Kommunikation ist der Schlüssel zur Akzeptanz autonomer Autos. Deshalb ist der Mercedes F015 freundlich zu Fußgängern. (Foto: Daimler)

Autonome Autos brauchen vor allem die Akzeptanz ihrer Fahrer

Privatleben und Mobilität

2025AD Team

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17.12.2015

       

Ein Auto ist für viele mehr als ein beliebiges Transportmittel. Sie identifizieren sich mit ihren Fahrzeugen. Aber wie denken die Autofahrer von heute über die automatisierte Fahrzeuge von morgen? Werden sie die neuen Autos so lieben wie die alten? Taugen Nutzfahrzeuge überhaupt als Wegbereiter? Letztlich werden Menschen autonome Fahrzeuge wohl nur dann akzeptieren, wenn die Fahrzeugindustrie drei zentrale Herausforderungen meistert: Verständnis zu schaffen, die Interaktion zwischen Mensch und Maschine zu optimieren und automatisierte Fahrzeuge für alle erschwinglich zu machen.

 

Das Verhältnis zwischen Menschen und Auto ist kompliziert und emotional. Das Auto ist nicht nur Maschine, sondern auch Statussymbol. Es bedeutet Unabhängigkeit und Freiheit. Die Art Freiheit, die uns „Thelma & Louise“ vermittelt hat: die Hände am Lenkrad und der Fuß auf dem Gaspedal.

 

Autonomes Fahren wird das ändern. Autofahrer werden nicht mehr nur mit dem Fuß aufs Gaspedal treten und fahren. Sie haben die Möglichkeit, die Steuerung an eine Maschine zu übergeben. Es ist schwer einzuschätzen, wie die Menschen auf diesen kulturellen Sprung reagieren werden.

 

 

Selbstfahrende Autos verstehen - und geniessen

Die gute Nachricht ist: Die Autofahrer scheinen weltweit grundsätzlich offen für automatisiertes Fahren zu sein. Die Mehrheit der Teilnehmer an der „Continental-Mobilitätsstudie 2013“ äußerte sich positiv über die Technologie: 79 Prozent in China, 61 Prozent in Japan, 53 Prozent in Deutschland und 41 Prozent in den USA. In der Folgestudie aus dem Jahr 2015 stimmten 54 Prozent der Amerikaner und 68 Prozent der Deutschen zu, dass Automatisierung das Fahren komfortabler machen könnte.

 

Aber die gleiche Studie zeigte auch, dass viele den Gedanken an automatisiertes Fahren beunruhigend finden. 52 Prozent der amerikanischen Teilnehmer glauben beispielsweise nicht, dass die Technologie jemals zuverlässig funktionieren wird.

 

Unsicherheit besteht nicht nur beim Thema Sicherheit und vor allem Datensicherheit, sondern auch hinsichtlich der Auswirkungen selbstfahrender Fahrzeuge auf Jobs im Transportwesen wie Lkw- oder Taxifahrer. Diese Berufe könnten obsolet werden. Andere Autofahrer befürchten, dass Roboterautos den Fahrspaß einfach verderben. Laut einer Studie von Ernst & Young aus dem Jahr 2015 teilen 58 Prozent der deutschen Autofahrer diese Sorge.

 

Ein besseres Verständnis für die Vorteile automatisierter Autos ist daher der Schlüssel zu ihrem Erfolg. Es ist eine Herausforderung, vor der die Branche bereits heute steht. Viele Fahrerassistenzsysteme (engl. Advanced Driver Assistance Systems, ADAS) sind Teil des modernen Autos und erhöhen die Verkehrssicherheit drastisch. Aber Automobilhersteller und Vertriebsmitarbeiter haben oft Schwierigkeiten, den Kunden diese Funktionen zu erklären – die wiederum die Vorteile nicht erkennen. „Die Kunden von heute interessieren sich oft mehr für das neue auffällige Display eines Fahrerassistenzsystems als für die Sicherheitsfunktionen“, sagte ein Vertriebsleiter einer großen Automobilmarke uns gegenüber.

