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Autonome Fahrzeuge könnten Bürozeiten deutlich reduzieren

Technologie und Unternehmen

Phil Brown

Phil Brown

3.03.2020

       

Kennst du das auch? Draußen ist es eiskalt und du musst zur ArbeitAlso beschließt du, das Auto zu nehmen. Doch sobald du auf die Autobahn fährst, geht‘s kaum vorwärts. Die Reihe roter Lichter vor dir scheint endlos zu sein – und du fragst dich: „Ist das meine Zeit wirklich wert?“ 

 

Tägliches Pendeln ist immer wieder ein großer Aufreger, besonders im Winter, bei schlechtem Wetter, vollen Straßen und überfüllten öffentlichen Verkehrsmitteln. Wie toll wäre es da, wenn wir unsere Pendelfahrten ohne Zeitverlust als Arbeitszeit nutzen und anrechnen könnten. 

work from car
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Büro auf Rädern

Flexible Arbeitgeber gewähren ihren Mitarbeitern bereits, die Zeit für längere Pendelstrecken und Reisezeiten als Teil ihrer Arbeitszeit zu berechnen. In den meisten Fällen erwarten die Arbeitgeber jedoch, dass Mitarbeiter den Arbeitsweg in ihrer Freizeit zurücklegen. 
 
Viele Mitarbeiter argumentieren, dass sie später zur Arbeit kommen könnten, wenn sie den Zug nehmen. Sie verweisen auf die Klapptische als provisorischen Arbeitsplatz, an dem sie E-Mails bearbeiten oder Anrufe tätigen können. 
 
Aber das Konzept des Büros auf Schienen" hat seine Nachteile. Denn auf stark frequentierten Strecken bekommt man nicht immer einen Sitzplatz und der Laptop bleibt dann höchstwahrscheinlich in der Tasche. Ganz zu schweigen davon, wenn das WLAN mal wieder nicht funktioniert oder die lärmende Gruppe von Schulkindern auf den Plätzen nebenan das dringende Telefonat unmöglich macht. 
 
Autonome Fahrzeuge könnten da einen ganz anderen Arbeitsraum bieten. 
 
Vergiss vollgestopfte Zugabteile ohne freie Steckdosen oder WLAN, das genauso viel kostet wie eine Woche Telefonieren. Stell dir stattdessen eine ruhige, gemütliche Kapsel vor, in der du ohne Ablenkung arbeiten könntest: in einem fahrerlosen Fahrzeug. 
 
Wenn sie nicht selbst fahren müssen, können Mitarbeiter ihre volle Aufmerksamkeit auf die Arbeit lenken. Intelligente Verbindungstechnik und Bildschirme könnten die Produktivität steigern. Die Sitzanordnung würde auf die Passagiere ausgerichtet und anstelle der dann unnötigen Lenkräder, Schalthebel und Schalensitze treten Tische und verstellbare Stühle. 
 
Und auch die Staus, die wir als eines der größten Probleme bereits angesprochen haben, und die unsere Städte zweimal täglich in riesige Parkplätze verwandeln, würde es dann nicht mehr geben. Unvorhersehbarer Stop-and-go-Verkehr und durch menschliches Versagen verursachte Unfälle würden ebenfalls der Vergangenheit angehören, wenn sich mehrere autonome Fahrzeuge erfolgreich vernetzen, vorausschauend miteinander kommunizieren und so gegenseitig ausweichen würden. 

autonomous working on a train
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Höhere Produktivität in autonomen Fahrzeugen

Wir würden Zeit gewinnenWenn ein Fahrer zweimal am Tag jeweils eine Stunde lang pendelt und diese Zeit als Arbeitszeit angerechnet würde, dann würde das zwei Stunden mehr an Freizeit bedeuten. Zeit, um etwas mit seinen Lieben zu unternehmen oder um sich Fotos auf Instagram anzuschauen. 
 
