugebühren geht. Und wie es aussieht, sind autonome Autos das bevorzugte Mittel, um die begrenzte Anzahl von Fahrzeugen noch weiter zu minimieren.


Daher ist auch Singapur der Konkurrenz weit voraus. Seit 2017 sind selbstfahrende Autos für den Straßenverkehr zulässig und die Regierung hat bereits damit begonnen, autonome Busse zu testen. Der Hauptgrund für Singapurs Platz auf dem Podium ist allerdings das Bekenntnis der Regierung zum autonomen Fahren.


Bereits im Februar 2017 unterzeichnete Singapurs Verkehrsministerium eine Vereinbarung, die vollautonome Fahrversuche auf öffentlichen Straßen erlaubt. Dadurch können bereits seit zwei Jahren autonome Fahrzeuge unter realen Bedingungen entwickelt und getestet werden. Dabei wäre dieser große Schritt womöglich gar nicht notwendig gewesen.


Denn in Zusammenarbeit mit der Nanyang Technological University schuf Singapur das weltweit erste groß angelegte Testgelände für autonome Fahrzeuge – und zwar in Form einer ganzen Stadt.


Singapurs zwei Hektar große „Teststadt“ für autonome Fahrzeuge bietet vollwertige Straßen, Bushaltestellen, Fußgängerüberwege und jedes erdenkliche Hindernis, das man auf öffentlichen Straßen findet. Die Anlage wird derzeit von einem Dutzend Unternehmen (u.a. Volvo) gebucht, um autonome Fahrzeuge zu testen und prüfen. Es gibt sogar ein System, das künstlichen Regen auf die Straße sprüht, um Tests unter schwierigen Bedingungen zu ermöglichen.


Trotz dieser großen Schritte in Richtung Automatisierung gibt es einige Gründe, warum Singapur den ersten Platz verpasst hat. Wie bereits erwähnt, gibt es strenge Einfuhrbeschränkungen für Kraftfahrzeuge und hohe Steuern auf Kfz-Besitz, die fast vier Prozent des gesamten nationalen Steueraufkommens ausmachen. Für Verbraucher heißt das, dass es immer noch schwierig ist, sich autonome Fahrzeuge überhaupt leisten zu können. Tatsache ist auch, dass sich die ölreiche Nation langsamer an alternative Technologien anpasst, als andere Nationen. So machen beispielsweise Elektrofahrzeuge nur etwa vier Prozent der 600.000 in Singapur zugelassenen Privatfahrzeuge aus.

 

Foto: daf.com

Gold: Niederlande

Singapur auf den zweiten Platz verdrängt haben die Niederlande, die die Rangliste der 2019er Autonomous-Vehicle-Readiness-Studie anführen. Die Niederlande erzielten hohe Werte in den Bereichen Politik und Gesetzgebung, Technologie und Innovation, Infrastruktur und Verbraucherakzeptanz, was zeigt, dass die niederländische Politik und Kultur insgesamt für autonome Fahrzeuge bereit sind. Im März kündigte die niederländische Regierung zudem einen neuen Rechtsrahmen für autonome Fahrzeuge an, der eine Art „Führerschein“ für selbstfahrende Fahrzeuge beinhaltet. Ja, Du hast richtig gelesen: einen Führerschein für das Fahrzeug, nicht für den Besitzer.


Hinzu kommt eine riesige Flotte von LKW, die zukünftig vor allem Blumen an die Häfen und in die Nachbarländer transportieren werden. Diese Flotte vollständig selbstfahrender Lastkraftwagen folgt dabei einem von einem Menschen gelenkten Lead-Truck. Das heißt, dass mehrere autonome LKW dem Lead-Truck hinterherfahren und – dank einer klugen KI – in Abhängigkeit vom Verhalten des jeweils vorausfahrenden LKW bremsen, die Richtung ändern oder beschleunigen. Die Fahrten entlang der „Tulpenkorridore“ nach Belgien und Deutschland erfolgen nachts gemäß den aktuellen Lieferplänen und bei ruhigerem Verkehrsaufkommen, wobei intelligente Ampeln mit 5G-Funktion dafür sorgen, dass die autonomen „Güterzüge der Straße“ nicht aufgeteilt oder getrennt werden.


Eine Herausforderung für die Niederlande ist das enorm hohe Aufkommen von Fahrrädern auf niederländischen Straßen, insbesondere in städtischen Gebieten. Der Umgang mit Fußgängern und anderen Fahrzeugen ist für die KI schwierig genug, aber kleinere Fahrräder, die in Städten oft schneller fahren als Autos, stellen ein ganz neues Sicherheitsproblem dar. Um diesem Problem aus dem Weg zu gehen, liegt der Schwerpunkt derzeit auf Autobahnen und Alleen, die über komplett von der Fahrbahn getrennte Radwege verfügen. Aber es wird interessant sein zu sehen, ob Fahrräder und autonome Fahrzeuge eines Tages gemeinsam und ohne größere Sicherheitsbedenken im Straßenverkehr funktionieren können.


Wo steht dein Land im KPMG-Ranking? Wohnst du in den Niederlanden, Singapur oder Norwegen und stimmst der Rangliste zu? Nimm an der Debatte teil und lass uns wissen, was du davon hältst, die Straße mit autonomen Fahrzeugen zu teilen.


Weitere Artikel, die du vielleicht lesen möchtest – https://www.2025ad.com/going-for-gold-will-driverless-cars-be-available-at-tokyos-olympics

 

Mitmachen

<div id="hs_cos_wrapper_Engage_" class="hs_cos_wrapper hs_cos_wrapper_widget hs_cos_wrapper_type_inline_text" style="" data-hs-cos-general-type="widget" data-hs-cos-type="inline_text" data-hs-cos-field="submit_your_story.icon_text">Letter</div>
Dein Beitrag zu 2025AD

Werde ein Teil unserer Community und reiche deine Stories, Bilder und Videos ein.

Deinen Beitrag einreichen
Megaphone
Sei immer informiert

Bleib immer auf dem Laufenden mit unserem wöchentlichen Briefing. Die aktuellsten Artikel zu autonomem Fahren direkt in dein Postfach.

Abonniere unser wöchentliches Briefing
Connect
Vernetz dich mit uns

Folge uns in den Sozialen Netzwerken für topaktuelle Informationen und Austausch zu autonomem Fahren