(Foto: unsplash.com)

Autonom zu Gold: Könnten fahrerlose Autos schon bei den Olympischen Spielen in Tokio zum Einsatz kommen?

Privatleben und Mobilität

Raven Brookes

Raven Brookes

24.04.2019

       

Tokio hat große Ziele für die Olympischen Spiele 2020 – auch wenn es um den Transport von Publikum und Athleten geht.

 

Im Jahr 2015 verblüffte Japan die Welt mit der Aussage, dass selbstfahrende Autos – einschließlich fahrerloser Taxis – eine große Rolle bei der Ausrichtung der Olympischen und Paralympischen Sommerspielen 2020 spielen würden. Jetzt, da Tokio 2020 nur noch 16 Monate entfernt ist, stellen sich die Fragen: Wie weit ist Japan davon entfernt, dieses Ziel zu erreichen? Und was wird es für Japan bedeuten, wenn sie es schaffen?

 

 

DAS SHINKANSEN-VERMÄCHTNIS

Bis zur Eröffnungsfeier im Jahr 2020 wird es 56 Jahre her sein, dass Tokio zuletzt Gastgeber der Olympischen Spiele war. Um der Welt zu zeigen, wie weit Japan damals seit den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg gekommen war, und um die Olympischen Spiele 1964 mit einem klaren Statement zu beginnen, präsentierte Japan erstmals den Shinkansen. Jenen ersten Hochgeschwindigkeitszug der Welt, der zum Inbegriff der "Hochgeschwindigkeitszüge" wurde.

 

Der Shinkansen war elegant, hochmodern und symbolisierte eine ganz neue Ära des Transports für Japan und die Welt. Die Züge wurden zu dem Maßstab für andere Hochgeschwindigkeitsbahnen und ihre Technologie weltweit eingesetzt, von China bis Großbritannien. Tatsächlich beeinflusst der Shinkansen den Hochgeschwindigkeitsverkehr auf Schienen bis heute.

 

In Anlehnung an diese Tradition hat Japan eine ähnlich mutige Aussage über die Zukunft der nationalen und globalen Verkehrstechnologie im Jahr 2020 getätigt: Fahrerlose Autos sollen  zum wichtigen Bestandteil bei der zweiten Ausrichtung der Olympischen Spiele in Japan sein. So zumindest der Plan.

 

 

AUFTRITT: PREMIERMINISTER SHINZŌ ABE

Im Oktober 2015 zeigte sich der japanische Premierminister Shinzō Abe recht zuversichtlich über dieses ehrgeizige Ziel: "Ich kann Ihnen sagen, dass 2020 in Tokio selbstfahrende Autos fahren werden, und Sie werden sie nutzen können, um sich zu fortzubewegen", bemerkte er auf dem diesjährigen Jahrestreffen des Forums Science and Technology in Society (STS).

 

Shinzō Abe hatte die fahrerlose Technik einige Jahre zuvor selbst erlebt, als er 2013 mehrere öffentlichkeitswirksame Testfahrten in autonomen Autos absolviert hatte. Dies alles war Teil eines viel größeren Plans von Abe, der 2012 sein Amt antrat, die japanische Wirtschaft durch die Förderung neuer Technologien und die Änderung der Gesetzgebung zu ihrer Verwendung anzukurbeln.

 

Seitdem sind die Fortschritte langsam, aber stetig, wobei die japanischen Marken Toyota, Honda und zuletzt Hitachi an der Entwicklung einer wirtschaftlichen, autonomen Technologie beteiligt sind. Tokio stellte sich vor, dass sowohl die Athleten als auch die Zuschauer von einem fahrerlosen Transport während der Olympischen Spiele innerhalb und außerhalb des Dorfes, der Arena und sogar in der Stadt Tokio profitieren würden.

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(Foto: shuttershock.com)

WIE IST DER AKTUELLE STAND?

Toyota plant, seine fahrerlosen“ e-Palette“-Fahrzeuge als Teil einer 3.000 Fahrzeuge umfassenden Flotte zur Verfügung zu stellen, um die Teilnehmer rund um das Athletendorf zu transportieren. Dazu kommen zwei verschiedene Arten von neuen "Brennstoffzellenfahrzeugen", die durch eine chemische Reaktion zwischen Sauerstoff und Wasserstoff angetrieben werden. Die fahrerlose „e-Palette“, die im Januar 2018 konzeptionell vorgestellt wurde, ist vollelektrisch und würfelförmig und kommt ohne Fahrersitz ,Lenkrad oder gar manuelle Steuerung aus.

 

Das dürfte die Athleten und andere teilnehmende Mitglieder der Spiele gut abdecken, aber was ist mit den Zuschauern? Im Juli 2018 begann ein einmonatiges fahrerloses Experiment mit Stadtverkehrsprüfungen für selbstfahrende Pay-as-you-go-Taxis von ZMP, einem Entwickler fahrerloser Technologie und Konkurrent von Toyota und Uber.

 

1.500 Personen hatten sich angemeldet, um den fahrerlosen Minivan zu testen, wobei 96 von ihnen das Fahrzeug über ihre Smartphones bestellten und die 1.500 Yen (12,03 Euro/13,41 USD) für eine einfache Fahrt durch die belebten Straßen Tokios bezahlten. Die Fahrversuche unterlagen dabei den Bedingungen, dass jederzeit ein Fahrer und ein Assistent anwesend sein mussten, um bei Bedarf zu übernehmen zu können. Das Experiment endete im August allerdings ohne größere Zwischenfälle.

 

Der Erfolg dieses Experiments – weitere sind für das kommenden Jahr geplant– verheißt sehr gute Aussichten Tokios Hoffnung zu erfüllen, die fahrerlose Mobilität bis zur Eröffnungsfeier möglich zu machen. Aber was wird Tokio mit seiner neuen fahrerlosen Technologie und Infrastruktur tun, sobald die letzten Medaillen vergeben sind und die Fackel an Peking (Olympische Winterspiele 2022) übergeben wurde?

 

 

DAS LANGE SPIEL

Die Olympischen Spiele sind sowohl eine Einführungsfrist als auch ein großer Straßentest. Die japanische Regierung beabsichtigt, das fahrerlose System bereits 2022 zu kommerzialisieren – und knüpft damit an eine große, übergreifende Innovationsstrategie an, die Pläne für virtuelle Kraftwerke und verschiedene Technologien der künstlichen Intelligenz umfasst.

 

Abgesehen davon, dass Japan auf der globalen Bühne an der Spitze von Innovation und technologischem Fortschritt steht, kommt dieser Drang nach fahrerlosem Fortschritt nicht ohne Hintergedanken daher. Angesichts der Alterung und des Rückgangs der Erwerbsbevölkerung sowie des schleppenden Wirtschaftswachstums hatten japanische Unternehmen in vielerlei Hinsicht Schwierigkeiten, mit ihren chinesischen, europäischen und US-amerikanischen Kollegen Schritt zu halten. Aber das könnte sich ändern.

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(Foto: Owen Price/iStock)

Die Kommerzialisierung der fahrerlosen Technologie, beginnend mit den Olympischen Spielen 2020, ist erst der Anfang. Mit der so starken Förderung radikaler neuer autonomer Technologien und der Schaffung neuer Gesetze, die den Unternehmen die Nutzung erleichtern sollen, könnte Japan 2020 zum zweiten Mal in Folge einen Maßstab für die brandneue Verkehrstechnologie setzen.

 

 

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