Für diejenigen, die in Großstädten arbeiten, besteht noch eine andere große Chance: Sie könnten ihr Einzugsgebiet erheblich erweitern, wenn durch die weiteren Pendlerwege keine Nachteile für sie entstünden. In Los Angeles, einer der am meisten zersiedelten Städte der Welt, sorgen Reihen von einstöckigen Häusern für eine endlose Ausdehnung. Anstatt ihr Leben damit zu verbringen, von den Vororten aus zur Arbeit zu kriechen, könnten es die Angestellten genießen, weiter oben an der Küste oder in einer kleineren Gemeinde außerhalb der Stadt zu leben. Auch die Notwendigkeit, massenweise weitere reine „Zweck-Bauten“ in der Nähe der Arbeitsplätze zu errichten, wären dann nicht mehr gegeben. Die Auswirkungen auf die Miete oder Hypotheken wären ebenfalls enorm und die Pendler könnten von den günstigeren Lebenshaltungskosten weiter außerhalb der Stadt profitieren. 

 

 

Risse im Konzept des autonomen „Pendelns“ 

 
Trotz der vermeintlichen Vorteile, die es mit sich bringt, wenn man sich nicht mehr ständig auf die Straße konzentrieren muss, gibt es immer noch ein paar Einwändewarum das stressfreie Pendeln nicht das ganz perfekte Konzept sein könnte 
 
Viele Unternehmen bevorzugen es immer noch, ihre Mitarbeiter im Blick zu behalten, wohl in der Überzeugung, dass eine überwachte Belegschaft glücklicher oder produktiver seiDer Wunsch, morgens anstatt um 9 Uhr erst um 10 Uhr oder sogar später ins Büro zu kommen, mag für einige kein Problem sein, andere wiederum lehnen das rigoros ab. Außerdem gibt es Berufe, in denen die Arbeit einfach nicht aus der Ferne erledigt werden kann, so dass die Arbeit im Auto keine Option ist. 
 
Dann sind da die physischen Auswirkungen: Vielleicht kennst du die „Reisekrankheit“, die zum Beispiel auftreten kann, wenn man während der Fahrt ein Buch liest. Unser Gehirn und das zentrale Nervensystem kommen mit dem Bewegungsgefühl oft nicht klar, wenn suggeriert wird, dass wir uns in einer stationären Umgebung befinden. Konzentrieren wir uns während der Fahrt also auf einen Bildschirm, könnte das am Ende zu Übelkeit führen. Das Problem ist nicht neu, auch wir haben bereits darüber berichtet. 
 
Und schließlich birgt dieses Konzept die Gefahr der Überlastung. Denn der Verlust des festen räumlichen Bezugs zum Arbeitsplatz könnte das Gegenteil des gewünschten Effekts bewirken: dann nämlich, wenn die tägliche Pendel-Zeit für zusätzliche Arbeit genutzt würde, ohne diese auf die Gesamtarbeitszeit anzurechnen. 

 
Ob Segen oder Bürde, das Nutzen der „unproduktiven Zeit“, die heute noch für das Selbstfahren benötigt wird, wird sicherlich die Art und Weise revolutionieren, wie wir unsere Tage planen – auch jenseits der Arbeit. Aber es gibt noch einen anderen, wichtigeren Faktor: 
 
Trotz aller Bußgelder und Warnungen im Zusammenhang mit Telefonieren am Steuer geben 25 % der Fahrer zu, ihre Smartphones während der Fahrt zu benutzen  eine besorgniserregende Statistik, bedenkt man die tödlichen Folgen, die die Handynutzung am Steuer haben kann. 

man in car illegally checking his phone
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Bei einer so hohen Anzahl risikowilliger Verkehrsteilnehmer, unter ihnen besonders jüngere Fahrer (3 von 5 der unter 24-Jährigen geben zu, dass sie ihr Telefon beim Fahren benutzen), kann es nur gut sein, die Fahrkontrolle den Maschinen zu überlassen. Diese hören eben nicht auf, sich auf die Straße zu konzentrieren, sobald ein Handysignal ertönt.  
 
Wenn du also das nächste Mal mit dem Auto im Verkehr feststeckst und dich fragst, ob sich das alles lohnt, stell dir vor, du könntest auf dem Arbeitsweg schon ein paar Aufgaben erledigen. Würde das deinen weiteren Tag am Schreibtisch erleichtern? Es könnte auch andersherum funktionieren, wenn autonome Fahrzeuge dir wertvolle Zeit ermöglichen, auf dem Heimweg notwendige Dinge zu erledigen, bevor du zu Hause ankommst. Dann kann dein wirkliches Leben tatsächlich beim Übertreten der Türschwelle beginnen! 


Glaubst du, dass fahrerlose Autos deine Work-Life-Balance verbessern würden? Diskutiere mit – unten im Kommentarbereich. 

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