 

Um die Verbraucher für fahrerlose Autos zu gewinnen, muss die Industrie sie an die Hand nehmen. Innovative Wege zu finden, um mit den Kunden zu kommunizieren und ihnen die automatisierten Funktionen aus erster Hand zu vermitteln – sei es im persönlichen Gespräch oder auf virtuellem Weg –, wird entscheidend sein. Ein weiterer entscheidender Faktor für die Akzeptanz ist, dem Fahrer die Wahl zu lassen, ob er chauffiert werden oder selbst fahren will.

 

Wenn der Fahrer noch die endgültige Entscheidung treffen kann, fühlt er sich vielleicht nicht durch die Maschine bedroht.

 

Eine Vorreiterrolle könnten Nutzfahrzeuge einnehmen. In der Logistikbranche ist automatisiertes Fahren bereits üblich, zum Beispiel innerhalb von Lagern und Hafenbereichen. Die Ausrüstung von Nutzfahrzeugen mit automatisierten Funktionen für das Fahren auf der Autobahn ist der nächste logische Schritt. Flottenbetreiber könnten in vielerlei Hinsicht davon profitieren. Der Kraftstoffverbrauch und die Emissionen werden deutlich sinken. Die Transportzeiten werden vorhersehbarer und der Stress des Fahrers wird reduziert. Der Erfolg dieser nächsten Schritte hängt auch davon ab, welche kommerziellen Vorteile Flottenbesitzer durch den Einsatz der neuen Fahrzeugfähigkeiten erzielen werden.

 

 

Die perfekte MMS: Es geht um Vertrauen.

Wenn Menschen ihr Leben autonomen Autos anvertrauen wollen, müssen sie sich zunächst sehr wohl dabei fühlen. Das bedeutet, dass die Interaktion eines Fahrzeugs mit dem Fahrer – seine Mensch-Maschine-Schnittstelle (MMS, engl. Human Machine Intervace, HMI) – nahezu perfekt sein muss.

 
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Das IDS-Konzeptfahrzeug: Nissan arbeitet an der perfekten Schnittstelle. (Foto: Nissan)

Dazu gehört nicht nur ein Bedienfeld, auf dem Autofahrer ihr Ziel eingeben, auf Unterhaltung zugreifen oder auf manuelle Steuerung umschalten können. Es ist auch notwendig, einen ständigen Dialog ohne Worte zwischen dem Fahrzeug und seinem Benutzer zu ermöglichen.

 

Stellen Sie sich nur mal selbst folgende Frage: Würden Sie als Beifahrer einem Fahrer vertrauen, den Sie nicht kennen und der Sie während der Fahrt ignoriert? Sie würden wohl zumindest ein mulmiges Gefühl dabei haben, oder?

 

Ein selbstfahrendes Auto muss seine Fahrgäste jederzeit gut informiert halten. Augmented Reality wird eine große Rolle bei der Erreichung dieses Ziels spielen. Ein gutes Beispiel dafür sind Head-up-Displays. Sie reichern den Blick auf die Verkehrssituation vor dem Fahrzeug mit virtuellen Informationen an.

 

Auch die Kommunikation mit der Umgebung des Fahrzeugs wird entscheidend sein. So projiziert beispielsweise das Konzeptfahrzeug Mercedes F015 einen Zebrastreifen vor die Füße eines Fußgängers. Das ist eine klare Botschaft: „Es ist sicher für dich, die Straße zu überqueren.“

 

Um perfekt zu sein, muss die MMS intuitiv und vor allem auf den Bediener ausgerichtet sein. Insbesondere der Übergang zwischen automatisiertem und manuellem Modus muss nahtlos sein, ohne dem Fahrer Probleme zu bereiten oder ihn zu verwirren. So könnte beispielsweise ein Lichtbalken unter der Windschutzscheibe in verschiedenen Farben dem Fahrer anzeigen, ob er oder das Auto die Kontrolle hat oder aber der Fahrer aufgefordert wird, zu übernehmen.

