Foto: https://pixabay.com/

Könige der Nacht: Autonome Fahrzeuge bei Dunkelheit

Privatleben und Mobilität

Phil Brown

Phil Brown

11.11.2019

       

Das haben wir alle wohl schon einmal erlebt: Die Sonne geht unter, die Scheinwerfer flackern langsam auf und die Straßen werden dunkel. Plötzlich taucht ein Schatten vor dir auf, verursacht einen Moment leichter Panik und lässt dich am Lenkrad ruckeln. Tagsüber würde dir dieses Manöver wahrscheinlich keinerlei Probleme bereiten. Aber nachts ist das Fahren oft einfach beängstigender – und gefährlicher.

photo: https://pixabay.com/

Die Zahlen unterstreichen das: In den USA, in Großbritannien und in der EU ereignen sich zwischen 40 und 45 Prozent der tödlichen Unfälle bei Dunkelheit, obwohl dann in einigen Fällen 60 Prozent weniger Verkehr auf der Straße herrscht.

 

Aufgrund der eingeschränkten Sicht ändert sich der Blick auf die Straße bei Dunkelheit vollständig. Gehen wir davon aus, dass dazu noch Fahrer unterwegs sein könnten, die müde sind oder unter Drogen- oder Alkoholeinfluss stehen und dass potenziell ungünstige Wetterbedingungen herrschen, dann wird deutlich, warum dir statistisch gesehen eher nachts ein Unfall passieren wird.

 

Der Mensch ist schuld

Leider liegen die meisten Gründe für die Zunahme der nächtlichen Autounfälle in unserer Unfähigkeit, auch nachts zu funktionieren. Das menschliche Auge ist einfach nicht für nächtliche Aktivitäten gemacht, und auch unser Gehirn ist eher auf den Tag eingestellt. Wenn die Sonne verschwunden ist, geht es mit der Konzentration bergab, bis die Sonne wieder aufgeht. Dieses durch chemische Prozesse verursachte „Runterfahren“ ist eine der Hauptursachen für das Einnicken am Steuer – etwas, das 17 Prozent der Autofahrer in der EU zugeben, mindestens schon einmal selbst erlebt zu haben.

 

Dann ist da noch unsere Unfähigkeit, mit plötzlichen Veränderungen der Lichtverhältnisse umzugehen. Wenn du an einem Auto mit Abblendlicht vorbei gefahren bist, dauert es einige Zeit, bis sich deine Augen wieder normalisiert haben. 15-Jährige brauchen dafür nur etwa eine Sekunde. Bei Menschen über 60 Jahren kann das aber bis zu neun Sekunden dauern. Eine lange Zeit, um mit ungenügender Sicht zu fahren.

 

Auch wenn der Mensch selbst die häufigste Unfallursache bei Dunkelheit ist, ist es nicht einfach so möglich, das Fahren bei Dunkelheit einzustellen. Glücklicherweise könnte es eine Lösung geben, die Zahl der Verkehrstoten sowohl nachts als auch tagsüber deutlich zu reduzieren.

Foto: shuttershock.com

Fahrerlose Autos im Dunkeln

 Die Autonomie der Fahrzeuge nimmt immer mehr zu. Bereits heute gibt es Elektroautos, die in der Lage sind, das Steuer zu übernehmen und auf Autobahnen zu jeder Tageszeit bequem von A nach B zu navigieren. Es gibt auch bereits autonome öffentliche Verkehrsmittel, die auf öffentlichen Straßen unterwegs sind. Und Initiativen in Oslo (Norwegen) und Tokio (Japan) fungieren im Bereich des autonomen Fahrens als Vorbilder für andere verkehrsreiche Städte auf der ganzen Welt.

 

Auch wenn teilautomatisierte Fahrzeuge bereits heute in vielen Ländern gekauft werden können, hält sich der tatsächliche Automatisierungsgrad noch in Grenzen. Das heißt, dass die Fahrer die Fahrt ständig aufmerksam beobachten müssen, um sofort wieder die Kontrolle übernehmen zu können. Bei einigen Modellen sind Nachtfahrten auch noch gar nicht möglich. In diesen Fällen veranlassen die Autos, dass die Fahrer wieder die Kontrolle übernehmen, sobald das Licht unter ein bestimmtes Niveau fällt

 

Anstatt sich jedoch nur auf eine Kamera oder ein Radar zu verlassen, setzen fahrerlose Fahrzeuge modernste integrierte Systemtechnologien ein, die zu einer wesentlichen Verbesserung der Leistungsfähigkeit autonomer Fahrzeuge bei Nachtfahrten führen.