 

Wenn der Benutzer in eine „Schlacht der Knöpfe“ verwickelt ist und versucht, die Bedienung des Fahrzeugs zu verstehen, wird er kein Vertrauen in das automatisierte Auto entwickeln. Nehmen wir das weltweit beliebte iPhone: Es hatte lange Zeit nur eine einzige Taste.

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Intuitiv: Daimlers Vision eines Bedienfelds. (Foto: Daimler)

Aber um eine so intuitive Schnittstelle in der komplexen Welt der Automobilelektronik zu erreichen, bedarf es einer Vielzahl von Kooperationen entlang der gesamten Lieferkette.

 

Wie MMS letztlich aussehen werden, bleibt abzuwarten. Eine Vielzahl von Fragen muss beantwortet werden. Sollten MMS nach einem universellen Standard gestaltet werden, um Verwechslungen zu vermeiden? Werden Autofahrer es vorziehen, mit ihren Fahrzeugen zu sprechen? Oder Touchscreens verwenden? Oder Gestenbefehle geben? Wie sieht der Not-Aus-Schalter eines Fahrzeugs –„der große rote Knopf“ – aus?

 

Die passenden Antworten auf diese und andere Herausforderungen zu finden, ist der Schlüssel zum Aufbau von Vertrauen der Verbraucher.


 

 

Die Kosten des autonomen Fahrens

Unter dem Strich zählt aber vor allem auch eins: Wie kann man autonomes Fahren erschwinglich machen?

 

Selbstfahrende Autos verwenden alle Arten fortschrittlicher Hardware. Das macht ihre Herstellung enorm teuer. Googles Roboterauto enthielt angeblich Ausrüstung im Wert von etwa 150.000 Dollar, und damit weit jenseits der Preisklasse „normaler“ Autofahrer. Zugegeben, das ist der Preis für einen Prototyp, der nicht für die Serienproduktion gebaut wurde. Aber man erhält eine Vorstellung davon, wie groß die Herausforderung ist, Kunden zu gewinnen.

 

Die hohen Kosten beschäftigen natürlich auch die Hersteller. Viele von ihnen haben bereits enge Gewinnmargen und dürften es nicht gerade begrüßen, teure Neuteile in ihren Fahrzeugen verbauen zu müssen.

 

Die Produktionskosten sinken. Die Entwickler arbeiten an Möglichkeiten zur Konsolidierung und Vereinfachung der Hardware. Günstigere Alternativen zu Lidar, der derzeit verwendeten teuren laserbasierten Sensorik, werden erforscht.

 

Der Prozess wird schrittweise erfolgen. Eine Studie der Analysten IHS Automotive prognostiziert, dass die selbstfahrende Technologie noch im Jahr 2025 den Preis eines Autos um 10.000 US-Dollar erhöhen wird, eine Zahl, die erst 2035 auf rund 3.000 US-Dollar sinken wird.

 

Vielleicht sollten wir das Gesamtbild betrachten. Morgan Stanley schätzt, dass autonome Autos den Vereinigten Staaten 1,3 Billionen Dollar pro Jahr einsparen könnten, indem sie den Kraftstoffverbrauch senken, die Crashkosten senken und die Produktivität steigern. Wird die Aussicht auf einen groß angelegten wirtschaftlichen Nutzen die nationalen Regierungen dazu veranlassen, finanzielle Anreize für Käufer autonomer Autos zu schaffen? Letztendlich kann es daran liegen, dass die Gewinne gegenüber den Kosten einfach überwiegen.

 

Sind Sie offen gegenüber autonomen Autos eingestellt? Oder finden Sie die Aussicht auf selbstfahrende Fahrzeuge beunruhigend? Was sind Ihrer Meinung nach die größten Hürden? Teilen Sie Ihre Gedanken mit der Community!

 

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