Foto: www.continental-automotive.com/en-gl/Passenger-Cars/Chassis-Safety/Advanced-Driver-Assistance-Systems/Lidars/High-Resolution-3D-Flash-Lidar

Viele Entwickler und Hersteller autonomer Fahrzeuge setzen zusätzlich auf LiDAR, ein laserbasiertes Radarsystem, das Lichtimpulse vor das Auto sendet. Ein Bordcomputer erstellt dann in Sekundenbruchteilen ein viel genaueres Bild der vorausliegenden Straße, auch wenn diese in vollständiger Dunkelheit liegt. Ford hat diese Technologie kürzlich getestet und gezeigt, dass sichereres autonomes Fahren bei Nacht ein wichtiger Schwerpunkt für die großen Hersteller ist, die auf vollständig selbstfahrende Fahrzeuge setzen. Das Technologieunternehmen Continental hat zudem einen hochauflösenden 3D Flash LiDAR entwickelt, der als „die Zukunft der industriellen Bildverarbeitung“ bezeichnet wird. Er wird für eine Vielzahl von Anwendungen eingesetzt, unter anderem auch im Bergbau – einem bekanntermaßen dunklen Arbeitsbereich.

 

Der große Vorteil an der Verwendung von LiDAR als Ergänzung zu einer 2D-Kamera und einem Radar oder sogar dem menschlichen Auge, ist die Fähigkeit des Systems, auch ohne jegliches Licht weiter als alle anderen zu sehen. Das System kann bis zu 250 Meter vor dem Fahrzeug so ziemlich alles sehen und übertrifft das menschliche Auge damit deutlich. Zudem erkennt, berechnet und entscheidet das System in kritischen Situationen innerhalb einer Tausendstelsekunde, wogegen ein müdes Gehirn die Entscheidung, ein Hindernis zu umfahren, durchaus zu spät treffen könnte. Hinzu kommt, dass LiDAR-Sensoren nicht alle vier bis sechs Sekunden die Augenlider schließen müssen – und wir alle wissen, dass Verkehrsunfälle häufig im Bruchteil einer Sekunde passieren.

 

Die Zukunft des autonomen Fahrens im Dunkeln liegt in der Kombination verschiedener Sensoren, was eine großartige Nachricht für diejenigen ist, die nachts nicht gerne fahren. Übergib die oft beängstigende Aufgabe, mit betrunkenen Fahrern, unbeleuchteten Radfahrern und Fußgängern und geparkten Autos zurecht zu kommen einfach an die Technologie. Eine Technologie, die schon dem Militär und den Bergleuten hilft, im Dunkeln zu sehen.

Foto: shutterstock.com

Autonome Fahrzeuge - Besser als wir?

Der Schlüssel zum Erfolg nachttauglicher autonomer Fahrzeuge geht weit über die noch zu überwindenden praktischen Auswirkungen und Sicherheitsbedenken hinaus: In Wirklichkeit wird eine künstliche Intelligenz (KI) nicht müde, verwechselt ein geparktes Auto nicht mit einer leeren Straße und kann Entscheidungen in Sekundenbruchteilen und damit viel schneller treffen als ein müdes Gehirn, das darüber nachdenkt, was es wohl zum Abendessen geben wird.

 

Damit fahrerlose Autos bessere Arbeit leisten können und um die fast 25.300 fahrzeugbedingten Todesfälle, die sich im vergangenen Jahr in Europa ereignet haben, zu verringern, bedarf es eines Vertrauensvorschusses.

 

Und da die Technologie aufholt und in vielen Fällen die menschlichen Fähigkeiten beim Fahren im Dunkeln übertrifft, ist es höchste Zeit, dass wir auf fahrerlose Fahrzeuge setzen. Um unserer selbst willen.

 

Bist du der Meinung, dass autonome Autos nachts eine sicherere Option sein könnten? Oder sind menschliches Urteilsvermögen und eine bessere Nachtfahrausbildung eine bessere Lösung? Mach‘ mit und teile deine Meinung zu autonomen Fahrzeugen mit uns.

Mitmachen

<div id="hs_cos_wrapper_Engage_" class="hs_cos_wrapper hs_cos_wrapper_widget hs_cos_wrapper_type_inline_text" style="" data-hs-cos-general-type="widget" data-hs-cos-type="inline_text" data-hs-cos-field="submit_your_story.icon_text">Letter</div>
Dein Beitrag zu 2025AD

Werde ein Teil unserer Community und reiche deine Stories, Bilder und Videos ein.

Deinen Beitrag einreichen
Megaphone
Sei immer informiert

Bleib immer auf dem Laufenden mit unserem wöchentlichen Briefing. Die aktuellsten Artikel zu autonomem Fahren direkt in dein Postfach.

Abonniere unser wöchentliches Briefing
Connect
Vernetz dich mit uns

Folge uns in den Sozialen Netzwerken für topaktuelle Informationen und Austausch zu autonomem Fahren